Jüdische Aktivisten gegen antipalästinensische Zensur in Berlin

26. Oktober 2016 - 16:12 | | Politik | 0 Kommentare
After the last Sky

Vor wenigen Wochen fand das palästinensische Kulturfestival „After The Last Sky“ in Berlin statt. Nun regt sich, ausgehen von einem Bericht des Tagesspiegels, Unmut über das Festival, weil Israel als „Apartheidsstaat“ bezeichnet wurde, Medien und Politik fordern nun die Streichung der Gelder. Mehr als 80 jüdische Künstler und Aktivisten aus Berlin lehnen sich dagegen auf und haben einen offenen Brief formuliert, der die Zensurmaßnahmen verurteilt.

Nach den Berichten der Medien forderten Politiker verschiedener Parteien die Mittelvergabe für solche Festivals zu überdenken, von den Unterzeichnern des Briefs, zu denen unter anderem der Publizist Armin Langer gehört, wird dies scharf kritisiert: „Als Juden und Israelis, die nicht umhin können, sich mit dem Themenkomplex Nahost zu beschäftigen und sich von den Entwicklungen in der Region stets betroffen fühlen, empfinden wir solche Rufe nach Einschränkung der Meinungsfreiheit als extrem bedrohlich und auch gegen unsere eigene künstlerische und akademische Freiheit gerichtet“ Eingestimmt in die Forderungen nach Kürzungen hatten auch rechte Zeitungen wie die Junge Freiheit.

Yossi Bartal einer der Unterzeichner des offenen Briefs erklärte gegenüber der Jungen Welt wie in Israel über Äußerungen wie „Apartheidsstaat“ diskutiert wird: „In der israelischen Presse wird das jeden Tag thematisiert. Nicht nur in der liberalen Haaretz kann man lesen, dass in den besetzten Gebieten eine der Apartheid ähnliche Situation herrscht. Die Diskussionen verlaufen vielmehr so: Bedeutet das Bestehen dieser Situation, dass der gesamte Staat Israel ein Apartheidstaat ist? Sogar Politiker des Zentrums sprechen von Apartheid. Diese Begriffe, auch Kolonialismus, lassen sich auf die israelische Besatzungspolitik anwenden. Nun kann man sagen: „Das ist nicht meine Meinung.“ Aber tabuisieren darf man das nicht. Das ist kein Israelhass oder antiisraelische Hetze.“
Die Aktivisten schließen den Brief mit einer klaren Position gegen die Stimmungsmache: „Wir sind uns sehr wohl bewusst, dass sich in politischen Äußerungen über Israel und Palästina, Antisemitismus oder anti-muslimischer Rassismus manifestieren können. Gerade deshalb betonen wir die Bedeutung einer Diskussion, die Menschenrechte und Gleichberechtigung in den Mittelpunkt stellt. Dabei sind uns die Grundrechte der Palästinenser_innen genauso wichtig, wie die der jüdisch-israelischen Bevölkerung. Das palästinensische Kunstfestival „After the Last Sky“, das von migrantischen und anti-rassistische Künstlerinnen organisiert wurde, scheint uns genau diese Werte zu repräsentieren.“

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