4. Blocks – (K)ein Spiegel der Realität

6. November 2019 - 12:00 | | Kultur | 0 Kommentare
Quelle: TM & Turner Entertainment Networks, Inc. A Time Warner Company /

Am 7.November kommt die dritte und letzte Staffel der Serie „4 Blocks“. Diese Serie bietet nicht nur ein großes Vergnügen beim Zusehen, nein, sie ermöglicht auch ein großes Feld an politscher Interpretation. Von sogenannter „Clan-Kriminalität“ bis hin zu Problemen der „Integrationspolitik“.

4 Blocks ist eine deutsche Dramaserie, die 2017 mit ihrer ersten Staffel an den Start ging. Es handelt sich in der Serie um eine libanesische Großfamilie („Hamadys“), die in Berlin-Neukölln die Straßen beherrscht. Angeführt wird die Familie von der Hauptrolle „Toni Hamady“, gespielt von Kida Khodr Ramadan. Toni wird aber von seiner Frau zur Entscheidung gestellt, sich entweder von den Geschäften loszulösen oder seine Frau und sein Kind zu verlieren. Der Versuch aber, aus diesen kriminellen Geschäften auszusteigen, fällt Toni nicht leicht – gerade in Verbindung mit den Hürden, die die Ausländerbehörde ihm stellt.

Die Großfamilien

Die Serie hat nur bedingt den Anspruch, die große Familie so nah wie möglich an der Realität abzubilden. So ist die Geschichte der Flucht und die andauernde Kettenduldung vergleichbar mit dem Schicksal vieler anderer Familien. Aufgrund des Bürgerkrieges in den 1980ern sind die Hamadys von Libanon nach Deutschland geflüchtet. Ihre eigentlichen Wurzeln sind kurdische, dennoch präsentieren sie sich, wie andere libanesisch-kurdische Familien, als reine Libanesen. Das hängt damit zusammen, dass die Kurden im Libanon, anders als in Syrien, Iran, Irak oder Türkei, nicht tief verwurzelt sind, sondern dorthin flohen, in Folge der türkischen Politik.

Angekommen in Deutschland erwartet fast allen Familien das gleiche Schicksal, keine Angebote an Integrationskursen oder sonstigen Möglichkeiten, Teil der Gesellschaft zu werden. Im Gegenteil, ihnen wurde zunächst der Zugang zum Arbeitsmarkt verwehrt, ihre Kinder hatten keine Schulpflicht und sie wurden alle in Großwohnsiedlungen untergebracht, wo nur Menschen ihres gleichen waren. Hinzu kommt die Drangsalierung der Menschen durch das deutsche Aufenthaltsrecht beziehungsweise explizit durch die Kettenduldung. Menschen werden nach Definition geduldet, wenn das Aufenthaltsrecht des einzelnen noch nicht ganz geklärt ist oder der einzelne eine Aussetzung seiner Abschiebung erhält.

Weit weg von der „einheimischen“ Gesellschaft folgte auf die Kettenduldung ein Leben ohne Arbeitsperspektiven und Aufstiegsmöglichkeiten. Sie kämpften um Anerkennung und wollten den gleichen Lebensstandard besitzen wie Personen anderer Gesellschaftsteile. Ein kleiner Teil von ihnen ging daraufhin den Weg in die Kriminalität und baute sich Strukturen auf. An diesem Punkt kommen wieder Verbindungen der Hamadys mit einer kleinen Minderheit der deutsch-libanesen auf. Bei 4 Blocks entstehen in Folge dessen Straßen oder Gegenden, in denen man die Geschäfte kontrollieren möchte. Ebenfalls gibt es gewissen Parallelen imHinblick auf den engen familiären Zusammenhalt der Familien, dieser scheint auf den ersten Blick sehr verwirrend und reaktionär zu sein, doch wurde er auch aus der Not geboren, in der der Staat einen ausgrenzte und die Gesellschaft keine Achtung hatte. Die Familien sind mit ständigem Misstrauen aufgewachsen, sie konnten weder dem Staat vertrauen noch Beratungsstellen. Und so entwickelte sich ein intrinsisches Gefühl, für einander da zu sein (zu müssen).

Es lohnt sich sehr, diese Serie anzusehen und zu verstehen, wie diese Menschen in solchen Verhältnissen groß geworden sind. Einige bürgerliche Journalisten versuchten, die Serie auf die Realität zu übertragen und eine ganze Gesellschaftsgruppe zu stigmatisieren. Es ist wichtig, klar zu machen, dass 4 Blocks nicht ansatzweise die Realität widerspiegelt. Es ist und bleibt am Ende des Tages eine fiktive Serie. Natürlich sind durchaus Parallelen zu erkennen – doch würde auch niemand auf die Idee kommen, sozialchauvinistische Sendungen wie „Mitten im Leben“, „Armes Deutschland“ oder „Frauentausch“ seien repräsentativ für die „bio-deutsche“ Gesellschaft.


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