Faschisten und ein rassistischer Staat attackieren Flüchtlinge auf Lesbos

15. März 2020 - 13:20 | | Politik | 1 Kommentare
Flüchtende an der Grenze – Bild: Özlem Alev Demirel

Während die Europäische Union (EU) Polizeigewalt gegen Migrantinnen und Migranten an der griechischen Grenze zur Türkei weiter befördert, machen Nazis auf der Insel Lesbos Jagd auf Flüchtlinge. Letzte Woche haben mindestens zwei Flüchtlingszentren über Nacht gebrannt. Dies geschieht zu einer Zeit, in welcher rechte Schläger ihre Angriffe auf Geflüchtete, Mitarbeiter von Hilfsorganisationen und Aktivistinnen hochfahren.

Fabian Bracher vom Geflüchtetenzentrum One Happy Family –welches letzten Samstag gebrannt hatte – sagte gegenüber Socialist Worker, «Es gibt rechte Bewegungen auf der Insel, welche Freiwillige, NGOs, Aktivistinnen und einige Journalisten angegriffen haben. Die Untersuchungen von Polizei und Feuerwehr laufen noch. Es gab auch einen Brand in einem Warenlager neben einem anderen Flüchtlingszentrum. Auch im [Flüchtlings-]Zentrum auf der Insel Chios hat es gebrannt.»

Die Angriffe ereigneten sich nach dem jüngsten Anstieg der Zahl ankommender Flüchtlinge, welche von der nahegelegenen Türkei den gefährlichen Weg über das Meer genommen haben.

Auch folgen die Angriffe Protesten von griechischen Einheimischen auf der Insel gegen die Pläne der Regierung, das bereits überfüllte Flüchtlingscamp Moria weiter zu vergrößern. Im Moment leben mehr als 20.000 geflüchtete Menschen im und um das Camp, welches ursprünglich für 3.000 Flüchtende gebaut worden war.

Die Situation – von Amnesty international als humanitäre Katastrophe bezeichnet – ist das Resultat einer tödlichen EU-Grenz- und Abschottungspolitik

Anstatt die Geflüchteten weiter nach Europa reisen zu lassen, hat die griechische Regierung sie auf den Inseln festgesetzt – zu deren Leidwesen wie zum Leid der griechischen Bewohnerinnen und Bewohner der Insel.

«Die Zustände auf der Insel sind unmenschlich», sagt Fabian vom Geflüchtetenzentrum One Happy Family. «Einige Leute leben in kleinen Sommerzelten, andere leben mit 15 anderen in einem Container. Ohne jede Privatsphäre.»

Die Größe des Camps dominiert mittlerweile die Insel. Immer wenn die rechte Regierung Griechenlands Pläne ankündigte, die Kapazitäten von Flüchtlingslagern auf Inseln wie Lesbos zu erweitern, begannen die Proteste der lokalen Bevölkerungen.

Sie haben gegen die Polizei gekämpft, welche den Bau dieser Lager überwachen sollte und zwangen so die Regierung, ihre Pläne fallen zu lassen.

Fabian meinte dazu: «Linke und Rechte haben protestiert. Die Linken, weil sie nicht wollen, dass Menschen in den Camps eingesperrt werden. Und die Rechten, weil sie überhaupt keine Flüchtlinge haben wollen.»

Kontrolle

Aktivistinnen und Aktivisten erklärten bereits zuvor gegenüber Socialist Worker, es sei den Rechten nicht gelungen, die Proteste zu kontrollieren. «Trotzdem», meint Fabian, «haben die Proteste eine erbitterte und aggressive Stimmung hinterlassen.»

Fabian meint außerdem, dass noch immer «große Teile der Bevölkerung Solidarität gegenüber den Geflüchteten zeigen und sich klar gegen die Faschisten stellen».

Es sei jedoch nicht das erste Mal, dass sich Faschisten gegen die Geflüchteten zusammenrotten – und spielt damit auf einen Angriff von 250 Faschisten auf ein Flüchtlingslager im Jahr 2018 an. Fabian weiter: «Die Situation auf der Insel ist in den letzten Wochen stark eskaliert.» Er erklärt, es seien Faschisten aus anderen europäischen Ländern gekommen, explizit um Jagd auf Flüchtlinge zu machen.

«Es gab rechte Propaganda, die [den Geflüchteten] versprach, sie würden aufs Festland gebracht, wenn sie nur zum Hafen gehen würden», erklärte Fabian. «Als die Geflüchteten dann zum Hafen gingen, wurden einige von ihnen von Faschisten verprügelt. Falls es dann doch einige aufs Festland und bis nach Athen schafften, wurden sie wieder zurückgeschickt, da sie sich schließlich nicht in den Asylprozess eingliederten, indem sie die Insel verließen.»

Das wachsende Selbstvertrauen der Faschisten auf Lesbos ist eine direkte Konsequenz der rassistischen Grenzpolitik und der starken Tendenz, geflüchtete Menschen zum Sündenbock zu machen.

Dies ist ein Grund, mit Nachdruck zu fordern, dass alle Geflüchteten in Sicherheit leben können, wo sie wollen, statt in Lagern gefangengehalten zu werden, und sich in allen Ländern Menschen gegen Rassismus gegen Migrantinnen und Migranten zu erheben. «Es ist eine Tragödie, was hier passiert ist», meinte Fabian. «Wir erhielten viele Botschaften der Unterstützung. Doch was wir hier wirklich brauchen, ist eine politische Lösung.»


Dieser Text von Nick Clark aus Lesbos erschien zuerst auf Socialist Worker.


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