Mandel – Rebell zwischen Traum und Tat


Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bis zum Fall der Berliner Mauer wird als Zeit des Gegensatzes zwischen Sozialismusund Kapitalismus beschrieben. Das es sich bei der Sowjetunion eher um eine staatskapitalistische Diktatur handelte, haben eigentlich nur die trotzkistischen Gruppen in Westeuropa erkannt. Einer der bekanntesten Trotzkisten, der Anhänger der Lehren des russischen Kommunisten und linken Kritikers der Sowjetunion, war Ernest Mandel!

Ernest Mandel führte ein aufregendes und spannendes Leben als Sohn einer jüdisch/polnischen Familie wurde er 1923 in Frankfurt am Main geboren und zog schon wenig später nach Antwerpen. Seine Eltern waren Sozialisten und gehörten zu den Unterstützern von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, sie lehrten Ernest und seine Geschwister schon früh die Werte des Sozialismus.

Politisierung durch die Eltern

Durch seinen Vater und dessen Freunde wurde Mandel schon früh politisiert, während sein Vater der Politik immer kritischer gegenüber stand, entfachte diese schon in jungen Jahren die Leidenschaft bei Ernest. So wurde er schon 1939, im Alter von nur 16 Jahren von  den Nazis verhaftet, welche Belgien besetzt hatten. Seine jüdische Herkunft und seine politische Einstellung machten es ihm schwer, doch die Verhaftung ließ ihn nicht zusammenbrechen, sondern stärkte seinen Glauben an den wahren Kommunismus und die Notwendigkeit des Kampfes gegen Nationalsozialismus und Stalinismus!

Trotz der nationalsozialistischen Besatzung Belgiens nahm seine Familie viele politische Flüchtlinge auf und ging ein großes Risiko ein. Mandel lernte aus den Gesprächen viel über die Zusammenarbeit von NS-Regime und der sowjetischen Diktatur, diese Gespräche festigten seine trotzkistische Einstellung.

Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs und einer überstandenen Haft wurde Mandel immer bekannter in den verschiedenen trotzkistischen Bewegungen. Seine Redegewandtheit und seine Werke ließen ihn auch über die Gruppierungen hinaus an Ansehen gewinnen.

Mandel war einer der bekanntesten Trotzkisten und zählt zu den wichtigsten Ökonomen des vergangenen Jahrhunderts. Seine Werke inspirierten die deutsche APO und die 68er Bewegung wie auch die sozialistischen Parteien Europas.  Mehr als 10 Jahre nach seinem Tod ist nun die erste deutschsprachige Biographie erschienen. “Rebell zwischen Traum und Tat” ist ein passender Titel für das von Jan Willem Stutje zusammengetragene Werk, welches einen hervoragenden Einblick in das Leben von Mandel gibt. Das Vorwort von Tariq Ali zeigt, welch wichtige Rolle Mandel hatte. Für alljene die bisher wenig über Mandel wissen, ist dieses mehr als 400 Seiten starke Werk ein guter Beginn um sich mit einem der rebellischsten Ökonomen unserer Zeit vertraut zu machen.
Die Biographie lässt wenig Fragen offen über die Person Mandel und die trotzkistische Bewegung nach dem Zweiten Weltkrieg. Sie gibt keinen wirklichen Einblick in seine ökonomischen Theorien, dies ist aber auch nicht ihr Anspruch. Sie ist eine Homage an den Portraietierten, die aber auch nicht an kritischen Elementen an ihm spart.

Leider ein sehr teures Werk. Wer über das nötige Kleingeld verfügt und sich für Ernest Mandel interessiert, sollte es sich trotzdem bestellen

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