Warum wir mehr Blogs, Portale & Co. brauchen

22. Juni 2016 - 13:24 | | Politik | 2 Kommentare
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Früher gab es in jeder Stadt eine unabhängige Zeitung, es gab regionale und überregionale Zeitungen die unterschiedlichen Eigentümer*innen gehörten. Was haben wir heute? Einen Markt, der maßgeblich durch wenige Player bestimmt wird: Bertelsmann Stiftung, Pro7Sat1 Media AG, Funke Mediengruppe, Springer, Holtzbrick und viele Mehr. 

In den vergangenen 20 Jahren wurde eine Redaktion nach der anderen zusammengelegt, gestrichen oder aufgelöst. Zeitungen die einer Verlagsgruppe angehören, Nachrichtensender die einem Unternehmen oder einer Stiftung gehören, produzieren inzwischen Ähnliche oder gleiche Inhalte. Der Unterschied ist gering. Das ist für jede Demokratie, egal ob eine radikal-demokratische Gesellschaft, wie sie viele anstreben oder die bürgerliche Demokratie eine Katastrophe.

Medien werden in der bürgerlichen Demokratie die vierte Gewalt genannt. Öffentliche Medien können durch die Berichterstattung die öffentliche Meinung beeinflussen, Menschen diffamieren oder Kampagnen unterstützen oder ablehnen. Sie haben die Macht, Politiker zum Sturz zu bringen, wie sie es bei Christian Wulff getan hat. Sie hat die Möglichkeit, progressive Ideen zu fördern oder sie unter den Teppich zu kehren, so wie sie es mit der Partei die Linke macht, die nach allen empirischen Studien immer nicht ihrem Status entsprechend behandelt wird.

Es ist keine Neuigkeit, es ist aber eine Tatsache, auf die immer wieder hingewiesen werden muss. Medien sind Interessengesteuert: Öffentlich-Rechtliche durch ihre Räte, Private wollen ihr Vermögen mehren und staatliche Sender die Position ihres Staates und ihrer Regierung vertreten. Es gibt so gut wie kein Medium, das kein Interesse hat. Die Frage ist jedoch, wie gehe ich damit um? Gebe ich es offen zu oder behaupte ich trotzdem, ich wäre Neutral?

Fakten kann man neutral darstellen. Auch bei der Berücksichtigung, was man berichtet, kann man neutral vorgehen und möglichst alles mit einbeziehen. Aber sobald man ein Wort mehr schreibt, als die puren Fakten, ist es eine Interpretation. Diese intimer eingefärbt und subjektiv, egal wie sehr der Autor oder die Autorin behauptet, dies stimme nicht.

Die Einsicht ist der erste Weg zur Besserung. Viele Blogs und neue Portale, wie wir es sind, geben offen zu, das wir ein Interesse haben. Wir verheimlichen nicht unsere Redaktionsstatuten, wie es der Spiegel tut, wir verheimlichen nicht die Mitgliedschaften unserer Autoren und wir behaupten nicht neutral zu sein, weil es über reine Faktenberichte hinaus dafür keine Möglichkeit gibt.

Wir brauchen mehr unabhängige Blogs und Nachrichtenportale, die berichten. Doch diese brauchen dafür auch Anerkennung und Geld, beides fehlt recht häufig. Die großen Medienunternehmen haben hunderte von Millionen zur Verfügung, ein Millionen Budget. Wer unabhängige und vielfältige Nachrichten, Analysen, Feuilleton und mehr lesen will, muss ihn unterstützen. Es ist im Prinzip der Aufbau einer Gegenmacht: Gegen die Massenmedien, die eh alle nur bei Nachrichtenagenturen wie der DPA abschreiben, naja, nicht alle, aber viele.

Über den Autor

Bundessprecher der linksjugend ['solid] und Wortakrobat für die Freiheitsliebe, Balkan21 und andere Medien.
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2 Kommentare

  • 1
    günter says:

    es kommt nicht auf die anzahl der webportale an (es gibt unübersichtlich viele!), sondern auf deren Inhalt. ein paar mehr kerekes-Blogs oder noch mehr „freiheitsdiebe“ braucht niemand.