Es wird keinen Frieden geben, bis Israels Besetzung von Palästina endet

16. Oktober 2015 - 20:10 | | Politik | 8 Kommentare
Palästina - Foto: Rusty Stewart - CC BY-ND 2.0
Palästina - Foto: Rusty Stewart - CC BY-ND 2.0

Wir haben versucht, geduldig zu sein, aber die internationale Gemeinschaft ist in unserem Fall gescheitert. Die Freiheit für das palästinensische Volk ist lange überfällig. Ein Beitrag von Marwan Bargouthi, der in englischen Tageszeitung Guardian veröffentlicht wurde.

Die derzeitige Eskalation der Gewalt begann nicht mit dem Mord an zwei israelischen Siedlern, sie begann bereits lange zuvor und geht bereits seit Jahren immer weiter. Täglich werden Palästinenser getötet, verwundet, festgenommen. Täglich schreitet der Kolonialismus weiter voran, wird die Blockade gegen unser Volk in Gaza fortgesetzt; die Unterdrückung bleibt bestehen. Da viele heutzutage wollen, dass wir mit masiven Konsequenzen einer neuen Gewaltspirale überflutet werden, bitte ich – so wie ich es im Jahre 2002 tat – sich mit den Grundursache (Wurzel des Konfliktes I.G.) zu befassen: die Verweigerung der palästinensischen Freiheit.

Einige haben behauptet, der Grund für das Nicht-Zustandekommen eines Friedensabkommens, sei Präsident Yasser Arafats Kompromisslosigkeit oder Präsident Mahmoud Abbas Unfähigkeit, aber beide waren bereit und hätten ein Friedensangebot unterzeichnen können. Das wahre Problem ist, dass Israel – Besetzung anstatt Frieden – gewählt und die Verhandlungen lediglich als Deckmantel benutzt hat, um sein koloniales Projekt voranzubringen. Rund um die Welt kennt jede Regierung diese simple Tatsache und trotzdem behaupten so viele, die Rückkehr zu den gescheiterten Rezepten der Vergangenheit könne Freiheit und Frieden erzielen. (Nur) Geisteskrankheit tut immer und immer wieder dasselbe und erwartet andere Ergebnisse.
“Israelische Besetzung ist die Grundursache des palästinensischen Konfliktes”, sagt Marwan Barghouti

Ohne eine klare israelische verbindliche Verpflichtung, sich völlig aus dem palästinensischen Gebiet, das es im Jahre 1967, einschließlich Ostjerusalem, besetzt hat, zurückzuziehen, kann es keine Verhandlungen geben; ein komplettes Ende jeglicher kolonialer Politik; eine Anerkennung der unabdingbaren Rechte des palästinensischen Volkes, einschließlich seines Rechts auf Selbstbestimmung und Rückkehr sowie die Entlassung aller palästinensischer Gefangenen. Wir können nicht mit der Besatzung leben und wir werden nicht vor ihr kapitulieren.

Wir wurden aufgerufen, geduldig zu sein, und wir boten eine Chance nach der anderen, um ein Friedensabkommen zu erreichen. Vielleicht wäre es nützlich, die Welt daran zu erinnern, dass unsere Zwangsenteignung, Verbannung und Abschiebung sowie die Unterdrückung nun bereits seit fast 70 Jahren andauert. Wir sind der einzige Punkt, der auf der UN-Agenda seit ihrer Gründung steht. Uns wurde gesagt, dass, wenn wir zu friedlichen Mitteln und auf diplomatische Kanäle zurückgriffen, wir die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft gewinnen. Jedoch, als im Jahre 1999, kurz vor der Interimsperiode, diese Gemeinschaft wieder scheiterte, bedeutungsvolle Schritte zu unternehmen und weder ein internationales Rahmenbedingungen, das internationale Recht und die UN-Resolutionen durchzusetzen, noch Maßnahmen zu erlassen, um Rechenschaft zu sicherzustellen, darunter Boykott, Desivestitionen und Sanktionen, die eine primäre Rolle bei der Befreiung der Welt von dem Apartheidsregime spielte.

Also, was verlangt man, das wir tun sollen, wenn internationales Handeln, das der israelischen Besatzung und deren Straffreiheit ein Ende zu setzt oder sogar Maßnahmen, die uns schützen, ausbleiben? Zur Verfügung stehen und darauf warten, dass die nächste palästinensische Familie verbrannt wird, das nächste palästinensische Kind getötet wird oder die nächste Siedlung errichtet wird? Die gesamte Welt weiß, dass Jerusalem die Flamme ist, die Krieg und Frieden entfachen kann. Warum schweigt die Welt, während die israelischen Angriffe gegen das palästinensische Volk in der Stadt und den muslimischen und christlichen Heiligen Stätten, insbesondere dem Al-Haram al-Sharif, unvermindert weitergehen? Israels Aktionen und Verbrechen zerstören nicht nur die Zwei-Staatenlösung in den Grenzen von 1967 und verstoßen gegen das internationale Recht, sondern drohen, einen lösbaren politischen Konflikt in einen nie endenden religiösen Krieg umzuwandeln, der die Stabilität einer Region, die bereits nie dagewesene Unruhen erfährt, untergräbt.

Israels Vorherrschaft über die Palästinenser macht Gewalt unumgänglich

Kein Volk der Welt würde akzeptieren, mit Unterdrückung zu existieren. Von Natur aus sehnen sich Menschen nach Freiheit, kämpfen für Freiheit, opfern sich für die Freiheit und die Freiheit des palästinensischen Volkes ist lange überfällig. Während der ersten Intifada startete die israelische Regierung eine “brecht ihre Knochen, um ihren Willen zu brechen” -Politik. Trotzdem hat das palästinensische Volk von Generation zu Generation bewiesen, dass sein Wille nicht zu brechen ist und dies keiner Prüfung bedarf.

Diese neue palästinensische Generation hat nicht auf Einheitsgespräche gewartet, um eine nationale Einheit zu verkörpern, was politischen Parteien nicht gelungen ist, sondern ist über politische Unterschiede und geographische Fragmentierung hinweg entstanden. Sie hat nicht auf Instruktionen gewartet, um ihr Recht aufrechtzuerhalten und ihre Pflicht, sich dieser Besetzung zu widersetzen. Sie tut dies ohne Waffen, obwohl sie mit einer der größten Militärmächte der Welt konfrontiert ist. Und trotz allem bleiben wir davon überzeugt, dass Freiheit und Würde triumphieren, und wir werden das überstehen werden. Die Fahne, die wir mit Stolz an der UN gehisst haben, wird eines Tages über den Mauern der Altstadt von Jerusalem wehen, als Zeichen unserer Unabhängigkeit.

Ich war an dem Kampf für die palästinensische Unabhängigkeit vor 40 Jahren beteiligt und wurde zum ersten Mal im Alter von 15 Jahren inhaftiert. Das hat mich nicht davon abgehalten, mich weiterhin im Einklang mit dem internationalen Recht und den UN-Resolutionen für den Frieden einzusetzen. Aber Israel, die Besatzungsmacht, hat methodisch diese Perspektive von Jahr zu Jahr zerstört. Ich habe 20 Jahre meines Lebens in israelischen Gefängnissen verbracht, einschließlich der letzten 13 Jahre.

Diese Jahre haben mich nur noch mehr bestärkt hinsichtlich der unumstößlichen Wahrheit: Der letzte Tag der Besatzung wird der erste Tag des Friedens. Diejenigen, die Letzteres erreichen wollen, müssen handeln – jetzt handeln – um das Frühere [die Besatzung] abzuschaffen.

(Marwan Bargouthi ist seit 2002 in einem israelischen Militärgefängnis in Haft, er wird von manchen als palästinensischer Nelson Mandela bezeichnet. M.B.)
http://www.theguardian.com/commentisfree/2015/oct/11/israel-occupation-palestinian-territory-peace-diplomacy?
(übers. v. Inga Gelsdorf)

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8 Kommentare

  • 1
    Fritz Böhme sagt:

    “Ohne eine klare israelische verbindliche Verpflichtung, sich völlig aus dem palästinensischen Gebiet, das es im Jahre 1967, einschließlich Ostjerusalem, besetzt”
    Und was war das “palästinensische Gebiet” vor 1967? Ein freier arabischer Staat “Palästina”? Nein, es war Jordanien, wo sich keiner der “palästinensischen” Araber beschwert hat, dafür aber Angriffe auf Israel vorbereitet und durchgeführt wurden. Was es vor Jordanien? Britisches Mandatasgebiet. Was war das “palästinensische Gebiet” davor? Ein Gebiet im Osmanenreich, was dort kaum als Palästina bezeichnet wurde, sondern als Syrien … Ein freies arabisches “Palästina” gab es nie. Dazu besteht auch nicht der Wille vieler Araber, denn in den Gebieten entlang der “grünen Linie” (gemeint sind Gaza-Streifen sowie das Westjordanland) hätte vor 1967 ein palästinensischer Staat gegründet werden können, ohne Israel fragen zu müssen (beide Gebiete waren von Jordanien oder Ägypten besetzt, die dort das Sagen hatten und einen arabischen Partnerstaat “Palästina” ausrufen konnten). Stattdessen dachte man aber, Israel militärisch zu vernichten, was nicht geklappt hat. Seither versucht man es mit Medienkrieg gegen Israel, was als Unterdrücker eines “palästinenischen Volkes” (das nichts anderes sind als Araber) und Unrechtmacher dargestellt werden soll.
    Euer Mandela Marwan Barghouti hat Selbstmordattentate und andere Terroranschläge geplant und ist anerkannter Terrorist, das was Mandela nicht. Und ihr solltet aufhören, arabischen Terror gutzuheißen. Das was die Menschen machen bzw. zu was sie von radikalen Gruppen wie der Hamas angestiftet werden (Unschuldige zu erstechen), ist unentschuldbar und reiner Terror. Hamas und andere Radikale erziehen die palästinensischen Kindern zu Mördern und Selbstmördern, anstatt das (friedliche) Leben zu befürworten. Und dreht nicht Ursache und Wirkung um: Nicht die arabische Gewalt kommt aus der (angeblichen israelischen) Unterdrückung, sondern die israelischen Sicherheitsmaßnahmen sind Produkte arabischen Terrors gegen israelische Zivilisten. Wo und wenn kein Terror, da keine Verschärfung der Maßnahme durch Israel.

    • 1.1
      Ralf T sagt:

      Herr Böhme, so sehr ich Ihnen für die Darstellung aus anderer Perspektive dankbar bin, so sehr möchte ich Sie jedoch auch darauf hinweisen, dass Sie scheinbar ebenfalls nur einseitig denken.
      Sie haben zwar Recht, dass es durchaus Chancen für friedliche Lösungen gab, die von verschiedenen Regierungen (aus welchen Gründen auch immer) verworfen wurden, jedoch verstehe ich nicht, was das mit der heutigen palästinensischen Bevölkerung zu tun hat, die hier immer nur Spielball war. Woher denken Sie den „Wille(n) vieler Araber“ (was ja dann die große Mehrheit sein müsste) zu kennen?
      „Ein freies arabisches “Palästina” gab es nie.“
      Das ist so gesehen richtig. Ein freies, jüdisches „Israel“ gab es aber auch nie zuvor. Welcher Staat hätte also mehr Existenzberechtigung, oder hat es überhaupt einer?
      Außerdem halte ich Ihre Darstellung von „Ursache und Wirkung“ für völlig verfehlt, ist es doch mittlerweile vielmehr ein Teufelskreis aus dem beide Seiten (und damit meine ich nicht die Bevölkerungen beider Landstriche) nicht in der Lage (oder gewollt) sind auszubrechen.
      „Seither versucht man es mit Medienkrieg gegen Israel, was als Unterdrücker eines “palästinenischen Volkes” (das nichts anderes sind als Araber) und Unrechtmacher dargestellt werden soll.“
      Das ist zwar eine tolle Verschwörungstheorie, in der Tat wird das palästinensische Volk (auch wenn es „nur“ Araber seien mögen) von der israelischen Regierung unterdrückt. Individueller Terror ist keine Rechtfertigung für kollektive Bestrafung einer ganzen Bevölkerung. Oder wollen Sie die Diskriminierung der Bevölkerung von Gaza und Westjordanien – z.B. die Ungleichbehandlung vor dem Gesetz, Landraub etc. – irgendwie rechtfertigen?

  • 2
    Benjamin Israel sagt:

    Wenn die Araber die Waffen niederlegen wird es Frieden geben.
    Wenn Israel die Waffen niederlegt, wird es Israel bald nicht mehr geben.

    Israel ist das einzige Land der Welt, dessen Existenzberechtigung permanent in Frage gestellt wird.
    Auch von sogenannten „Linken“ in Europa. Ausgerechnet Israel !

    Die 13, 14 , 15jährigen Palästinenser, die völlig entfesselt, blutrünstig und wahllos Juden niederstechen, die Palästinenser, die in Bussen Juden erschiessen, mit ihren PKWs in Menschengruppen rasen um Juden zu töten, sind keine edlen Widerstandskämpfer. Es sind mordlustige Terroristen , mit Hass vollgepumpte halbe Kinder, die von ihren Eltern und Lehrern keine humanen Werte, sondern nur Hass und wieder Hass vermittelt bekommen haben. Es geht ihnen gar nicht um Freiheit und Frieden.
    Man braucht die sogenannte „Besatzung“ als dauerhaften Stachel im Fleisch, um immer weiter zu hassen und zu hassen, bis es keine Juden mehr gibt.
    Netanyahu ist einer der sehr wenigen Staatsführer, der genung Eier in der Hose hat, um seine Bevölkerung zu schützen. In Europa laden wir den Islam ein, sich fröhlich zu verbreiten und Demokratie und Rechtsstaat, Frauenrechte und Toleranz systematisch zu zerstören.
    Ist das „links“ ?!

    Nein, das ist übelste Hetze, Verdrehung der Fakten, Geschichtsvergessenheit, Antisemitismus.
    Und das von Leuten, die den Anspruch haben die Welt besser, gerechter und friedlicher zu machen.

    Das macht jeden denkenden Menschen ratlos und traurig. Und manche auch leider wütend.
    Die einseitige Stellungnahme für die Palästinenser ( die selbstverständlich ein Recht auf Frieden und Selbstbestimmung haben – wenn sie denn nur bereit wären, endlich ernsthaft zu verhandeln ) ist verantwortungslos und so furchtbar simpel und schlicht.
    Hier werden Ursache und Wirkung verwechselt.

    Auch wenn ich hier „vor die Wand“ rede, vielleicht gibt es den Einen oder die Andere, der/ die nochmal genau hinsehen, den Verstand einschalten, sich mit diesem Konflikt seriös und ernsthaft befassen.
    Die Hoffnung stirbt zuletzt.

    Schalom

    • 2.1
      nö man, ihr solltet als linke diese datensammelwut echt nicht unterstützen! sagt:

      Spast!

      • 2.1.1
        Benjamin Israel sagt:

        Spast ?! Hmmmm.
        Kommt das nicht von Spastiker ?!
        Und das als Schimpfwort ?!
        Voll behindertenfeindlich, Alter,
        oder, wie man Heute sagt: gruppenspezifische Menschenfeindlichkeit.
        Na na na , Freundchen.

  • 3
    Benjamin Israel sagt:

    ……..vielleicht möchte jemand meinen Kommentar Herrn Justizminister Maas petzen ?!
    In seinem Sinne, so wie ich ihn seit Monaten wahrnehme, ist es zu 99 % ein „Hasskommentar“, rechtsradikal, rassistisch, islamophob und was ich nicht noch alles. Der Zeitgeist ist auf Ihrer Seite, liebe Betreiber dieses Blogs, trotzdem werde ich mir erlauben, antisemitische Stellungnahmen auch in Zukunft zu kritisieren, auch wenn das ( mal wieder) nicht opportun ist.

  • 4
    Benjamin Israel sagt:

    Korrektur:
    und was WEISS ich nicht noch alles….

  • 5
    Wolf sagt:

    Kein Frieden in Israel
    DIE ZEIT hat unlängst einen Artikel geschrieben über die Manipulationen des ZDF bezüglich Deutschlands Beste. Das ist löblich.
    Allerdings sucht der Leser des Blattes vergeblich die Gründe dafür, warum man in den deutschen Nachrichten fast nie objektive Berichte hört oder liest. Woran mag das liegen?
    Allein der Umstand, daß auf Schreiben wie dieses nicht geantwortet wird, zeigt, wie Deutschlands Medien mit Kritik umgehen. Nämlich gar nicht, weil unerwünscht.
    Sie verhalten sich nicht anders als viele Politiker. Renitent, taub, betonköpfig, indifferent. Und fühlen sich wohl dabei. Klopfen sich selbst auf ihre morschen Schultern.
    Vor allem wenn die Sprache auf Israel kommt, dann ziehen alle Journalisten den Schwanz ein, verbeugen sich vor den Juden, bis die Stirn am Boden aufschlägt und bezeichnen alle, die von Israel nur ein Quentchen Negatives behaupten als radikal, militant, extrem und was der unsinnigen Attribute mehr sind. Vor allem als antisemitisch.
    Obwohl, nebenbei bemerkt, Semiten keine Rasse darstellen sondern lediglich eine Sprachgemeinschaft bilden. Daher ist die Formulierung ‚antisemitisch‘ dumm, weil falsch! Aber das ist jenen Dummschwätzern, die jedes Massaker und jeden Massenmord ohne nachzudenken automatisch als Amoklauf bezeichnen, entgangen.

    ZDF – Journalist Christian Sievers, ehemals SZ Mitarbeiter, hatte einst meine Frage, warum er denn jeden Palästinenser von vorneherein als radikal, extrem oder militant bezeichnet, dahingehend beantwortet, daß er ,,das müsse, um seine Akkreditierung in Jerusalem nicht zu verlieren.“
    D.h. er bringt nur solche Nachrichten, die dem Juden genehm sind! Und deutsche Medien plappern nach, was sie von dort auf diese Weise serviert bekommen. Das ganze nennt sich dann Nachrichten. Auch im Dritten Reich wurden nur zensierte Meldungen ausgestrahlt.
    Wenn ein Volk, dem man fast sein gesamtes Land entrissen hat – und das weiterhin tut – sich in seiner Verzweiflung gegen seine Peiniger wehrt, weil ihm das Wasser bis zum Hals steht, dann darf man, ich wiederhole, dann darf man dieses Volk nicht als radikal oder extrem bezeichnen.
    Wir erinnern uns daran, daß einst ein ARD – Kameramann entführt wurde, eben aus diesem Grunde. Was die ARD natürlich nicht kapiert hat, denn sie schrieb in der Folge:

    Als Reaktion auf die Festnahme ihres Kameramanns Sawah Abu Saif durch die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas hat die ARD ihr Büro in Gaza-Stadt geschlossen. Der Kameramann sei fünf Tage nach seiner Festnahme immer noch nicht in Freiheit, teilte die ARD auf ihrer Internetseite mit.

    Ich vermute, wenn der ARD noch andere diffamierende Wörter eingefallen wären, sie hätte sie benutzt! Weil so etwas nicht geht. Wenn man schon ein winziges unterdrücktes Land, dessen Gebiet von einst auf einen lächerlich schmalen Küstenstreifen reduziert wurde – mit Billigung der restlichen Welt – tagtäglich beleidigt, desavouiert, diskriminiert, dann soll sich dieses Volk gefälligst nicht auch noch dagegen wehren. Wo kommen wir da hin.
    D.h. die ARD, der Hauptnachrichtensender Deutschlands, versteht die Zusammenhänge nicht oder leugnet sie schlicht. Und macht weiter wie bisher: Jeder Jude gut – jeder Palästinenser schlecht. Nach Ansicht der ARD (und da steht sie leider nicht alleine) werden Palästinenser bereits mit Handgranaten geboren, und in allen palästinensischen Kreissälen stehen deshalb geräumige Behälter, in welche man nach der Geburt die Granaten und Patronen hineinwirft, um sie für später aufzubewahren. Weil ja schon die Neugeborenen radikal und extrem sind. Das ist erblich.
    Das finde ich extrem. Und radikal. Damit schürt die deutsche Journaille das unversöhnliche Klima im Nahen Osten täglich bewußt und aktiv weiter. Weil der Jude jene Palästinenser schlicht verleumdet, denen er mit Rückendeckung der deutschen Journaille und der UN annähernd sein gesamtes Land weggenommen hat und dies auch weiterhin versucht, bis er ganz Palästina besitzt. Und wie geht es dann weiter? Was nimmt er sich als nächstes? Noch nie hat der Jude etwas freiwillig zurückgegeben, was er sich widerrechtlich angeeignet hat. Noch nie! Und das wird auch nicht passieren. Das steht im Gegensatz zu seiner Religion und die schreibt ihm sein Handeln vor. Er ist quasi völlig unschuldig.
    Der radikale Jude ist nach deutscher Journalistenlesart auch nicht radikal, er ist orthodox; was nichts anderes bedeutet. Wenn er mit seinen Panzern ganze Dörfer niederwalzt oder Gemeinden der Palästinenser vertreibt, dann ist er – bestenfalls – orthodox. Denn radikal darf man den Juden in Deutschland nicht nennen, sonst ist man Antisemit. Wer über Israel in Deutschland seine ehrliche Meinung äußert ist automatisch Antisemit, was immer dieses dumme Wort bedeuten mag.
    Aus welchem Grund sollte man überhaupt noch Nachrichten hören? Ich meine, was sind schon ein paar hundert Tote durch Bombardierungen der israelischen Armee gegen drei getötete Israelis. Gegen drei im Heiligen Land Lebende, friedliche unschuldige Kreaturen, die keinem Menschen auf diesem Erdball etwas zuleide tun könnten.
    Und die Presse schaut zu! Und diffamiert weiterhin, Tag um Tag, Nachricht um Nachricht. Zuweilen sind ARD und ZDF – und viele andere Gleichgesinnte – mit einem riesigen, vor sich hin dampfenden Misthaufen zu vergleichen, dessen Bewohner sich im eigenen Milieu besonders wohlfühlen, während alle anderen indigniert und kopfschüttelnd die Nase rümpfen.
    Die deutschen Journalisten sollten sich einmal die Mühe machen – was sie natürlich nicht tun – und das 1972 im Fischer-Verlag erschienene Büchlein ‚Kein Frieden um Israel‘ von Walter Hollstein, lesen.

    ‚Ein Volk, das andere unterdrückt, kann sich nicht selbst emanzipieren‘.
    Dieser Satz ist zwar von Friedrich Engels, trifft den Punkt jedoch genau.
    Wann tut ein deutscher Journalist den ersten Schritt in die richtige Richtung?
    Franz Wolf