Verstaatlicht die Deutsche Bahn endlich wieder!

20. Mai 2016 - 16:51 | | Gesellschaft | 5 Kommentare

Diese Erlebnisse kennt jeder. Man will mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren. Man denkt es ist angenehmer, denn man hat Zeit fürs Arbeiten, zum Lesen oder für ein kleines Schläfchen. Und ganz nebenbei ist es auch umweltfreundlicher als die Fahrt mit dem Auto oder dem Flugzeug. Doch dann kommt der Horrormoment, wenn der eigene ICE oder IC 110 Minuten Verspätung hat. Man rennt panisch zur Information, schaut sich nach Alternativen um, wechselt 20 Minuten lang ein Gleis nach dem anderen, denn nicht nur die eigene Verbindung kommt unpünktlich, sondern gleich alle. Natürlich, was sollte auch sonst passieren. Gleis fünf auf Gleis acht, auf Gleis sieben, wieder zurück auf fünf und am Ende wieder auf Gleis sieben. 

Der Ausflug mit der Bahn endet nicht selten im Fiasko. Anstatt einer entspannten Fahrt hat man einen Terrortag. Anschlüsse verpasst, Termine werden abgesagt und Verabredungen verschoben. Natürlich könnte man meinen man meckert auf hohem Niveau, schließlich ist die Deutsche Bahn in den meisten Fällen überaus pünktlich. Mein Cousin aus Serbien hat mir mal gesagt, dass wir unter 30 Minuten Abweichung vom Fahrplan weder von Verspätung reden sollten, noch meckern dürften. Eigentlich hätte er Recht, wenn man in diesem Land nicht so viel Wert auf Pünktlichkeit legen würde. Pünktlich zur Arbeit, Termin, Vorstellungsgespräch, Kneipenabend und Verein. Fahrgäste sind einfach Abhängig davon, dass die Bahn pünktlich kommt.  Denn es ist einfacher den Fahrplan zu ändern, als die Mentalität eines ganzen Landes.

Weniger als 30 Minuten Abweichung sind keine Verspätung

Doch leider leidet der Mythos der pünktlichen Deutschen Bahn immer stärker, seit sie in eine profitorientierte Aktiengesellschaft umgewandelt wurde. Als wäre Mobilität kein Grundrecht. Und nun kommen die ganzen Privatbahnen hinzu, die noch mehr Chaos in die ganze Sache bringen. Arbellio, National Express, HRX und viele mehr. Sie chaotisieren den Fahrplan und machen aus einer Grundversorgung ein profitorientiertes Geschäft. Ich hab echt keine Lust mit anzusehen, wie sich diese ganze Geschichte weiter entwickeln wird. Denn es wird weitergehen, es wird mehr Privatisierungen geben, mehr öffentliche Ausschreibungen die dazu führen, dass ganze Netze an Drittanbieter verschärbelt werden. Die gekniffenen sind am Ende die Fahrgäste.

Ein Beispiel ist Passau. Dort hat sich die Stadt nun aus dem öffentlichen Nahverkehr zurückgezogen. Resultat war eine europaweite Ausschreibung, der städtische Betrieb muss bis zu 750 Busfahrerinnen und Mechaniker entlassen. Natürlich wird den entlassenen eine Übernahme durch die neue Gesellschaft versprochen, aber zu welchen Konditionen? Bis zu 750 Euro weniger sollen die Arbeiterinnen und Arbeiter verdienen, eine verdammte Frechheit. Wie sollen diese denn bitte ihre Zukunft planen, Familien ernähren oder vielleicht Mal in den Urlaub fahren?

Verstaatlicht die Deutsche Bahn endlich wieder!

Das Problem bleibt ein Problem und ich sehe nicht wer, außer den üblichen Verdächtigen wie Linke, etwas dagegen unternehmen will. Doch unsere gesellschaftliche Entwicklung schreit geradezu nach besserem öffentlichem Personenverkehr. Wir werden in Deutschland immer mehr alte Menschen haben die auch Verreisen und ihren täglichen Bedarf erledigen wollen. Die Globale Erwärmung schreit geradezu nach mehr Zug. Doch stattdessen haben wir überteuerte Preise für Bus, Bahn, Tram und U-Bahn, immer ausgedünntere Fahrpläne und ein Chaos dank Profitgier. Dabei wäre selbst in unserem aktuellen Wirtschaftssystem eine andere Bahn möglich – aber sie ist nicht gewollt.

Irgendwann sitzt man dann doch in der Bahn und fängt an sich zu beruhigen, denn man kann sich nicht den ganzen Tag aufregen. Den Tag versaut hat einem der Zugverkehr trotzdem. Wenn man mich fragt, dann bräuchten wir  kostenlosen Zugverkehr in ganz Deutschland, damit jeder in den Genuss von ausreichender Mobilität kommt. Damit niemand mehr auf ein Auto angewiesen ist. Damit Autos vielleicht irgendwann der Vergangenheit angehören. Aber solange die Autolobby mit ihren dicken Vertretungen Unter den Linden in Berlin sitzt, glaube ich nicht dran. Aber: je mehr Leute sich trauen Querzustellen, je stärker der Widerstand gegen diesen Profitwahnsinn ist, umso eher wird sich etwas ändern. Vielleicht. Einen Versuch ist es Wert

Über den Autor

Bundessprecher der linksjugend ['solid] und Wortakrobat für die Freiheitsliebe, Balkan21 und andere Medien.
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5 Kommentare

  • 1
    Meh sagt:

    Blödsinniger Artikel. Heraus sticht dabei der Satz:
    “ Die Globale Erwärmung schreit geradezu nach mehr Zug. “
    Herr Kerekes sollte mal erklären, wo und wie danach geschrieen wird.

  • 2
    Helga Müller sagt:

    Ja, die Forderung ist mehr als berechtigt.
    Als Bahnkartenbesitzerin (seit 26 Jahren) ärgere ich mich darüber, daß durch die vielen Tochter- oder Subunternehmen der Bahn ( z.B. im Erzgebirge, bei Abellio oder den Privatbahnen in Mecklenburg, in Brandenburg, die Bahncard gar nicht voll anerkannt wird.
    Dazu kommen noch die teils unübersichtlichen und teureren Fahrpreise.

    • 2.1
      Thomas Koch sagt:

      Ihnen ist bewusst, dass es sich bei der BahnCard um eine Ermäßigungskarte der Deutschen Bahn handelt, und diese auch in allen Tochterunternehmen der Deutschen Bahn anerkannt wird, außer in diversen Tarifverbünden, die eine BC-Ermäßigung ausschließen, was jedoch nicht in der Entscheidungsgewalt der DB liegt. Durch die vielen privaten Eisenbahngesellschaften (Abellio (Tochter der niederländischen Staatsbahn NS), Netinera (Tochter der italienischen Staatsbahn TI/FS), …) stellen ihre eigenen Regelungen auf, die beinhalten, dass die BahnCard entweder teilweise oder oft gar nicht anerkannt wird, außer sie ordnen sich dem DB-Tarif unter. Somit würde eine Wiederverstaatlichung von Grundsatz her nichts bringen. Man müsste zusätzlich den Wettbewerb auf der Schiene unterbinden (der gewollt ist und von der EU verlangt wird).

  • 3
    esel sagt:

    Zunächst mal ein klein wenig Verteidigung der Eisenbahn: Es gibt sehr, sehr viele Verspätungen, die von außen auf den Bahnbetrieb einwirken und ihn verzögern: Personen und oft Kinder im Gleis, Schienensuizide, Vandalismus, Diebstahl von Bahnanlagen, Fahrgäste die an der Notbremse ziehen und viel weiteres…diese Verspätungen lösen dann natürlich Folgeverspätungen aus. Beispiel: Wegen eines Notarzteinsatzes im Zug muss ICE 999 von Frankfurt nach Hamburg in Göttingen 30 Minuten stehen, auf der weiteren Fahrt holt er wenn es gut läuft noch 5-7 Minuten auf. Dann kommt er mit 25 Minuten Verspätung in Hamburg an. In der Netzleitstelle hat man unterdessen rausgefunden, dass es viele Fahrgäste unserem Zug gibt, die eine Anschlussverbindung nach Sylt gebucht haben, also wartet der IC in Hamburg.

    Daneben ist aber natürlich ein guter Teil der Unpünktlichkeit (und auch Mangel an Sicherheit) auf die Profitorientierung der DB AG zurückzuführen. Stichworte hier: Zugschaden, also z.B. eine nicht gewartete Bremse, nicht gewartete Weichen, Bäume die ins Gleis fallen (ja auch das, schließlich kostet es viel Geld die Bereiche neben Strecken von Baumwuchs freizuhalten). Dazu kommen noch überlastete Strecken wie z.B rechte und linke Rheinbahn, Frankfurt-Bebra, usw. Die Liste der bahntechnischen Mängel wegen der Privatisierung, bzw. der verschleppten Invetitionen oder bahntechnische Sinnlosigkeiten wie S21 könnten wir noch lange fortführen.

    Kommen wir zum Artikel. An sich vieles gut, auch der Zusammenhang zur Dominanz des Automobilkapitals wird hergestellt. Aber was für eine Verstaatlichung wollen wir genau? Die Behördenbahn wurde ja von eben jenem Staat zerschlagen und auf Profite getrimmt. Zudem ist die DB ja immer noch mehrheitlich in Staatshand, nur verhält sich dieser Staat eben wie ein Aktionär.

    Das was es braucht ist die konkrtete Losung von einer entschädigungslosen Rückverstaatlichung des gesamten Eisenbahnverkehrs, also auch Abellio usw. Und zwar unter ArbeiterInnen- und Fahrgastkontrolle! Diese sollen Netzausbau, Verkehr usw demokrtaisch planen und entwickeln + Preise festlegen, und zwar finanziert durch jene, die sich am Verkehr derzeit die Taschen voll machen und über die DB Busse in aller Welt betreiben.

    Das ist sicher schwer erreichbar, aber notwendig, sonst kommt der Staat her und spielt weiter Aktionär. Um es zu erreichen braucht es auch eine Einigung aller im Transportsektor Beschäftigten, sprich eine Transportgewerkschaft mit Rechenschaftpflich, Wähl und Wbwählbarkeit der FunktionärInnen. Es muss demokrtaisch entschieden werde, welche Aktionen (z.B ein präziser Streik, der nur den Güterverkehr betrifft) wie durchgeführt werden können. Das alles hört sich sicher utopisch an, aber ist denke ich der einzige Weg um einen Transport zu erreichen, der sich an den Bedürfnissen der Menschen orientiert und den Beschäftigten das Zepter übergibt.