Bolivars Erben

Bolivars Erben – Linksregierungen in Lateinamerika

Allendes Chile war der Versuch einen Sozialismus über Wahlen einzuführen, ein Versuch der bekanntlich durch einen rechten Putsch verhindert wurde und der Einführung des Neoliberalismus in Lateinamerika den Weg ebnete. Heute regieren in Lateinamerika verschiedene Regierung, die sich selbst als sozialistisch bezeichnen. Dieter Boris hat mit seinem Werk „Bolivars Erben – Linksregierungen in Lateinamerika“ den Versuch gemacht die Entwicklung der lateinamerikanischen Linken unter die Lupe zu nehmen.

Boris, emeritierte Marburger Soziologie-Professor, zeichnet die verschiedenen Wege nach, die die verschiedenen linken Regierungen gegangen sind und macht dabei schon im ersten Kapitel deutlich, dass es große Unterschiede zwischen diesen gibt. So befinden sich auf der einen Seite die sozialdemokratischen Regierungen in Chile (welches zum Erscheinungsdatum wieder von der Rechten regiert wurde), Brasilien oder auch Argentinien, während in Venezuela, Bolivien und zum Teil auch Ecuador sozialistische Politik durchgesetzt wird. Während er zu Beginn deutlich die Unterschiede darstellt, geht er mit Verlauf des Werks auch immer stärker auf die politischen Gemeinsamkeiten ein, wobei die Unterschiede zwischen sozialdemokratischen und sozialistischen Staaten sich durchziehen. Einen besonderen Fokus widmet er dabei der Wirtschaftspolitik, deren Umgestaltung eine der zentralen Fragen ist, wenn der Staat umgebaut werden soll. Er sieht auch ein positive Folgen die der Rückgang von Armut und Arbeitslosigkeit für andere Bereiche mit sich gebracht hat. „Insgesamt scheinen viele lateinamerikanische Gesellschaften – im Vergleich zu der Zeit vor drei oder vier Jahrzehnten – selbstbewusster, autonomer und handlungsbereiter, damit aber auch demokratischer zu sein“ so sein Fazit zu den Auswirkungen der veränderten Sozialpolitik/Sozialstruktur.
Auch die Veränderung der Medienpolitik ist für Boris ein entscheidender Punkt zur Durchsetzung anderer Politik, dabei zeichnet er nicht nur das unfassbare Ausmaß von Kapitalkonzentration in den Händen weniger nach, sondern auch wie die neuen Linksregierungen dagegen vorgegangen sind. Als Beispiel steht dafür besonders die von Venezuelas „Präsident Chavez im Juli 2005 kreierte gesamtlateinamerikanische Nachrichtenagentur (Telesur)… versteht sich explizit als Gegenkraft zu den großen privaten nordamerikanischen Fernsehstationen CNN und Univision, sowie der britischen BBC“.
Das letzte Kapitel widmet sich der Frage um welche Gesellschafts- und Wirtschaftsformen es sich handelt und wieso Boris einen großen Teil der Kritik an den Linksregierungen in Lateinamerika nicht teilt. Er macht allerdings deutlich, dass auch er noch großen Raum für Veränderungen sieht und es den Linksregierungen bisher an einer Utopie fehlt, wo sie hinwollen, da sie sich eher am Abgrenzen von der Vergangenheit orientieren. So bleibt sein letzter Satz bezeichnend, dass es realistischer scheint, dass die Staaten sich ingesamt an einem kommunitären Kapitalismus orientieren würden als an einem „Sozialismus des 21.Jahrhundert“.

Dieter Boris hat mit seinem Werk einen wichtigen Beitrag geleistet zur Debatte wie es um die Entwicklung Lateinamerikas steht und welche Veränderungen die Linke bewirkt hat. Man muss nicht allen seinen Thesen zustimmen um zu erkennen, dass er einen guten lesenswerten Gesamtüberblick liefert. Bestellen könnt ihr das bei Papy-Rossa erschiene Buch hier.

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