Armut in einem reichen Land – Probleme der ersten Welt

21. November 2016 - 22:05 | | Kultur | 0 Kommentare

Armut wird heutzutage vor allem mit der sogenannten “dritten Welt” verbunden, dass es auch in Deutschland Armut gibt und diese immer häufiger wird, wird meist vergessen oder schlicht verdrängt. Armut tritt in Deutschland in einem geringeren Ausmaße auf und nimmt auch meist weniger schlimme Formen an. Selbst Pädagogen und Erzieher sind häufig überfordert, wenn sie auf Armut treffen, da sie diese meist zu spät erkennen.
Der Professor für Politikwissenschaften an der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln, Christoph Butterwegge, hat sich vorgenommen mit seinem Werk “Armut in einem reichen Land” mit dem Mythos der nicht vorhandenen Armut aufzuräumen.

Einzelfälle und Entwicklung

Über Armut spricht man in der Bundesrepublik nicht, zumindest nicht über Armut in Deutschland, denn diese wird meist ignoriert. Wenn doch über sie gesprochen wird, dann meist im Zusammenhang mit spektakulären Ereignissen : dem Kältetod eines Obdachlosen, dem Verhungern eines Kleinkindes oder der Gründung einer „Tafel“, wie die Suppenküchen genannt werden, die immer häufiger zu sehen sind, die das Versagen des Staates ausgleichen müssen. In Zeiten in denen Menschen in Armut ausgegrenzt werden, damit das Versagen der Gesellschaft und der Politik nicht allzu deutlich wird, schreibt Christoph Butterwegge sein Buch.

Das Werk richtet sich an LeserInnen, die nicht nur mehr Informationen über das Problem der Armut, der Unterversorgung und der sozialen Ausgrenzung von Menschen und deren Dimensionen, Entstehungen und Entwicklungen informieren wollen, sondern auch über die Politik, die zur Armut beigetragen hat, und die mediale Situation informiert werden wollen.

Das Buch ist in drei Kapital aufgeteilt. Das erste Kapitel widmet sich der Begriffsdefinition und Bestandsaufnahme zum Thema „Armut in der Bundesrepublik Deutschland“. Armut und Reichtum werden als Begriffe erläutert und kontrovers beschrieben. Globalisierung wird als neoliberales Projekt zur Vergrößerung sozialer Ungleichheit aufgezeigt. Der Kinder– und Altersarmut wird ein eigener Teil gewidmet, da diese Probleme eigene Entwicklungen haben.

Wie leugnet man Armut?
“Bilder der Armut: Wie man das Problem leugnet, verharmlost und verdrängt” so lautet der Titel des zweiten Kapitels. In dem zweiten Kapitel beschäftigt sich der linke Professor damit wie mit Armut seit dem 2. Weltkrieg umgegangen wird. Er erklärt wie Armut von der Politik entweder nicht zur Kenntnis genommen oder durch Vergleiche mit Armutsproblemen in den Ländern der so genannten Dritten Welt relativiert wurde und den Menschen somit gezeigt wurde, dass sie keine politische Vertretung haben . Er beschreibt wie das Thema Ende der60er Jahre für kurze Zeit auf die Tagesordnung kam, dann aber wieder den Wissenschaftler überlassen oder komplett vergessen wurde. Christoph Butterwegge geht auf Armutsentwicklungen in der Folge des Wiederevereinigung und der Einführung von Hartz 4 ein, welches er schon seit längerem kritisiert, da es zu deutlich mehr Armut führt, wie sein Werk zeigt.

Armut hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen, so beschreibt er, wurde aber auch von der Gesellschaft immer mehr akzeptiert oder als unvermeidbar angesehen, weswegen die Symptome nicht bekämpft wurden. Er erkennt, dass dies von den Reichsten in der Gesellschaft geschickt forciert wurde:

„Da zumindest Reiche und Superreiche kein Interesse an einer tiefgreifenden Veränderung der Einkomms- Vermögens- und Herrschaftsverhältnisse haben, sträubt sich die von ihnen maßgeblich beeinflusste Öffentlichkeit gegen Wahrheiten wie die, dass der Finanzmarktkapitalismus mehr Armut als nötig erzeugt hat, oder die, dass ein moderner Industriestaat wie die Bundesrepublik in der Lage wäre, sie zu beseitigen, würde nicht der politische Wille fehlen.“

Fazit und Ende

Im letzten Kapitel befasst er sich mit den „Wegen und Irrwegen der Armutsbekämpfung“.Im letzten Kapitel beschreibt er wie die Armut bekämpft werden kann und zeichnet deutlich eine andere Gesellschaft, zeigt aber auch, dass dieser Weg in Deutschland wohl noch von wenigen gegangen würde. Gleichzeitig macht er sich Gedanken über Möglichkeiten zur Lösung von Problemen, so setzt er sich mit dem„bedingungslosen Grundeinkommen“ und der„Bürgerversicherung“ auseinander.

Das vorliegende Buch bietet einensehr guten Überblick über die Armutsdiskurse in der Bundesrepublik Deutschland, die zudem immer wieder in einem großen gesellschaftlichen Zusammenhang analysiert werden und mit der Entwicklung Deutschlands verglichen werden. Das Buch bietet auch Lösungen für das Problem der Armut, ist allerdings in einer Sprache geschrieben, die zu wissenschaftlich ist um einen wirklichen Genuss zu erzeugen.

Über den Autor

Ich habe 2009 die Freiheitsliebe gegründet aus dem Wunsch, einen Ort zu schaffen, wo es keine Grenzen gibt zwischen Menschen. Einen Ort an dem man sich mitteilen kann, unabhängig von Religion, Herkunft, sexuelle Orientierung und Geschlecht. Freiheit bedeutet immer die Freiheit von Ausbeutung. Als Autor dieser Webseite streite ich für eine Gesellschaft, in der nicht mehr die Mehrheit der Menschen das Umsetzen muss, was nur dem Wohlstand einiger Weniger dient.
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