Deutsche Studenten hetzen gegen kritischen jüdischen Professor

20. November 2016 - 13:18 | | Politik | 2 Kommentare
Palästina – Foto: Rusty Stewart CC BY-ND 2.0

Schon seit Jahren wird an deutschen Universitäten kontrovers über den Nahostkonflikt diskutiert, häufig wird auch die Absage von Veranstaltungen gefordert oder Referierende diffamiert, so aktuell auch in Freiburg. Dort sollte Rolf Verleger, Mitglied der „Jüdischen Stimme für gerechten Frieden“ einen Vortrag halten zur Frage “Ist der Einsatz für Menschenrechte in Palästina antisemitisch?”, eine Behauptung, die so vor allem von Antideutschen aufgeworfen wird. Verleger wollte deutlich warum der Einsatz für Menschenrechte nicht antisemitisch ist, doch wurde er schon vor seinem Vortrag diffamiert.

Wir dokumentieren seine Antwort. „Nichts von meinen jüdischen Werten findet sich wieder im Verhalten der israelischen Regierung. Man hat den Palästinensern ihr Land geraubt, fantasiert sich als ewiges Opfer und leitet daraus die Rechtfertigung ab, Völkerrecht und Menschenrechte außer Kraft zu setzen, völlig außerhalb der jüdischen Tradition“ erklärt Verleger seinen Einsatz für Menschenrechte. Auch fragt er warum Judentum und Zionismus gleichgesetzt werden, obwohl eine Mehrheit der Juden lange Zeit den Zionismus abgelehnt hat: „Sie wissen vielleicht, dass vor der Auslöschung des europäischen Judentums durch die Nazis und ihre Helfer der Zionismus eine Minderheitenposition im Judentum war. Gegen den Zionismus waren viele Strömungen: die Religiösen, die Bürgerlichen, die sozialistischen Bundisten, die allgemeinen Sozialisten. Wussten Sie dass das einzige jüdische Mitglied im britischen Kabinett 1917, Lord Edwin Montague, strikt gegen die Balfour-Deklaration war? Sind das alles “eliminatorische Antisemiten”, weil sie die Idee eines separaten jüdischen Staates fernab der eigentlichen Heimat der europäischen Juden für eine sehr schlechte Idee hielten? Kennen Sie den Bundisten Marek Edelman, überlebender Anführer des Aufstands im Warschauer Ghetto? Wissen Sie, was er von den Zionisten hielt?“ Auch auf die historische Kritik an Israels Besatzung- und Kriegspolitik geht er ein: „Wissen Sie, dass Hannah Arendt, Albert Einstein und andere hellsichtige amerikanische Juden 1948 in einem gemeinsamen Leserbrief an die New York Times dagegen protestierten, dass Menachem Begin, der Kommandeur des Massakers von Deir Yassin, kurz nach diesem Verbrechen die USA besuchte? Sie nannten ihn einen “Terroristen” und forderten eine Einreiseverbot.“ Mit seiner scharfsinnigen Antwort macht Verleger deutlich, das Kritik an Israel und die Verteidigung der Menschenrechte nicht antisemitisch sind.

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