Natur des Menschens im Kapitalismus und Sozialismus

Im ersten Teil der Reihe „Ist die Natur des Menschen ein Hindernis für den Sozialismus?“ ging es um die Argumente gegen den Sozialismus und die Veränderung des Wesens der Menschen. Der zweite Teil beschäftigte sich mit der Frage, was die Natur des Menschen ist. Dieser dritte und letzte Teil setzt sich mit der Frage auseinander, wie sich der Mensch, seine Bedürfnisse und Gewohnheiten im Kapitalismus und Sozialismus verhalten.

Der Kapitalismus und die Natur des Menschen

Wie alles andere auch verändert sich das ökonomische System des Kapitalismus ständig. Der heutige Kapitalismus unterscheidet sich von dem zur Zeit von Karl Marx und Königin Victoria. Als Marx 1848 das Kommunistische Manifest schrieb, hatte sich der Kapitalismus eigentlich nur in Teilen Westeuropas und in England durchgesetzt. Heute beherrscht er die ganze Welt. 1848 waren die Haupteinheiten kapitalistischer Produktion nur sehr kleine Fabriken, die sich im Besitz von Einzelnen oder Familien befanden. Heute ist der Kapitalismus von gigantischen multinationalen Konzernen wie Exxon, Ford oder ICI beherrscht.

Als Friedrich Engels 1844 „Die Lage der arbeitenden Klasse in England“ schrieb, arbeiteten die Arbeiter von Manchester, ihre Kinder eingeschlossen, zwölf bis 14 Stunden am Tag für Pennies und lebten in elenden Hütten, die nicht viel mehr als Löcher im Boden waren. Heute haben die Arbeiter in Manchester ihr Los enorm verbessert, aber die gleich schlechten oder noch schlimmeren Umstände findet man heute in Kalkutta, Kairo und Rio de Janeiro vor. Doch es bleiben, lässt man diese und viele andere Veränderungen außer Acht, immer noch bestimmte Grundmerkmale, die das Wirtschaftssystem als kapitalistisch bestimmen. Die wichtigsten von ihnen sind die folgenden:

  1. Die ausschlaggebenden Produktionsmittel (so wie Fabriken, Land, Maschinen und Transport) befinden sich im Besitz oder unter Kontrolle einer kleinen Minderheit der Bevölkerung – der Kapitalisten.
  2. Der großen Mehrheit der Bevölkerung ist der Besitz der Produktionsmittel oder die Kontrolle über sie versagt. So sind sie, um leben zu können, gezwungen, ihre Fähigkeit zu arbeiten, dass heißt ihre Arbeitskraft, diesen Kapitalisten zu verkaufen. Sie sind gezwungen, ihre Arbeitskraft zu Bedingungen zu verkaufen, die es den Kapitalisten erlauben, ein Mehrprodukt oder einen Profit zu ziehen.
  3. Die Produktionsmittel sind auf verschiedene Kapitalisten verteilt (entweder auf Individuen, Gruppen oder kapitalistische Staaten), die in Konkurrenz zueinander produzieren. Die andauernde Konkurrenz um Profit zwingt die Kontrolleure jeder kapitalistischen Produktionseinheit, ihre Arbeiter so viel wie möglich auszubeuten.

Die Verfechter des kapitalistischen Systems haben immer wieder behauptet, dass das irgendwie der ‚menschlichen Natur‘ entspräche. In diesem Argument lag einmal ein Körnchen Wahrheit. Als der Kapitalismus zuerst in Erscheinung trat (vor etwa 200 bis 500 Jahren), erschloss er größere Kapazitäten, mit denen er die Bedürfnisse der Menschen nach Nahrung, Kleidung und Schutz befriedigen konnte, als es das vorangegangene System, der Feudalismus, getan hatte. Alles Übrige ist kompletter Unsinn.

Zuerst einmal ist es absurd zu behaupten, dass sich Menschen ’natürlich‘ und instinktiv kapitalistisch verhalten, wenn es mehr als zwei Millionen Jahre der Menschheitsentwicklung gedauert hat, um den Kapitalismus überhaupt zu installieren. Weder das Handeln mit Waren im allgemeinen, noch der Kauf und Verkauf der Arbeitskraft erscheinen irgendwo in der Welt der Natur oder in den frühen Stufen der Menschheitsgeschichte. Ganz im Gegenteil zeigt die Geschichte, dass Menschen erst dazu gebracht werden müssen, ihre Arbeitskraft zu verkaufen und für einen Unternehmer zu arbeiten, indem sie unter Zwang jeder Möglichkeit beraubt worden sind, ihren Lebensunterhalt zu verdienen, indem sie für sich selbst arbeiten. In Britannien wurde das mit der Umzäunung des Landes vom 15. bis zum 19. Jahrhundert erreicht.

Das Auftreten einer Klasse, die so viel besaß, dass sie es in die Industrie investieren und davon Arbeitskraft in hohem Maße kaufen konnte, erforderte einen brutalen Vorgang, den Marx die ‚ursprüngliche Akkumulation von Kapital‘ nannte. Dieser bedeutete die Versklavung von Millionen von Afrikanern und ihren Transport nach Amerika, den Völkermord an einem großen Teil der einheimischen Bevölkerung Mittel- und Südamerikas, die Ausplünderung und Verarmung von Indien und dem Fernen Osten und unzählige andere Barbareien. Außerdem hatte der Kapitalismus und die Kapitalistenklasse eine Serie von brutalen revolutionären Kämpfen und Bürgerkriegen gegen die alte feudalistische Aristokratie zu führen, wollten sie ihre Herrschaft etablieren. Das bedeutete das Abschlagen der Königsköpfe in England und Frankreich. Folglich hatte die Entwicklung des Kapitalismus nichts ’natürliches‘ an sich.

Es stimmt auch nicht, dass der Kapitalismus es zu individuellen Eigeninteressen macht, die Produktivkräfte zu entwickeln. Die Triebkraft des Kapitalismus ist der Profit – aber Profite können nur von der kleinen Minderheit in der Gesellschaft gemacht werden, die Kapital besitzt. Für die große Mehrheit der Individuen gründet sich der Kapitalismus auf die Unterdrückung von Selbstinteressen. Deshalb fordern die Kapitalisten auch ständig die Arbeiter auf, bescheiden zu sein. Deshalb haben die Unternehmer auch immer versucht, Gesetze zu machen, die die Möglichkeit der Arbeiter einschränken, ihre Interessen über die Gewerkschaft durchzusetzen.

Der Kapitalismus ist weit davon entfernt, ein Ausdruck der menschlichen Natur zu sein. Er nimmt die wichtigste und deutlichste Eigenschaft der Natur des Menschen – die Fähigkeit zur menschlichen Arbeit – und entstellt sie vollkommen. Indem er die Arbeit als Ware behandelt, die man kauft und ausbeutet, entfremdet der Kapitalismus sie dem Arbeiter. Anstatt das Mittel zu sein, mit dem Menschen bewusst die Natur umwandeln, um individuelle und kollektive Bedürfnisse zu befriedigen, ist die Arbeit bloß ein Mittel, um das Geld zu verdienen, das man zum Überleben in der Gesellschaft braucht. Die Arbeiter verlieren alle Kontrolle über ihre eigene Arbeit, die zur bedeutungslosen, die Seele zerstörenden Schinderei verkommt und sie physisch und psychisch vernichtet. Das Ergebnis ist, dass Menschen 40 bis 50 Jahre in einem Job verbringen, den sie hassen oder der ihnen bestenfalls egal ist, und der sie abnutzt und quält.

Der Kapitalismus nimmt sogar einer enormen Zahl von Menschen die Möglichkeit, überhaupt zu arbeiten. Er schleudert sie in die Arbeitslosigkeit, sobald kein ausreichender Profit mehr aus ihrer Arbeit gezogen werden kann. Damit wird das, was den Kern der menschlichen Natur ausmacht und was früher jedem ‚primitiven‘ Jäger und Sammler zustand – die Möglichkeit, sich in nützlicher gesellschaftlicher Arbeit zu entfalten – heute Millionen verweigert. Die Entfremdung der Arbeit kommt nicht nur am Arbeitsplatz vor, sie betrifft auch alle gesellschaftlichen Beziehungen. Beziehungen zwischen Arbeitern, zwischen Eltern und Kindern, zwischen Männern und Frauen, sexuelle und Liebesbeziehungen sind alle verzerrt und entstellt. Menschen behandeln sich wie Objekte und Waren, die benutzt und manipuliert werden. Selbst der Sex wurde zu einer Ware, die benutzt wird, um andere Waren zu verkaufen. Oft versuchen die unterdrücktesten und entfremdetsten Individuen, ihre Ohnmacht und Unterdrückung auszugleichen, indem sie auf der Arbeit oder in der Gesellschaft andere, die noch wehrloser sind als sie selbst, noch härter schikanieren, schlagen und beleidigen.

Nichts von dem ist natürlich oder ein Produkt der menschlichen Natur. Es ist ein Produkt der Gesellschaft, die die menschliche Natur vergewaltigt.

Letztlich erweist sich der Kapitalismus als erschreckend schlecht, auch nur die grundlegendsten natürlichen Bedürfnisse der Menschen – die nach Wasser, Nahrung, Kleidung und Schutz – zu befriedigen. Die Nahrungsproduktion überflügelt das Bevölkerungswachstum jedes Jahr, und ungeheure ‚Weinseen‘ und ‚Fleischberge‘ werden angelegt. Aber immer noch hungern Hunderte von Millionen und zig Millionen hungern zu Tode. Und weitere unzählige Millionen leiden und sterben an Erkrankungen, die leicht verhindert werden könnten. In reichen Ländern, wie der BRD, Britannien und den USA, existieren Mittel, mit denen Luxus-Hotels und Büros gebaut werden. Aber immer noch kauern Menschen in Durchgängen, weil sie kein Bett für die Nacht haben.

Das ist weder natürlich noch etwas von der Natur Auferlegtes. Die sogenannten ‚primitiven‘ Buschmänner der Kalahari sind in der Lage, aus der Halbwüste durch Jagen und Sammeln eine bessere Ernährung zu beziehen, als Millionen, die an Hungersnöten sterben, die von Menschen gemacht wurden, oder die sich kümmerlich am Rand der großen Städte der Welt durchschlagen. Die Inuit im kalten Norden können aus Eisblöcken einen wärmeren Schutz bauen, als jene, die sich unter der Waterloo-Brücke in Pappkartons verkriechen.

Diese Unmenschlichkeiten treten auf, weil der Kapitalismus das, was man zum Leben braucht, nur durch die Kaufkraft zugänglich macht, während er gleichzeitig sicherstellt, dass breiten Massen von Menschen diese Kaufkraft fehlt. In seinem schonungslosen Trieb nach Profit vergiftet der Kapitalismus sogar die Luft und das Wasser und droht, die natürliche Umwelt zu zerstören, die den Menschen an erster Stelle hervorbrachte und ihn am Leben erhält.

Sozialismus und die Natur des Menschen

Wenn der Kapitalismus für die menschliche Natur ganz klar schädlich ist, wie steht es mit dem Sozialismus?

Wenn wir zumindest die Existenz einer grundlegenden Natur des Menschen anerkennen, ist es dann nicht möglich, dass tief in dieser Natur eine Eigenschaft steckt, die das Erreichen einer klassenlosen, sich selbst regierenden Gesellschaft, in der alle gleichberechtigt und frei sind, verhindert? Gibt es nicht vielleicht ein urtümliches Verlangen nach Macht oder das Bedürfnis, andere zu beherrschen, das dafür sorgt, dass die Gesellschaft immer in Herrscher und Beherrschte geteilt sein wird? Könnte es sein, dass die Existenz von natürlichen, physischen Ungleichheiten zwischen Individuen einer gesellschaftlichen Gleichheit ein unüberwindbares Hindernis in den Weg legt?

Wir können solche und ähnliche Fragen ganz einfach und sachlich beantworten. Seit Zehntausenden von Jahren, aller Wahrscheinlichkeit nach sogar seit Hunderttausenden von Jahren, lebten Menschen in Gesellschaften ohne Privateigentum, Klassenteilung, Herrscher oder Staat. Der archäologische Befund zeigt, dass die ersten handgemachten Werkzeuge – Feuersteine – aus einer Zeit stammen, die 2,5 Millionen Jahre zurückliegt. Von dort bis zur Entwicklung des Ackerbaus vor 10.000 Jahren lebten die Menschen – beziehungsweise deren menschenähnliche Vorfahren – als gelegentliche Aasfresser, dann als organisierte Jäger und Sammler, meistens in kleinen Nomadenhorden. Während dieser Phase gab es noch kein Anpflanzen von Feldfrüchten, keine Töpferei und keine Transportmittel. Es war weder für die Gruppe noch für den Einzelnen möglich, in ihr einen Überschuss an Gütern anzuhäufen, der das, was für die tagtägliche Existenz notwendig war, überstieg.

Ohne dieses Mehrprodukt konnte es keine Teilung der Gesellschaft in Klassen geben – keine Schicht oben lebte von der Arbeit der unteren. Es konnte auch noch keinen Staat mit Vollzeitherrschern geben, die über Körperschaften von bewaffneten Männern verfügten, um ihre Herrschaft aufrecht zu erhalten. Jeder war in die Produktion dessen einbezogen, was zum Überleben notwendig war. Also lebten die Menschen 99 Prozent der Zeit, die sie diesen Planeten bewohnen, in klassenlosen Gemeinschaften.
Die Existenz von klassenlosen Gesellschaften lässt sich nicht nur durch das Studium von archäologischen Anhaltspunkten oder logische Schlussfolgerungen beweisen. Genügend Jäger-und-Sammler-Völker überlebten bis vor kurzem mit der ihnen entsprechenden Lebensweise, um von modernen Anthropologen beobachtet zu werden.

Ein gutes Beispiel sind die !Kung San in der Kalahari-Wüste im südlichen Afrika, die von zahlreichen Anthropologen, im Speziellen vom Amerikaner Richard Lee, aus erster Hand studiert worden sind.
Die !Kung leben nun seit 10.000 Jahren in der Kalahari. Sie leben in kleinen Gruppen von etwa 30 Menschen und ziehen mit ihrem Lager alle paar Wochen um. Sie akkumulieren sehr wenig an materiellen Gütern – nicht mehr, als sie bei ihren Wanderungen mit sich tragen können –, aber sie besitzen eine reiche, mündlich überlieferte Kultur. Eine detaillierte Kenntnis ihrer Umwelt hat sie in die Lage versetzt, einen einigermaßen beständigen Lebensstandard zu erreichen. Die Nahrung, die erjagt oder gesammelt worden ist, wird gemeinschaftlich aufgeteilt. Lee schreibt:

„Das Teilen hat die Verhaltensweisen und Werte der !Kung-Wildbeuter, innerhalb von Familien und zwischen ihnen, tief durchdrungen. So wie das Prinzip des Profits und der Rationalität in der kapitalistischen Ethik zentral ist, steht das Prinzip des Teilens zentral in der gesellschaftlichen Lebensführung der Wildbeuter-Gesellschaften.“

Die !Kung leben alle in Gleichheit. Sie haben nicht nur keine Teilung in arm und reich, sie haben auch keine Chefs oder Führer. Richard Lee fragte einmal, ob die !Kung Häuptlinge hätten. „Natürlich haben wir Häuptlinge“, war die Antwort. „Tatsächlich sind wir alle Häuptlinge; jeder von uns ist sein eigener Häuptling.“ In der Zusammenfassung der Ergebnisse aus der Feldforschung mit den !Kung und anderen Jäger-und-Sammler-Gesellschaften schreibt Richard Lee:

„Die Tatsache, dass gemeinschaftliches Teilen von Nahrungsmitteln in den letzten Jahren bei den !Kung und Dutzenden von anderen Wildbeuter-Gruppen beobachtet wurde, ist eine Entdeckung, die nicht so einfach übergangen werden sollte. Diese Allgemeingültigkeit unter Wildbeutern unterstützt die Theorie von Marx und Engels, dass eine Stufe des Ur-Kommunismus‘ vorherrschend war, ehe der Staat aufkam und die Gesellschaft in Klassen zerbrach. […] Ein wirklich gemeinschaftliches Leben wird oft als utopisches Ideal abgetan, das in der Theorie gut aussieht, aber in der Praxis unerreichbar ist. Aber das Zeugnis, das uns die Völker der Wildbeuter ablegen, beweist etwas ganz anderes. Eine Lebensweise des Teilens ist nicht nur möglich, sie existierte auch in vielen Teilen der Welt und über lange Zeitperioden hinweg.“

Dieser Beweis ist nicht angeführt worden, um nahezulegen, dass das, was wir unter Jägern und Sammlern finden, Menschen in einem ’natürlichen Zustand‘ sind oder dass die Natur des Menschen ‚von Grund auf‘ sozialistisch ist. Das wäre bloß eine Umkehrung des Argumentes gegen Sozialisten, das den gleichen grundlegenden Fehler wiederholt. In Wirklichkeit war selbst die Lebensweise der Jäger und Sammler das Produkt einer langen kulturellen Entwicklung; sie musste sozial erlernt und kulturell untermauert werden. „Jedes menschliche Kind ist“, wie Richard Lee treffend bemerkt, „von Geburt an sowohl mit der Fähigkeit ausgestattet zu teilen, als auch mit der, geizig zu sein.“ Diese anthropologische Erkenntnis beweist jedoch, dass die Natur des Menschen und der Sozialismus nicht unvereinbar sind.
Der moderne Sozialismus verspricht viel mehr als nur die Vereinbarkeit mit der menschlichen Natur. Der Sozialismus bedeutet keine Rückkehr zu den Bedingungen des Ur-Kommunismus, sondern einen enormen Fortschritt, dem die technologischen Errungenschaften aus Tausenden von Jahren der Klassen-Gesellschaft zugrunde liegt.

Der Ur-Kommunismus lag im Fehlen jedes akkumulierten Mehrproduktes begründet; der moderne Sozialismus basiert auf der Tatsache, dass die Produktivkräfte nun bis zu dem Punkt entwickelt worden sind, wo es ein ausreichendes Mehrprodukt gibt, das genügt, jedem ein annehmbares Leben zu ermöglichen, ohne dass das Leben der Menschen mit Schinderei verschwendet werden müsste. Sozialismus bedeutet heute, sich den immensen Wohlstand, die Produktionskapazitäten, die Wissenschaft und die Technologie, die heute von multinationalen Konzernen, den superreichen Kapitalisten und ihren Staaten, monopolisiert werden, anzueignen und im internationalen Maßstab unter eine kollektive demokratische Kontrolle zu stellen.

Dies würde eine angemessene Ernährung, Kleidung und Schutz für jeden auf dem Planeten gewährleisten und Hungertod und Armut abschaffen. In diesem Prozess würde sich die menschliche Spezies vereinigen; die Ausbeutung, nationale Feindschaften, der Krieg, der Rassismus und die sexuelle Unterdrückung würden beendet werden, indem die materiellen Umstände, die sie untermauern, aus dem Weg geräumt werden. Das würde Menschen in eine Lage versetzen, in der sie ihre Arbeit und die Produkte ihrer Arbeit gemeinsam kontrollieren. So würde die fundamentale Entfremdung und Entstellung der Natur des Menschen überwunden werden, die tausende Jahre der Sklaverei und der Leibeigenschaft hindurch fortbestand und in der kapitalistischen Lohnarbeit gipfelte. Das würde persönliche und soziale Beziehungen umwandeln und befreien; es würde eine Umwelt produzieren, die gestaltet wurde, um menschliche Bedürfnisse zu befriedigen und die menschliche Entwicklung zu fördern; es wäre möglich, die Auswirkungen menschlichen Handelns auf die Umwelt vernünftig zu planen und so die leichtfertige Zerstörung der Umwelt zu beenden.

Ein grundlegendes Merkmal der menschlichen Art ist die künstlerische Kreativität. Das älteste Objekt der Gravierkunst ist 300.000 Jahre alt. Jede menschliche Gesellschaft hat ihre Musik und ihren Tanz. Im Kapitalismus ist die künstlerische Aktivität, wie in allen Klassengesellschaften, einigen Privilegierten vorbehalten – die Kreativität der Mehrheit wird vereitelt und unterdrückt. Der Sozialismus wird diese Kreativität freisetzen, indem er Freizeit und Bildung für alle ausdehnt und das kreative Element in der Produktion wiederherstellt. Das wird eine große, kulturelle Blüte hervorbringen.

So wird der Sozialismus nicht nur die grundlegenden Bedürfnisse befriedigen, die allen Menschen gemein sind, sondern auch zu einer alles umfassenden Entwicklung, Bereicherung und einem Wachstum der menschlichen Natur führen. Das ist nicht nur möglich; es ist notwendig und wert, dafür zu kämpfen.

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Eine Antwort

  1. Spannender Artikel! Ich sehe es insbesondere vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Globalisierung und Vernetzung als eine sinnvolle Idee, auch die Verteilung des produzierten Wohlstands auf nationenübergreifender Ebene zu regeln. Allerdings bliebe hier ja die interessante Frage nach der konkreten Ausgestaltung und einer Vermeidung von Machtmissbrauch, bzw. ob es möglich wäre, alle Nationen unter gemeinsamen Leitsätzen/ Zielen zu ‚versammeln‘? Ausgehend von der Annahme, dass letztlich alle Menschen in ähnlicher Weise nach der Sicherung eines „guten Lebens“ streben, müsste dies theoretisch möglich sein, allerdings wäre die Frage, in welchem Maße hier wiederum auch kulturelle Unterschiede einen separierenden Einfluss haben.. wobei ich vermute, dass viele Differenzen eher auf Interessen des Machterhaltes nationaler Regierungen zurückzuführen sind. Hier gibt es sicher einiges zu bedenken, allerdings liegt in dieser Idee auch umgekehrt zu viel Potenzial, um sie zu vernachlässigen!

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