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Die Kinder-Corona-Politik: Von der Nützlichkeit des Kindes

Am heutigen 20. November wird jedes Jahr der Tag der Kinderrechte begangen. Dieses Datum möchte ich in diesem Jahr dazu nutzen, die fatale Corona-Politik der Bundesregierung aus der Perspektive der Kinder zu beleuchten. Dort setzt sich die allgemeine Konzeptlosigkeit der Politik fort – ergänzt von einer grundlegend falschen Herangehensweise an Kinder- und Jugendpolitik, die seit Jahren viel zu stark die Leitlinien bestimmt.

Die Heranwachsenden werden nicht als Menschen mit Bedürfnissen nach gesellschaftlicher Teilhabe, gegenseitigem Austausch und dem Wunsch, gehört zu werden, gesehen. Kinder werden vor allem unter dem Gesichtspunkt der Nützlichkeit für die Gesellschaft betrachtet. So verwundert es nicht, dass die Schließungen von Schulen und Kitas meist unter dem Gesichtspunkt der Arbeitsfähigkeit der Eltern oder der Anpassung der Kinder für den Arbeitsmarkt diskutiert wurden.

Viel zu häufig stand und steht im Mittelpunkt, wie verpasste Lehrinhalte nachgeholt werden können. Doch mit der Schließung der Schulen und Kitas geht den Kindern in einer enorm wichtigen Phase ihres Lebens etwas verloren – nämlich der für die Sozialisation essenzielle Kontakt zu Gleichaltrigen. Dass die Bundes- und Landesregierungen nicht alles unternommen haben, um die Schulen und Kindertageseinrichtungen pandemiegerecht auszustatten, kann in der vierten Welle nicht mehr mit Versäumnissen wegen einer allgemeinen Überforderung mit der Pandemie erklärt werden. Das ist eine klare Aussage, dass die Emotionen und Bedürfnisse von Minderjährigen nicht interessieren – sofern sie nicht deckungsgleich mit den Interessen des Kapitals sind.

Dabei liegen längst belastbare Daten vor, die einen enormen Anstieg psychischer Erkrankungen, wie Depressionen und Angststörungen, belegen. Die Zahlen haben sich hier teilweise verdoppelt und verdreifacht – es wird beispielsweise davon ausgegangen, dass rund 25 Prozent der Jugendlichen zwischen 16 und 19 Jahren klinisch relevante Formen von Depressionen entwickelt haben. Im Jahr vor der Pandemie lag der Wert noch bei rund 10 Prozent. Dabei sind Kinder in prekären Verhältnissen stärker betroffen als diejenigen in Mittel- und Oberschichtsfamilien, was beispielsweise an der beengteren Wohnsituation und noch tiefer gehenden Zukunftsängsten liegt. Zudem werden ihre psychischen Erkrankungen seltener erkannt, da der Zugang zu Psychologinnen und Psychologen alles andere als niedrigschwellig ist und der Kontakt zu Schulpsychologinnen und Schulpsychologen wegfällt.

In der Krise werden soziale Ungleichheiten nicht nur fortgeschrieben, sondern potenziert und auf weitere Bereiche ausgedehnt. Hier besteht sofortiger Handlungsbedarf. Dass in Deutschland Schulen und Kitas bis heute nur in Ausnahmefällen mit Luftfiltern ausgestattet sind – eine Maßnahme, die in Schweden im Oktober 2020, also vor über einem Jahr, nahezu abgeschlossen war – ist ein absoluter Skandal. Das Sondierungspapier der Ampel lässt wenig hoffen. Dabei brauchen wir dringender als je zuvor eine Kinder- und Jugendpolitik, die das Kind und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt rückt. Allein mir fehlt der Glaube.

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