Lederjacke und Goldkette oder wie Linke auf Migranten schauen?

1. Oktober 2018 - 12:00 | | Politik | 2 Kommentare

Aus der Haustür raus, an der Spielothek und dem KiK an der Ecke vorbei, schnell zum Bus. Eine Sache fällt auf: Viele Menschen sehen so aus wie wir. Wie wir meint nicht nur dunkele Haare und Augen, sondern auch die schwarze Lederjacke, die Goldkette um den Hals, eine Uhr am Handgelenk.

Mit dem Bus geht es zur Demo. Egal, ob gegen die Zerstörung der Umwelt protestiert wird, für höhere Löhne oder Frieden, das Bild ändert sich schlagartig. Nun sieht manRucksäcke, Chucks, T-Shirts mit Slogans und Festivalarmbänder. Uns soll es recht sein– wenn, ja wenn da die Blicke nicht wären. Blicke, die sagen: Was machen die denn hier?

Los geht es mit den Fragen der Polizei. Ob man denn wirklich zu der Demonstration wolle? Egal, wen interessiert, was die Polizei denkt. Andere Reaktionen fallen dagegen stärker ins Gewicht. Denn nachdem wir unsere Genossinnen und Genossen begrüßt haben, kommen sie sicherlich wieder: Die Fragen, wann wir uns denn mal vernünftig kleiden würden? Wann endlich die Goldkette wegkomme? Warum man immer diese Lederjacke tragen muss? Dieses Spiel wiederholt sich nahezu auf jeder Demo, jedem Parteitag oder sonstigen linken Veranstaltungen. Wo wir wohnen, hören wir solche Fragen nicht. Dort ist unser Style normal.

Es geht nicht um Style, sondern die Frage wer unter Links mitverstanden wird

Die Reaktionen verdeutlichen vor allem eins: dass wir es als Linke immer noch nicht geschafft haben, aus unserer Blase auszubrechen. Und dass es eine bestimmte Art gibt, wie man sich zu kleiden hat. Spoiler: Der Stil der migrantischen Jugend gehört nicht dazu. Dabei müsste es gerade in linken Kontexten vollkommen egal sein, ob wir im„Refugees Welcome„-Shirt, in einer bunten Strickjacke oder im Adidas-Trainingsanzug herumlaufen.

Die Reaktionen zeigen außerdem: In linken Bewegungen und Parteien gibt es immer noch zu wenige Kanacks und vor allem viel zu wenige, die sich nicht nach dem ersten Plenum an linke Kreise anpassen.

Das eigentliche Problem ist jedoch nicht die Frage des Kleidungsstils, sondern die von linker Selbstgefälligkeit. Es ist ein Problem, dass man in vielen linken Kreisen genauso konformistisch sein muss wie in der bürgerlichen Gesellschaft – obwohl immer davongeredet wird, dass man pluraler und offener sein will. So schafft man eine eigene Subkultur, statt die gepredigte Toleranz auch umzusetzen. Zugehörigkeit zum Preis der Anpassung.

Es geht um die Frage wer intuitiv als links verstanden wird – und wer nicht. Der blonde Junge mit „Feine Sahne Fischfilet„-Armbändchen, „FCK AfD„-T-Shirt und Ohrring schon. Der Schwarzkopf mit breitem Bart, dunklen Augen, Goldkette und Lederjacke oft nicht.

Auch DIE LINKE hat den Anspruch, die gesamte Bevölkerung zu erreichen. Wenn das jedoch Realität werden soll, muss endlich damit aufgehört werden, den eigenen Lebensstil als den einzig richtigen zu betrachten. Es muss normal werden, dass auf dem Parteitag neben der Alt-68erin und dem Punk auch der junge Migrant sitzt – ohne, dass ihm Kleidervorschriften gemacht werden.

Eine linke Arbeiterpartei ebenso wie linke Bewegungen müssen junge Migrantinnen und Migranten, nicht nur ab und zu bei Veranstaltungen sprechen lassen. Es muss akzeptiert werden, dass sie ein aktiver Teil sind – ohne, dass sie dafür ihre Identität aufgeben müssen. Und es muss auch normal sein, dass wir so aussehen, als würden wir gleich mit den Kollegen Shisha rauchen gehen. Es ist die Aufgabe der Linken, das endlich zu verstehen – und nicht unsere, uns zu verändern.

Jules El-Khatib, Igor Gvozden, Fotis Matentzoglou sind Mitglieder im Landesvorstand der Linken.NRW

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Ich habe 2009 die Freiheitsliebe gegründet aus dem Wunsch, einen Ort zu schaffen, wo es keine Grenzen gibt zwischen Menschen. Einen Ort an dem man sich mitteilen kann, unabhängig von Religion, Herkunft, sexuelle Orientierung und Geschlecht. Freiheit bedeutet immer die Freiheit von Ausbeutung. Als Autor dieser Webseite streite ich für eine Gesellschaft, in der nicht mehr die Mehrheit der Menschen das Umsetzen muss, was nur dem Wohlstand einiger Weniger dient.
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2 Kommentare

  • 1
    Avatar Bingo says:

    Was soll Das?
    1.) Punk war noch nie links,auch wenn er von linker Seite stark vereinnahmt wurde. Ihr suggeriert es aber. Im Ursprung war Punk einfach apolitisch, also auch nicht links.
    2.) Alt-68er trugen nicht nur Strickjacken, Wollpullover oder sonstiges Klischee. Die aßen auch nicht nur Müsli. Die haben auf die Kacke gehauen wie Punker, Rocker, Azlacks und weiß Gott wer. Auch in schweren Lederjacken liefen die herum..
    3.) Ist Gold nunmal gleich auf mehrere Art strange. Wer trägt auf Demos schon auffällig Schmuck z.Bsp?

    Ich kann beim besten Willen nicht feststellen, was der Sinn des Berichts ist und worauf genau der Fokus liegt. Sry, Ihr habt ganz schön wenig Ahnung oder aufgeblähtes Halbwissen, mit dem ihr hier aufwartet. Ihr zerredet euch über Unsinn. Wenn es das nicht ist, bleibt es trotz dem nicht nachzuvollziehen, worüber ihr euch hier aufregt. Ihr kategorisiert doch selber in dem Statement, ihr seid darum nicht gerade besser. Ich möchte euch auch mal gern sehen, wenn ein Assi oder Punk vorbeiläuft mit einem anstössigen T-Shirt oder so. Ich kann auch nicht bestätigen, das bis auf den Schmuck auf Demos so ein Wind um Styles gemacht wird. Da laufen Deutsche wie Ausländer nicht selten klamottentechnisch herum, wie auf dem Kiez.

  • 2
    Avatar günter says:

    obwohl es mir eigentlich egal ist wie jemand rumläuft, verstehe ich allerdings die goldkette als teil der migrantenszene auch nicht. wieso brauchen linke so ein teures teil, was soll das ausdrücken? ist das nicht teil der sexistisch-machomäßigen rapszene? und Lederjacken mag ich als veganer nicht, da aus rinderhaut hergestellt. fleischkonsum auch als dringendes umweltproblem zu erkennen und veganer zu sein statts tierleichenteile in sich hineinzuschaufeln- auch dies sollte unter linken selbstverständlich werden.