System Change, not Climate Change!

27. Mai 2019 - 13:00 | | Politik | 1 Kommentare

 Der Kapitalismus zerstört unser Klima und auch grüne Formen des Kapitalismus reichen nicht zur Klimarettung aus, meint Sergen Canoglu.

Seit den 1980er Jahren klafft weltweit die Schere zwischen Arm und Reich ungebremst auseinander. Dasselbe können wir auch beim Klimawandel feststellen. 80% der CO2 Emissionen im 20. Jahrhundert wurden von den Industriestaaten herbeigeführt, allein 100 Konzerne sind seit 1988 für 71% der weltweiten Emissionen verantwortlich. Das reichste 1% der Welt verbraucht durchschnittlich 175-mal mehr CO2 als jemand aus den ärmsten 10% der Welt. Die Ungleichheit des Kapitalismus spiegelt sich also auch in der Klimazerstörung wider. Die kapitalistische Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung beruht auf der Ausbeutung von Mensch und Natur. Sie droht strukturell, unsere Erde für die profitorientierte Wirtschaftsweise zu zerstören.

Kapitalismus bedeutet Spaltung der Gesellschaft in Besitzende und Lohnabhängige. Die Ersteren versuchen im Wettbewerb auf möglichst billige Art und Weise maximale Gewinne zu erzielen. Der Konzern muss dieses Ziel realisieren, da er sonst von anderen Konzernen bedroht ist, die ihn kaufen oder vom Markt drängen. Ein Konzern muss also immer wachsen, um zu bestehen. Kapitalismus und Wachstum bedingen sich also. Aber unbegrenztes Wachstum in einer begrenzten Welt ist langfristig unmöglich – vor allem wenn der Rohstoffverbrauch stetig weiter anwächst. Seit der Industrialisierung wachsen die CO2-Emmissionen kontinuierlich an und sanken nur kurzzeitig in der Weltwirtschaftskrise.

Jene begrenzten Naturressourcen, die eigentlich allen Menschen gehören sollten, eignen sich Private an und unterwerfen ihre Kontrolle den Marktkräften. Im Namen des Profits werden Sozial- und Umweltstandards umgangen, die Produktion in den globalen Süden ausgelagert und dort Diktatoren unterstützt, welche diese Ordnung brutal durchsetzen. Die Zeche hierfür zahlen die Lohnabhängigen und die Natur.

Keine faulen Kompromisse

Forderungen wie der Green New Deal, der als populärste Form des grünen Kapitalismus gilt, sind keine Auswege aus der ökologischen Krise, da mit dem Wachstum und dem damit verbundenen rasenden Rohstoffverbrauch nicht gebrochen wird. Hinzu kommt, dass die soziale Frage ignoriert wird. Soziale und ökologische Ungleichheit hängen aber zusammen und können nur gemeinsam gelöst werden! Das sieht man zum Beispiel in Frankreich: Macron versucht durch Steuererhöhungen auf Benzin die Klimakrise anzugehen. Die Kosten lasten aber auf dem Rücken der breiten Gesellschaft statt bei den Verursachern. Zurecht gehen die Gelbwesten dagegen auf die Straße. Solche Vorhaben führen nur zu verschärfter sozialer Ungleichheit, da künftig nur reiche Menschen Autos fahren könnten. Was wir brauchen, ist der massive Ausbau des ÖPNV mit gleichzeitiger Preissenkung, den Umbau der kompletten Wirtschaft auf erneuerbare Energien mit sofortigem Kohleausstieg. Hierfür muss der konsequente Kampf mit der Energie- und Autolobby aufgenommen werden, doch selbst das geht nicht weit genug. Um langfristig nachhaltig und bedürfnisgerecht mit unseren Ressourcen umzugehen, bräuchten wir eine demokratisch geplante Wirtschaft. Alles andere führt nur dazu, dass Ressourcen aufgrund privater Interessen auch privat angeeignet werden.

Streiken für die Zukunft

Trotzdem brauchen wir jetzt schnelle und radikale Schritte, denn die Uhr tickt. Der sogenannte Point of No-Return, der Zeitpunkt, ab dem wir das Klima nicht mehr kontrollieren können, wird bei 1,5°C geschätzt. Um diesen zu erreichen, müssten mindestens die Pariser Klimakonventionen erreicht werden, die jetzt schon einige Staaten krachend verfehlen.

Nicht umsonst bestreiken weltweit nun seit einigen Monaten Schülerinnen und Schüler von Fridays for Future jeden Freitag die Schule, um sich für ihre Zukunft einzusetzen. Auch Ende Gelände mobilisiert jährlich erfolgreich zum Blockieren von Braunkohlerevieren, die an einem Tag so viel Schaden anrichten, wie der gesamte Autoverkehr in Deutschland. Den Klimaaktivistinnen und Klimaaktivisten gehört unsere praktische Solidarität und sie dürfen nicht kriminalisiert werden. Wir alle müssen aktiv werden, um diese große Herausforderung zu bewältigen. Aus Angst um ihren Gewinn finanzieren die Profiteure der aktuellen Ausbeutung unserer Ressourcen die Klimawandelleugner. Denn die Bewältigung der ökologischen Krise stellt das aktuelle System in Frage und immer mehr Menschen wird dies bewusst. Greta Thunberg sagt zu Recht: „Ich möchte, dass ihr in Panik geratet!“

Der Artikel erschien in der neuen Ausgabe unseres Medienpartners Critica.


Unterstütze die Freiheitsliebe

612€ of 1.000€ raised

Dir gefällt der Artikel? Dann unterstütze doch unsere Arbeit, indem Du unseren unabhängigen Journalismus mit einer kleinen Spende per Überweisung oder Paypal stärkst. Oder indem Du Freunden, Familie, Feinden von diesem Artikel erzählst und der Freiheitsliebe auf Facebook oder Twitter folgst.

Über den Autor

Avatar
Aktivist bei DIE LINKE. Köln. Meine Themenschwerpunkte liegen bei Kapitalismus vs. Klima und aktuelles über die Türkei und Spanien. Mitglied bei: DIE LINKE, DieLinke.SDS, Bewegungslinke, GEW
Ihr findet mich auf: Facebook
Zahlungsmethode auswählen
Persönliche Informationen

Spendensumme: 3,00€

Über den Autor

Avatar
Aktivist bei DIE LINKE. Köln. Meine Themenschwerpunkte liegen bei Kapitalismus vs. Klima und aktuelles über die Türkei und Spanien. Mitglied bei: DIE LINKE, DieLinke.SDS, Bewegungslinke, GEW
Ihr findet mich auf: Facebook

Ein Kommentar