Mit kleinen Dingen die Welt verändern – Im Gespräch mit Sultan Keskin

17. Juni 2015 - 14:32 | | Gesellschaft | 0 Kommentare
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Sultan Keskin ist 22 Jahre jung und kam mit ihren Eltern als Flüchtling im Alter von vier Jahren nach Deutschland. Sie weiß wie schwer es ist, sich in einer fremden Gesellschaft zurechtzufinden. Darum hat sie die Initiative „Schenk auch du einem Kind einen Stift“ gegründet und hilft nun Seiteneinsteigern bei der Schulausstattung in der Ruhrgebietsmetropole Essen. Eine junge Frau mit einem sehr großen Herz.

Die Freiheitsliebe: Wie kamst du auf die Idee die Initiative zu gründen?

Sultan Keskin: Ich arbeite hauptberuflich in einer Bank. Doch nebenher helfe ich kurdischen Flüchtlingskindern bei der Integration in die Grundschule. Hier habe ich in meiner täglichen Arbeit gesehen, wie häufig Kindern das Nötigste fehlt: Stifte, Hefte und überhaupt alles. Da habe ich mir gedacht: Das müssen wir ändern. Wir leben in einer so reichen Gesellschaft, da muss doch wohl auch etwas für die Kinder drin sein.

Und dann hast du die Initiative gegründet? Allein?

Ja. Irgendwie muss man ja anfangen. Und bevor ich zu lange rumeier habe ich es direkt angepackt. Schließlich habe ich auch die berufliche und persönliche Erfahrung, um das Projekt direkt umzusetzen. Es gibt einige Leute die mich dabei unterstützen und ihnen bin ich auch sehr dankbar.

Was hast du bisher denn umgesetzt?

Bisher habe ich 160 Kinder an drei Grundschulen mit dem nötigsten an Schulmaterial versorgt. Erst vor Kurzem war ich in Essen in der Hüttmannschule. Ma kann gar nicht glauben, wie dankbar einem nicht nur die Kinder sind, sondern auch die Lehrer und das Sekretariat. Es ist eine sehr schöne Erfahrung.

Heißt das, du bist bisher nur in Essen aktiv?

Ja, ich habe bisher drei Essener Schulen besucht. Mein Ziel ist es, alle bedürftigen Kinder an Essener Schulen zu versorgen. Wenn die Kampagne gut läuft, möchte ich das Ganze natürlich auch auf Nachbarstädte ausdehnen. Ich habe jetzt auch eine Freundin, die in Düsseldorf angefangen hat, Material zu sammeln und wir suchen gemeinsam Sponsoren, die Schulmaterial finanzieren.

Findest du es nicht störend, dass wir in einem so reichen Land leben und trotzdem Schulsachen für Kinder gesammelt werden müssen? Sollte Bildung nicht für alle

Sultan Keskin setzt sich seit Jahren für einen humaneren Umgang mit Flüchtlingen ein.

Sultan Keskin setzt sich seit Jahren für einen humaneren Umgang mit Flüchtlingen ein.

Kostenfrei sein?

Wir wissen ja alle, die eigene Kinder oder Geschwister haben, das Schule teuer ist. Schon alleine wenn man sich die Listenbestellung an Schulmaterialen am Anfang des Schuljahres anschaut, wird einem schnell klar, dass Bildung nicht kostenlos ist. Ich habe einen Bruder, der ging am Anfang auf eine katholische Schule, da wurden die Listen sogar nach „Marken“ sortiert. Man kann von mindestens 100 Euro für eine Erstausstattung ausgehen.

Was hältst du von der Forderung, dass Bildung kostenlos sein muss, also auch eine sogenannte Erstausstattung? Setzt du dich auch dafür ein?

Ich bin ja dafür. So viel Kosten sind es gar nicht, wenn man bedenkt, das ich mit ca. 500 Euro fast alle Seiteneinsteiger an zwei Grundschulen versorgen konnte. Die Stadt spart hier eindeutig am falschen Ende. Gerade die Bildung sorgt doch dafür, dass sich Menschen besser in unserer Gesellschaft zurecht finden, integrieren und am sozialen Leben teilhaben können. Das belegen Studien immer wieder und daher macht es mich fassungslos, wenn an Bildung gespart wird, egal ob in Essen, Deutschland oder Griechenland. Die Jugend ist die Zukunft und Zukunft bedeutet Leben.

Hast du denn auch Kontakt mit politischen Organisationen gesucht, um diesen Zustand anzuprangern?

Ich habe bisher mit der linksjugend in Essen Kontakt gehabt, die mich bei meinem Projekt logistisch unterstützt. Außerdem hat der Landesverband der Organisation 500 Euro für Sachspenden zur Verfügung gestellt. Sie stehen natürlich auch für die Forderung der kostenlosen Bildung für alle ein. Ansonsten habe ich vor allem von Privatleuten Unterstützung erhalten. Auch ein Getränkegroßmarkt in Dortmund hat über 300 Euro gespendet.

Sachspenden können an Folgende Adresse geschickt werden:
BürgerInnenbüro Niema Movassat
c/o Sultan Keskin
Severinstraße 1
45127 Essen

Über den Autor

Bundessprecher der linksjugend ['solid] und Wortakrobat für die Freiheitsliebe, Balkan21 und andere Medien.
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