Das Vorspiel der Schlacht um Berlin – Der Luftkrieg

7. Mai 2020 - 12:00 | | Politik | 0 Kommentare

By U.S. Air Force, published under public domain.

Der 16. April 1945 war ein kühler Tag. Die Temperaturen überstiegen keine 10 Grad. Der Himmel war zumeist bedeckt.

An diesem Tag begann die Schlacht um Berlin. Der Krieg, den Deutschland begonnen und im Osten als Vernichtungskrieg geführt hatte, kehrte als Bumerang an seinen Ursprung zurück. Schon drei Monate zuvor hatten die Zivilistinnen in Ostpreußen hierfür den höchsten Preis aller Deutschen entrichtet. 

Die Schlacht um Berlin war verloren, noch ehe sie begann. Mehr noch: Den Durchhalteparolen der Nazis oder Durchhaltefilmen wie Veit Harlans „Kolberg“ zum Trotz war der Krieg schon seit Monaten verloren. Er war verloren gewesen, als am 12. Januar die Ostpreußen-Offensive der Roten Armee begann, die die östlichste deutsche Provinz binnen kürzester Zeit einkesselte. Verloren auch bereits mit den Schlachten von Stalingrad 1942/43 und am Kursker Bogen im Sommer 1943 besiegelt. Schon mit dem Scheitern der Offensive vor Moskau im Winter 1941 hatte sich gezeigt, dass ein Sieg im „Russlandfeldzug“, den 27 Millionen Sowjetbürgerinnen und -bürger mit dem Leben bezahlten, darunter 14 Millionen Zivilistinnen und Zivilisten, undenkbar geworden war. Die eigentliche Niederlage lag indes zwölf Jahre zurück: Das Scheitern, den Sieg des Faschismus und die Machtübergabe an Hitler und seine Koalition mit den Konservativen zu verhindern. In seiner „Kriegsfibel“ dichtete Bertolt Brecht:

„Ihr Brüder, hier im fernen Kaukasus/ Lieg nun ich, schwäbischer Bauernsohn, begraben/ Gefällt durch eines russischen Bauern Schuß./ Besiegt ward ich vor Jahr und Tag in Schwaben.“

Die Schlacht um Berlin zögerte das Unvermeidliche hinaus, verlängerte Kriegsmorden, den Holocaust und die Endphaseverbrechen der Nazis, mit denen diese einer Nachkriegsrevolution wie jener nach dem Ersten Weltkrieg vorbeugen wollten, indem sie ihre Gegner systematisch ermordeten. Hunderttausende bezahlten all das mit ihrem Leben; Hunderttausende in den Konzentrationslagern und Gestapogefängnissen ersehnten die Befreiung, die auch für viele Städter durchaus eine Befreiung vom Bombenkrieg war.

Die Befreiung aber kam von außen. Schon 1919, nach dem bis dahin letzten Weltkrieg, hatte Kurt Tucholsky mit Blick auf das Wiedererstarken des deutschen Militarismus in seinem Gedicht „Das Heil von außen“ prophezeit:

„Was wir bereits gestorben glaubten,/ ist, hols der Teufel, wieder da:/ die alten achselstückberaupten/ Kommis der Militaria (…)/ Und haben wir den Krieg verloren:/ die Herren, silberig besternt,/ verschließen ihre langen Ohren –/ sie haben nichts dazugelernt./ Und nur ein Friede kann uns retten,/ ein Friede, der dies Heer zerbricht,/ zerbricht die alten Eisenketten –/ der Feind befreit uns aus den Kletten./ Die Deutschen selber tun es nicht.“

Die Reichshauptstadt Berlin bildete Ground Zero des Kriegsendes. An die Stelle der geplanten Nazi-Hauptstadt Germania rückte hier die ungeplante Hitler-Architektur einer untergegangenen Metropole, deren klassische Blockbebauung über Jahrzehnte aussehen würde wie das Gebiss eines bemitleidenswerten Obdachlosen. Und obdachlos wurden Hunderttausende. Berlin gehört neben Warschau, Stalingrad, Rotterdam und Dresden zu den meistzerstörtesten Städten des 2. Weltkriegs.