Wenn Medien nur nachplappern

4. Dezember 2014 - 13:56 | | Politik | 1 Kommentare

In den USA gab es in der Late Night Show von Conan O’Brien eine lustige Entdeckung: Während im Februar vergangenen Jahres die schlimmsten Winterstürme der USA aller Zeiten tobten und umstrittene Gesetze verabschiedet wurden, hatten die Lokalnachrichten nur ein Thema, steigende Spritpreise. Das Interessante: Mehrere dutzend Lokalsender benutzen haargenau den gleichen Wortlaut. Ein kurzer Kommentar zur Medienvielfalt.

Eigentlich erwartet man von Journalisten und Redaktionen, dass sie recherchieren, hinterfragen und verschiedene Blickwinkel überprüfen. Also zumindest investigativ oder am besten kritisch an ihr Handwerk gehen. Doch immer mehr Medien übernehmen ungefiltert Meldungen der monopolisierten Presseagenturen im O-Ton: Keine Recherche, keine Kritik. Das hat zur Folge, dass wir einem ungefiltertem Medienbrei ausgesetzt sind, der aus einer Hand kommt und bewusst von seinen BesitzerInnen gesteuert werden kann. Die Situation wird nur umso mehr verschörft, als das die meisten Zeitungen, Radio- und Fernsehsender in wenigen Händen konzentriert sind. In Deutschland kontrolliert alleine die Bertelsmann Gruppe mit der RTL Mediengruppe, GrunerJahr und Random House drei Große Medienhäuser. Daneben existieren weitere „Big Player“ wie der Axel Springer Verlag.

 

 

„You don’t need us to tell you, that gas prices are back on the rise“

“Sie brauchen uns nicht um ihnen zu sagen, dass die Benzinpreise erneut steigen” ist der O-Ton der sich durch alle Lokalnachrichten im Februar 2013 der USA zieht. Dieser Satz ist ein perfektes Beispiel dafür das Informationsvielfalt und unterschiedliche Angebote in den Mainstream-Medien nur noch marginal vorhanden sind.  In Deutschland bestimmen lediglich eine Handvoll überregionaler Presseagenturen über 90 Prozent des Marktes. So ist die Deutsche Presse Agentur (DPA) mit über 50 Prozent unbestrittener Marktführer, gefolgt von Reuters, AFP und anderen Diensten.

Medienvielfalt statt Meinungsmonopol dank Internet

Das Internet hat neue Angebote geschaffen und dazu beigetragen, dass immer mehr kleiner Alternativmedien entstehen, so wie die Freiheitsliebe eine ist. Doch diese haben das Problem der Reichweite. Ohne die Hilfe der LeserInnen kann diese essentiell nur selten gesteigert werden. Soziale Medien wie Facebook schränken die kostenlose Reichweite zudem immer stärker ein. Doch hier kann de facto jedeR NutzerIn dazu beitragen, das Angebot noch reichhaltiger und vor allem nachhaltiger zu gestalten.

Netzneutralität in Gefahr

Man könnte sagen, das Internet ist der einzige Ort an dem Sozialismus herrscht. Denn nirgendwo sonst werden Daten gleich behandelt: Egal ob sie von Bertelsmann, Thyssen-Krupp der Kanzlerin oder dem Kiosk von nebenan kommen – Die Fieberglasleitungen behandeln alle Daten gleich. Doch der neue EU Kommissar Oettinger plant eine „abgestufte Netzneutralität“, also eine Vorzugsbehandlung für bestimmte Daten. Diese könnte ein erhebliches Problem für alternative Medien öffnen, weil sie Tür und Tor für indirekte Indizierung öffnet.

Über den Autor

Bundessprecher der linksjugend ['solid] und Wortakrobat für die Freiheitsliebe, Balkan21 und andere Medien.
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