Rackete, Europas Ignoranz und die verlorene Menschlichkeit

30. Juni 2019 - 13:42 | | Politik | 1 Kommentare

Monat für Monat sterben dutzende Menschen, die aus Afrika übers Mittelmeer nach Europa flüchten wollen, bei der Überquerung des Mittelmeers. Während die staatlichen Rettungsschiffe schon lange zurückgezogen wurden, werden Retter kriminalisiert, doch sie riskieren Haft um Leben zu retten.

Alleine 2018 starben im Durchschnitt jeden Tag 8 Menschen bei dem Versuch vor Krieg und Verfolgung zu flüchten und einen sicheren Hafen zu erreichen. Mitbekommen hat man davon in den europäischen Medien wenig, denn das Schicksal von nicht-europäischen Toten interessiert hier tendenziell wenig, wenn es Flüchtlinge sind, dann sorgt ihr Tod sogar für Gelächter und Freude bei Rechten. Dabei war es nicht immer so, 2015 erklärte Merkel noch das wir die Geflüchteten aufnehmen, verschiedene europäischen Staaten erklärten Geflüchtete aufzunehmen und die südeuropäischen Staaten zu entlasten. Die Ursache dieser Politik war kein Anflug von Humanismus, sondern die Willkommensbewegung, die in verschiedensten Ländern auf die Straße ging und ein Zeichen setzte für eine Aufnahmekultur, in der Geflüchtete eine neue Heimat finden sollte. In dieser Zeit wurde zum Beispiel Sarah Mardini noch als Heldin gefeiert. „Als sie damals mit ihrer Schwester in einem vollen Schlauchboot aus Syrien floh und dieses nicht mehr fahrtüchtig war, zogen beide das Boot bis nach Griechenland und retteten so 18 Menschen das Leben. Dafür wurden beide mit dem Bambi in der Kategorie „stille Helden“ geehrt.“ Selbst die Bild, sonst an vorderster Front, wenn es gegen Migranten und Minderheiten geht, wollte da nicht zurückstehen und statte Fußballvereine in geheuchelter Solidarität mit „Refugee-Welcome“-Trikots aus.

Rechtsruck in Europa

Doch mit dem Rückgang der Willkommens-Bewegung gewannen europaweit rechte Bewegung an Zulauf. Die Folge die Medien berichteten über die Verbrechen einzelner Flüchtlinge und Rechtspopulisten versuchten die Zerstörung des Sozialstaats Geflüchteten in die Schuhe zu schieben. In einigen europäischen Ländern wie Italien und Österreich führte das zur Regierungsübernahme durch konservativ-neofaschistische Koalitionen. Diese machten sich daran alle Formen von Solidarität zu kriminalisieren und Geflüchtete auszugrenzen und zu entrechten. Die meisten anderen europäischen Regierungen, die wenige Jahre vorher noch erklärt hatten, dass sie für eine humane Politik ständen, setzten migranten- und geflüchtetenfeindliche Gesetze durch.

Private Retter statt staatliche Hilfe

Während die Staaten ihre ohnehin schon schwachen Seenotrettungen einstellten, machten sich private Helfer auf um jene zu retten, denen im Mittelmeer das Ertrinken drohte. Mit Sea-Watch, Sea-Eye, Lifeline und anderen gingen jene aufs Meer, die nicht mehr zuschauen wollten beim Versagen der europäischen Politik. Eine von ihnen ist die Kapitäninen Carola Rackete, die erklärte, dass sie lieber ins Gefängnis gehen würde als Geflüchtete dem Tod zu überlassen. Dies setzte sie um und rettete mit der Sea-Watch 3 auf dem Mittelmeer Geflüchtete vor dem Ertrinken und brachte sie nach Lampedusa, dort wurde sie gestern verhaftet.

Sie ist damit zum Gesicht all jener geworden, die nicht weiter zusehen wollen, wie Menschen der Tod droht. Ihr drohender Gefängnisaufenthalt wäre allerdings nie notwendig gewesen, wenn die EU und ihre Mitgliedsstaaten das internationale Seerechte befolgen würden und in Seenot geratene retten würde. Kapitänin Racketes Handeln ist die Antwort auf eine europäische Politik, der ein weißes Europa wichtiger ist als die Rettung von Menschenleben.


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Über den Autor

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Ich habe 2009 die Freiheitsliebe gegründet aus dem Wunsch, einen Ort zu schaffen, wo es keine Grenzen gibt zwischen Menschen. Einen Ort an dem man sich mitteilen kann, unabhängig von Religion, Herkunft, sexuelle Orientierung und Geschlecht. Freiheit bedeutet immer die Freiheit von Ausbeutung. Als Autor dieser Webseite streite ich für eine Gesellschaft, in der nicht mehr die Mehrheit der Menschen das Umsetzen muss, was nur dem Wohlstand einiger Weniger dient.
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Ein Kommentar

  • 1
    Avatar wolfgang fubel says:

    In den Heutigen Gesellschaftssystemen ist kein Platz für derartige Träumereien!
    Die Realität zeigt ganz deutlich eine bis ins Mark verdorbene Gesellschaft, die
    durchsetzt ist von einigen Gutmenschlichen Figuren, die , die Gnadenlose Welt
    in der Wir leben am liebsten Ignorieren möchten! Es sind eben nicht Alle Menschen
    gleich und ein Paradiesisches Miteinander, so wie sie es für Uns Alle wünschen,
    wird immer ein Wunsch bleiben.
    In Unseren heutigen Wirtschaftsystemen und der damit verbundenen Gnadenlosigkeit
    des Raubtier Kapitalismus, würde eine Aufname aller Notleidenden der Welt zu
    Unseren Untergang führen und letzt endlich auch den Notleidenden nichts nützen!
    Man sollte sich mehr um die Profitöre und Nutznieser der Gelenkten „Migration“
    gedanken machen und die Zustände in den Ländern, die Wir mit zu verantworten haben.
    Es werden nur die Symtome behandelt, aber niemals die Ursachen!