Queer und (Anti-)Kapitalismus

30. Dezember 2014 - 16:10 | | Kultur | 0 Kommentare
Queer und Antikapitalismus - Quelle:Theorie.org
Queer und Antikapitalismus - Quelle:Theorie.org

Heinz-Jürgen Voß und Salih Alexander Wolter haben auf knapp 200 Seiten queere Theorie und Praxis mit Kapitalismuskritik verbunden. Herausgekommen ist ein auch für Einsteiger_innen gut lesbarer Überblick zu den Erfolgen und Problemen der queer-feministischen Bewegung und ihrer Kritik am Kapitalismus.

Queere Theorie und Praxis, dazu noch Kapitalismuskritik – lässt sich das überhaupt in einem Buch unterbringen? Die Antwort lautet: ja. Das Buch Queer und (Anti-)Kapitalismus stärkt häufig ignorierte Blickwinkel (insbesondere von People of Colour), statt bekannte Theoretiker_innen nur zu repetieren. Damit ergeben sich für Menschen, die sich schon länger mit dem Thema beschäftigen, neue Verknüpfungen und Denkansätze.

Die Kapitalismuskritik diverser queerer Kämpfe wird zwar im historischen Kontext wiedergegeben, für eine stärkere analytische Einordnung reicht der Platz dann allerdings nicht aus. Dennoch gefällt diese offenbar bewusst gewählte Einschränkung besser als eine einseitige ökonomistische Herrschaftskritik. Man wird daher für ein tieferes Verständnis auf weitere Literatur zurückgreifen müssen. Für die weiterführende Recherche stellen die Autor_innen ein gut sortiertes Quellenverzeichnis bereit und regen auch in ihrer Darstellung immer wieder zu weiterer Beschäftigung mit anderen Autor_innen an.

Entsolidarisierungen in emanzipatorischen Kämpfen

Ein Alleinstellungsmerkmal im Vergleich zu anderen deutschsprachigen Überblickstexten ist die konsequente Einbeziehung eines postkolonialen, antirassistischen Standpunktes. Dabei wird insbesondere auf die Theorieproduktion Betroffener Bezug genommen und offengelegt, dass auch in emanzipatorischen Kämpfen immer wieder Ausschlüsse marginalisierter Gruppen (wie People of Colour und transgender) stattgefunden haben. Gerade die schwule Szene in Deutschland täte gut daran, selbstkritisch die von Voß und Wolter angesprochenen Entsolidarisierungen und Ausschlüsse zu reflektieren.

Eine Pflichtlektüre zu definieren ist im Kontext emanzipatorischer Kämpfe eher unpassend – stattdessen sei hier eine explizite Leseempfehlung ausgesprochen.

Ein Artikel von Hans Reuter, der zuerst auf Critica-Online veröffentlicht wurde.
Mit Salih Alexander Wolter haben wir ein Interview geführt, welches man hier lesen kann.

Das Buch „Queer und (Anti-)Kapitalismus“ kann hier bestellt werden

Über den Autor

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.