Gibt es zu viele Menschen auf der Erde?

13. Juli 2019 - 12:00 | | Gesellschaft | 1 Kommentare

Martin Empson nimmt die Argumente derer auseinander, die das Bevölkerungswachstum für die Klimakrise verantwortlich machen.

An irgendeinem Punkt zwischen Oktober 2011 und März 2012 überstieg die Weltbevölkerung 7 Millarden Menschen. Jedes Mal, wenn ein solcher Meilenstein erreicht wird, erscheinen rasch in den Medien alarmistische Artikel, die uns vor den vermeintlichen Gefahren unkontrollierten Bevölkerungswachstums warnen wollen. In den Jahren seit 2012 wuchs die Menschheit zusätzlich um weitere 700.000 Menschen, was manche Aktivisten, Politiker, Demografen und Journalisten noch mehr in Panik versetzte. Das Resultat dieses Diskurses sehen wir daran, dass man nicht lange auf einer Umwelt-Demo suchen muss, bis man auf jemanden trifft der sagt, das Problem seien „zu viele Menschen“.

Theorien, die das Bevölkerungswachstum mit Umweltzerstörung, Ressourcenverbrauch und Hunger verknüpfen, sind nicht neu. Sie beruhen auf der simplen Idee, dass mehr Menschen mehr Ressourcen benötigen. Solche Argumente gehen zurück bis ins 18. Jahrhundert, zu den Werken des englischen Ökonomen Thomas Robert Malthus. Als Teil der gesellschaftlichen Debatte über die Klimakrise erleben sie heute eine neue Konjunktur. Ich bin davon überzeugt, dass diejenigen, die das Bevölkerungswachstum als unmittelbare Ursache für das Artensterben und die Klimakrise ansehen, die wahren Ursachen verkennen und eine gefährliche Spaltung der ökologischen Bewegung herbeiführen könnten.

Krise

Werfen wir einen Blick auf den aktuellen UN-Report zum Artensterben. Er bilanziert, dass ein Achtel der Spezien – eine Million Pflanzen- und Tierarten – vom Aussterben bedroht ist. Im Report können wir außerdem lesen, dass die „wesentlichen indirekten Faktoren sich aus einer wachsenden Bevölkerungszahl und pro-Kopf-Konsumption; technologischen Innovationen, welche in manchen Fällen die Umweltzerstörung verringern, in manchen Fällen verstärken; und, in besonderem Ausmaß, aus Problemen des politischen Willens und der politischen Verantwortlichkeit zusammensetzen.“

In manchen Berichten wird diese komplexe Anzahl von interagierenden Faktoren auf ein einfaches Stichwort reduziert: „Überbevölkerung“. Beispielsweise schrieb Camilla Cavendish in der Financial Times unter der Überschrift „Wissenschaft allein wird das nächste große Artensterben nicht verhindern können“, der UN-Report würde uns warnen, „dass menschliche Überbevölkerung eben die Pflanzen- und Tierarten vernichten wird, auf die wir als Menschen existenziell angewiesen sind.“

Protest gegen die Krise – Bild: Critica

Sie fährt fort: „Es ist unverantwortlich, den UN-Report warmherzig zu loben, während man weiterhin Bevölkerungswachstum propagiert. Wir sind mitten in einem Krieg mit der Natur, auf Leben und Tod. Und wir werden die Verlierer sein, wenn wir nicht sofort einen Waffenstillstand aushandeln.“

Die Journalistin macht hier zwei konzeptionelle Sprünge in ihrer Argumentation. Erstens abstrahiert sie vom allgemeinen Kontext des Bevölkerungswachstums, und zweitens impliziert sie, dass die Biodiversitäts-Krise aus einem „Krieg mit der Natur“ entsprungen sei. Das Problem ist, dass ein solcher Ausgangspunkt schon falsch ist.

Cavendish´s Argumente sind allerdings nicht neu. In den späten 1960ern, als ökologische Probleme das erste Mal in den Fokus des Mainstreams rückten, begaben sich zahlreiche Autoren auf die Suche nach deren Ursachen. Der Diskurs wurde dabei regelmäßig von Denkern dominiert, die das Bevölkerungswachstum direkt mit der Umweltzerstörung und anderen Problemen (beispielsweise Hunger) verwoben. Der einflussreichste und prominenteste dieser Denker, der amerikanische Akademiker Paul Ehrich, argumentierte 1968 in seinem Buch „Die Bevölkerungsbombe“, dass das Bevölkerungswachstum bereits zu größeren Umweltproblemen geführt habe und noch dazu führen werde, dass hunderte Millionen von Menschen in den 1970ern an Hungersnöten sterben würden.

Er stellte eine krude These auf, die den heutigen Argumenten sehr ähnelt: „Stellen sie sich vor, was es für ein Land bedeutet, wenn sich seine Bevölkerung verdoppelt… Die verfügbaren Lebensmittel müssen sich verdoppeln. Jede Straße, die gesamte Infrastruktur muss dupliziert werden. Der Energieverbrauch verdoppelt sich, die Kapazitäten des Transportsystems verdoppeln sich. Die Zahl der Ärzte, Krankenschwestern, Lehrer und Angestellten muss sich verdoppeln.“

Konsequent zu Ende gedacht führt diese Logik sehr schnell von der Sorge über eine vermeintliche Überbevölkerung hin zur Forderung nach „weniger Menschen“. Der einflussreiche Autor und Wissenschaftler James Lovelock sagte 2009 in einem Interview mit der BBC, dass „bei unserem Lebensstandard“ eine nachhaltig funktionierende Menschheit „nicht eine Millarde Menschen überschreiten darf.“ David Attenborough erklärt, dass „alle unsere ökologischen Probleme einfacher zu lösen sein werden, um so weniger Menschen es gibt, und schwerer – beziehungsweise ultimativ unmöglich – mit einer wachsenden Bevölkerung.“ Beide Männer sind Patronen der Organisation „Population Matters“, die einstmals unter dem Namen „Optimum Population Trust“ bekannt war.

In den Händen extremer Rechter wird diese Logik zur ideologischen Rechtfertigung reaktionärer Politik. Solche Theorien zur Überbevölkerung haben hier auch ihre Wurzeln, wenn auch James Lovelock, David Attenborough oder auch der Verein „Population Matters“ weit davon entfernt sind, eine gewaltsame Bevölkerungsreduktion anzustreben.

Als Malthus 1798 erstmals sein Buch „The Principles of Population“ veröffentlichte, tat er das nicht ohne spezifischen Grund. Mitten in den Nachbeben der französischen Revolution schrieb er vor allem gegen englische Radikale wie William Godwin und ihre Vision einer freien und gleichen Menschheit mit allgemeiner Verfügbarkeit gesellschaftlicher Ressourcen. Malthus stellte sich auf die Seite der englischen Bourgeoisie, als er verlauten ließ, dass eine solche Welt unmöglich sei, da die ärmere Bevölkerung dann unaufhaltsam und unkontrollierbar wachsen und so ihre Armut wieder herstellen würde.

Zeitgenossen wie William Cobett und später auch Karl Marx und Friedrich Engels kritisierten Malthus aufs Schärfste als Reaktionären. Marx nannte ihn eine „gigantische Beleidigung“ der Arbeiterklasse. Cobbett sagte es schroffer zu Malthus: „Ich habe, während meines gesamten Lebens, viele Männer verachtet; aber niemals jemanden so sehr wie dich.“

Angst

Aktuelle Schriften beinhalten oftmals die selbe Angst vor den Massen und assozieren Überbevölkerung ebenfalls mit Revolution, sich ausbreitendem Unmut und einer Verknappung der Ressourcen, insbesondere der Lebensmittel. Ehrlich´s berüchtigte Einführung in „Die Bevölkerungsbombe“ beschreibt eine Taxifahrt durch Delhi als den Moment, als er anfing, die Überbevölkerung zu fürchten.

„Eine muffige heiße Nacht in Delhi. Wir biegen in einen überfüllten Slum ein. Die Straßen wirken wie lebendig, mit all diesen Menschen. Menschen, die essen, Menschen, die waschen, schlafende Menschen. Besucher, Streitende und Schreiende. Menschen, die ihre Hände bettelnd durch die Autoscheibe quetschen. Menschen verrichten ihren Stuhlgang und urinieren…

Seit dieser Nacht weiß ich, wie sich Überbevölkerung anfühlt.“

Die Verknüpfung zwischen Überbevölkerung, Migrationspolitik und Rassismus hat auch schon den politischen Mainstream erfasst. Während meiner Recherchen stieß ich auf einen Artikel des „Independent“, datiert auf den 6. Juni 2019. Er beschreibt ein Treffen zwischen Auung San Suu Kyi, der Regierungschefin Myanmars, und dem ultra-rechten Politiker Viktor Orbán aus Ungarn. Beide waren sich darin einig, dass „fortwährendes Wachstum der muslimischen Bevölkerung“ neben der Migration, eine der „größten Herausforderungen“ für ihre Länder darstelle. Auung San Suu Kyi wird für ihre Untätigkeit während des Rohingya-Massakers, welches die UN als Genozid bezeichnet, international kritisiert.

Die Gefahr, dass Überbevölkerungs-Theorien in den Händen der politischen Rechten zu einer Rechtfertigung für rassistische und arbeiterfeindliche Maßnahmen werden, ist real. In ihrem herausragenden Buch „Too Many People?“ zeigen Ian Angus und Simon Butler, wie in den 1970ern westliche Gruppen die indische Regierung davon überzeugen konnten, gegen das Bevölkerungswachstum vorzugehen. Das führte zu einer gewaltsamen und undemokratischen Politik. Die indische Premierministerin Indira Ghandi erklärte, dass „einige individuelle Rechte dem Menschenrecht der Nation, zu leben und voranzuschreiten, untergeordnet werden müssen.“ Zwischen 1975 und 1976 wurden mehr als acht Millionen Inder sterilisiert, in manchen Fällen kam es dabei zur Zwangssterilisation ganzer Dörfer. Ähnliches spielte sich in China in den 1980ern ab. Als die Ein-Kind-Politik eingeführt wurde, verpflichtete sich jede Provinz zur Einhaltung einer bestimmten Quote. Eltern mit mehr als zwei Kindern wurden sterilisiert, es kam auch zu Zwangsabtreibungen. Angus und Butler nennen die chinesischen Programme in Tibet „ebenso barbarisch“.

Schmutz

Aber wie steht es nun mit dem zentralen Argument, dass Bevölkerungswachstum und zunehmende Umweltzerstörung miteinander verbunden sind? Oberflächlich scheint es logisch zu sein. 1971 schrieb Ehrlich über ein damals akutes Problem – den Smog in Los Angeles. Dieser, so argumentierte er, war auf das allgemeine Wachstum der City zurückzuführen, welches wiederrum mehr Autos und mehr Luftverschmutzung bedeuten müsse.

Das ist eine Abstraktion der konkreten Ursachen.

Bis in die 1950er hinein war die Großstadt Los Angeles in Besitz eines gut funktionierenden elektrischen Tramnetzes. Mit dem Wachstum der Stadt wollten die Stadtplaner zunächst auch das Tramnetz erweitern, aber dazu kam es nicht. Stattdessen wurde ein riesiges Straßensystem gebaut, als öffentliche Transportunternehmen mit der Zeit, mehr und mehr realisierten, dass Busse um einiges profitabler waren als das Tramnetz. So verursachte das Wachstum der City tatsächlich mehr Smog, allerdings nicht wegen des Anstiegs der Bevölkerungszahl, sondern weil man bewusst den Transport auf Busse und Automobile umstellte und die umweltfreundlichen Alternativen außen vor ließ.

Faktisch gibt es keine unmittelbare Beziehung zwischen der Bevölkerungszahl und der Zerstörung unserer Umwelt. Der wissenschaftliche Autor Fred Pearce argumentiert in seinem exzellenten Buch „PeopleQuake“: Die „ärmsten drei Millarden Menschen auf dem Planeten (ca. 45 % der Weltbevölkerung) sind momentan verantwortlich für gerade einmal 7 % der Emissionen, während die reichsten 7 % (ungefähr eine halbe Millarden Menschen) 50 % der Emissionen verursachen.“

Einfach gesagt hat das Bevölkerungswachstum in Entwicklungsländern also weniger Einfluss auf die Emissionen als das Wachstum in wohlhabenden Ländern. Das ist ein gutes Gegenargument gegen die direkte Verknüpfung von Bevölkerungswachstum und Umweltzerstörung, aber als Sozialisten müssen wir einen Schritt weiter gehen und die strukturellen Probleme benennen.

Karl Marx formulierte es einmal sehr treffend: „Überbevölkerung ist ein historisch determiniertes Verhältnis, nicht im Geringsten determiniert durch abstrakte Zahlen oder etwa durch eine absolute Beschränkung der Produktion lebenswichtiger Güter, sondern nur durch die Beschränkungen der Möglichkeiten in den konkreten Produktionsbedingungen… Wie klein scheint uns heute die Menschenzahl, die im antiken Athen als Überbevölkerung galt?“

Zwischen 1950 und 2010 wuchs die Weltbevölkerung circa um das Dreifache, die Ökonomie in der selben Zeit aber um das Zehnfache und dies, der Natur der kapitalistischen Ökonomie entsprechend, in einer zerstörerischen Art und Weise. Eine Studie ergab, das nur 100 Unternehmen für 71 % der CO2-Emissionen seit 1988 verantwortlich sind. Multinationale Konzerne wie Shell, Chevron und BP sind ganz vorne an der Spitze, wenn es um die Zerstörung des Ökosystems geht.

Aber reagieren diese Unternehmen nicht einfach auf die Nachfrage der Konsumenten? Und da Bevölkerungswachstum mehr Konsumenten bedeutet, heißt das nicht, dass schließlich doch die vielen Menschen das Problem sind? Nochmal: Diese Argumentation ignoriert die treibenden Kräfte der kapitalistischen Produktion. Ein immer wieder auftauchendes Beispiel für Ressourcenverbrauch ist das Handy. Dieses Gerät besteht aus teuren und seltenen Metallen und wird zurecht mit dem Raubbau an wertvollen Ressourcen in Verbindung gebracht. Doch was Konsumenten dazu treibt, mehr und mehr Smartphones zu kaufen, ist die Erhöhung der Nachfrage durch immer neue Modelle. Handyfirmen haben diesen Trick nicht erfunden – es ist dasselbe Prinzip, das benutzt wird, um uns alles mögliche kaufen zu lassen – von Kleidern bis hin zu Autos. Ein Vorstand von Ford Automobil gab in den 1950ern offen zu, dass „der Wandel im Erscheinungsbild der Modelle jedes Jahr die Verkaufszahlen steigert.“

Profitmaximierung

Greifen wir das Beispiel des Artensterbens noch einmal auf. In vielen Teilen der Welt wird dieses besonders durch landwirtschaftliche Methoden vorangetrieben. Aber ob nun die Abholzung des Regenwalds oder das Insektensterben, die Ursache liegt nicht in individuellen Bauern, die verzweifelt versuchen würden, die wachsende Bevölkerung zu ernähren. Stattdessen entstehen diese Praktiken aus dem Wesen der industriellen Landwirtschaft, welche riesige Monokulturen, übersät mit Pestiziden und Kunstdünger, benötigt, um Profite für multinationale Konzerne zu generieren.

Umweltzerstörung ist nicht das Resultat von zusätzlichen Menschen, sondern geht aus einem System hervor, das ohne Sinn und Verstand Profite über reale Bedürfnisse stellt.

Das heutige Bevölkerungswachstum wird häufig als unkontrollierbar dargestellt. In der Realität aber suggerieren alle offiziellen Prognosen einen Rückgang des Bevölkerungswachstums. Ironischerweise nahm die Wachstumsrate der Weltbevölkerung seit dem erscheinen von Erlichs Buch ab. Malthus behauptete, Bevölkerungswachstum wäre unvermeidbar, aber alle Indizien sprechen dafür, dass mit dem Wohlstand einer Gesellschaft auch die Geburtenrate sinkt. Bildung, Gesundheitssystem, Zugang zu Verhütungsmitteln und Abtreibungen sowie die Hinzunahme der Frauen zur Arbeitermasse helfen, die Geburtenrate zu senken. All das sind Eigenschaften einer entwickelten Ökonomie. Fast das gesamte prognostizierte Bevölkerungswachstum der nächsten hundert Jahre wird in den ärmsten Nationen, insbesondere dem sub-saharischen Afrika stattfinden.

In der Tat stehen manche europäische Länder, wie Deutschland und Italien, vor einem demographischen Problem besonderen Typs. Ohne Einwanderung wird die Bevölkerung dieser Länder altern und schrumpfen. Der italienische Demograf Massimo Livi Bacci geht davon aus, dass die Bevölkerungszahl seines Landes ohne Migration „an einem dauerhaften Niedergang leiden und von aktuell 61 Millionen auf 45 Millionen fallen“ werde.

Die Geburtenrate in Großbritannieren liegt bei etwa 1.8 – unter den benötigten 2.1 zur vollständigen Reproduktion der Bevölkerung. Globale Geburtenraten gehen ebenfalls zurück. 1950 war die durchschnittliche Kinderzahl pro Familie 4.7; heute sind es 2.4. Die Hälfte aller Länder haben eine Geburtenrate unter 2. Die Bevölkerungszahlen in Europa, China und Japan werden laut Prognosen noch vor 2050 sinken. Das ist nur ein Grund, weswegen Abschottungspolitik gegen Migranten so irrational ist.

Die Behauptungen von Malthus und die aktuelleren Vorhersagen wie die von Ehrlich haben sich als hochgradig unzutreffend erwiesen. Ehrlich stellte die These auf, dass bereits in den 1980ern der größte Teil der Welt Hunger leiden werde. Aber auch wenn Hunger und Mangelernährung weiterhin akute Probleme sind, ist die Zahl der Hungernden doch zurückgegangen – vor allem als Resultat neuer agrarwissenschaftlicher Entdeckungen. Laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen ist die Zahl der Hungernden von 991 Millionen Anfang der 1990er auf 791 Millionen im Jahr 2015 gesunken. Ehrlich prognostizierte für die 1980er Jahre riesige Hungersnöte, und bis zu einem gewissen Grad hatte er Recht – Länder wie Äthiopien litten in gigantischem Ausmaß. Nichtsdestotrotz, waren diese Krisen – wie auch fast alle anderen Hungersnöte der Moderne – nicht die Folge von Nahrungsmittelknappheit sondern von Armut. Heute wird genug Nahrung produziert, um die gesamte Weltbevölkerung und den prognostizierten Zuwachs zu ernähren. Leider sind die Mittel, welche die Agrarindustrie dafür benutzt, höchst unökologisch. Aber eine nachhaltige Landwirtschaft könnte sogar höhere Ernten und besseres Essen produzieren als die multinationalen Konzerne, so beschrieben im neuerschienenen Buch „Eating Tomorrow“ des Agrarexperten Timothy A. Wise.

Jene, die Überbevölkerung als die größte Gefahr für unsere Umwelt ansehen, machen zwei schwere Fehler. Zum einen ignorieren sie, dass Bevölkerungszahl und Geburtenrate vom sozialen Kontext abhängen – nicht von einem biologischen Instinkt, immer mehr Kinder zu machen. Auf der anderen Seite ignorieren sie die reale Gefahr – ein ökonomisches System, welches Profit priorisiert.

Vorraussichtlich wird die Weltbevölkerung bis 2050 auf 9 bis 11 Milliarden Menschen anwachsen, um anschließend aller Wahrscheinlichkeit nach zu stagnieren. So gut wie alle diese Menschen werden vom System ausgebeutete arme Arbeiter sein. Und ohne radikale Maßnahmen gegen den Kapitalismus werden sie in einer Welt der Umweltkatastrophen leben. Wenn wir eine Welt aufbauen wollen, in der die Ressourcen rational den kollektiven Interessen entsprechend benutzt werden, dann sollten wir damit anfangen, in jedem dieser Individuen nicht ein Problem, sondern einen Verbündeten im Kampf für eine bessere Welt zu sehen.

Literatur:

Too Many People? Ian Angus and Simon Butler (Haymarket)
PeopleQuake Fred Pearce (Eden Project Books)
Population 10 Billion Danny Dorling (Constable)
Land and Labour Martin Empson (Bookmarks)

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Ein Kommentar

  • 1
    Avatar Habnix says:

    Sie ist gerade wegen der Profitmaximierung rational. Jetzt haben sie Angst das der Markt durch die Bevölkerungsreduktion kleiner wird und damit wird auch ihre Macht kleiner.

    “ 1. Der Kapitalismus hat kein Problem, er ist das Problem „