Von der Ausbildung direkt in den Burn-Out: Vom Alltag in Erziehungsberufen

In den letzten Wochen haben immer weitere Kommunen beschlossen, dass sie die Betreuungszeiten in ihren Kitas reduzieren. Dieser Schritt wird überall gleich begründet: mit der katastrophalen Fachkräfte-Situation in den Einrichtungen. Seit Jahren ist klar, dass in der frühkindlichen Bildungen großer Personalmangel herrscht. Studien gehen von einem akuten Mangel von 100.000 Erzieherinnen und Erzieher aus.

Um wirklich den Kindern mit einem angemessenen Betreuungsschlüssel gerecht zu werden und alle Kinder betreuen zu können, deren Eltern einen Kita-Platz möchten, wären sogar über 300.000 zusätzliche Stellen nötig. Die Folge der aktuellen Situation: Kinder, die von gestressten Erzieherinnen und Erzieher betreut werden. Erzieherinnen und Erzieher, die permanent über die eigene Belastungsgrenze hinausgehen und somit – wenig verwunderlich – die Berufsgruppe mit dem höchsten Krankenstand sind. Und nicht zuletzt Eltern, die aufgrund der verkürzten Betreuungszeiten oder den oft spontanen Schließungen die eigene Arbeitszeit verkürzen müssen. Studien während der Lockdowns in der Pandemie haben gezeigt, wer diejenigen sind, die ihre Arbeitszeit verkürzen: Ganz überwiegend waren es die Frauen. Der antifeministische Backlash ist also im vollen Gange und wird weiter voranschreiten, wenn die Bundesregierung nicht endlich gegensteuert.

„Gemeinsam mit den Ländern und allen relevanten Akteuren entwickeln wir eine Gesamtstrategie, um den Fachkräftebedarf für Erziehungsberufe zu sichern und streben einen bundeseinheitlichen Rahmen für die Ausbildung an. Sie soll vergütet und generell schulgeldfrei sein“, schrieb sich die Ampel in ihren Koalitionsvertrag. Bis heute hat sie jedoch nichts vorzuweisen. In einer von der Fraktion DIE LINKE im Bundestag beantragten Aktuellen Stunde wies die Vertreterin des Familienministeriums, Staatssekretärin Ekin Deligöz, die Verantwortung von sich und zeigte auf die Länder und Kommunen. Der Bund würde ja schon mit dem Kitaqualitätsgesetz unterstützen und bald stünden dem Markt die Erzieherinnen und Erzieher der vom Bund initiierten Praxisintegrierten Ausbildung zur Verfügung. Ganze 2.500 EErzieherinnen und Erzieher und dazu wurde das Programm von der Vor-Vorgängerin im Amt der Familienministerin aufgelegt – eher nicht der große Wurf. Genauso wenig das Kitaqualitätsgesetz, das mehr oder weniger eine Fortsetzung des Gute-Kita-Gesetzes ist. Weil man parallel dazu jedoch die Sprachkitas auslaufen ließ, hat man insgesamt den Rotstift im Bereich der frühkindlichen Bildung angelegt – auch hier also absolut kein Grund, dass das Ministerium sich selbst lobt. Erst recht nicht, wenn man sich die Kosten vor Augen führt, die jährlich im Kita-Bereich anfallen. Die Summe stieg in den letzten 15 Jahren durchschnittlich um fast drei Milliarden Euro pro Jahr und liegt aktuell bei fast 50 Milliarden Euro. Und die Beteiligung des Bundes an den Kosten? Die ist die einzige Konstante in der Rechnung und liegt über die Jahre hinweg stets bei rund 3 Milliarden, wenn man alle Programme zusammennimmt.

Der Bund sollte sich dringend auf seinen Koalitionsvertrag besinnen und in einem ersten Schritt Länder, Kommunen, Träger und Gewerkschaften zu einem Kita-Gipfel zusammenbringen. Dieser muss schnellstmöglich konkrete Ergebnisse hervorbringen, der die Situation in Kitas verbessert und somit das Berufsfeld attraktiver macht. Den Erzieherinnen und Erzieher ist der aktuelle Zustand genauso wenig weiter zuzumuten, wie den Eltern und Kindern!   

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