Anarchistische Einwanderungspolitik

16. Januar 2017 - 14:58 | | Gesellschaft | 1 Kommentare

Das als „Flüchtlingskrise“ bezeichnete Phänomen besteht aus zwei Teilen: Der tatsächlichen Zunahme der Kriegsflüchtlinge, die in der EU und Deutschland temporäres Asyl suchen, und der medialen Aufbereitung der anfallenden Begleitumstände.

Während nationalistische Milieus und insbesondere diejenigen „alternativen Medien“, die sich in rechtsextremer Hand befinden, aus allen Rohren Falschmeldungen katastrophischer und verhetzender Natur abfeuern, begleiten konservativ/bürgerlich firmierende Zeitschriften, Verlage, Blogs und Onlinedependenzen, mit manchmal nur ans hetzerische grenzenden, aber immer öfter tief im Bereich der Hetzkampagne zu verortenden Artikeln, wahlweise zur Ausgestaltung der weiteren Abschaffung des Asylrechtes. Trotz nachweislich nicht gestiegener Kriminalitätsquoten,  befeuern sie die Diskussion um innere Sicherheit, zur mutmaßlichen oder in Einzelfällen zumindest noch in Untersuchung befindlichen Überlappung der Migration und terroristischer Gefährdung, radikalisiertem Islam und ähnlichem.

Aber ginge es besser? Eine Erörterung und eine Frage unter Freunden.

Ein türkischstämmiger Freund fragte mich gerade: Wie siehst du eine bessere Einwanderungspolitik bei uns, hast du da Ideen oder Vorstellungen, auch wenn du kein Parteimitglied bist?

Na Logo. Ohne bessere Vorstellungen wirst du (doch) nicht Anarcho. Wenn ich mal vom Bestehenden ausgehe: Ein Staat, mit einer Bürgerschaft, aber mit weltweitem Wirtschafts- und wohl auch weltweitem Militäreinfluss zieht wegen seiner Sicherheit und Größe Menschen aus Regionen an, die auch deutscher Wirtschafts- und Export- und Militäreinfluss so unsicher/hoffnungslos arm gemacht hat.

Nun, im Prinzip gälte: Funktionierende Systeme menschlicher Zusammenarbeit werden umso stärker, je mehr Mitglieder sie beinhalten.

Allerdings ist es eine echte AUFGABE, Integration über die vielen möglichen Hemmnisse hinweg zu erreichen, und es ist ein ekliges Gezerre im Gang, was Integration ist:

Friedlich hier zu leben lernen oder Bücklinge vor einer beschmierten „Leitkultur“ machen zu müssen, die schon der Coke-Weihnachtsmann, das aus zig Religionen unter Nutzung zig alter Kultstätten und zig heidnischer Rituale zusammengezimmerte „deutsche“ Christentum oder das Verhalten eines „Kulturdeutschen” bei 0,8 Promille ad absurdum führen können?

Aufgaben erfordern kein solches Geseier, sondern Mittel.

Deren angemessenen Einsatz vermisse ich z.B. vollkommen. Ein paar Scheißbanken Reicher machen und solang sie freiwillig nicht zocken „sichern“ geht, hunderttausende Menschen temporär aufnehmen nicht? Es ist hier so:

Kein Problem, wie viel hundert Milliarden werden gebraucht, diese Unternehmen, die und deren Profit ein paar Dutzend Menschen gehören, vollzustopfen?

versus

Eine Million Menschen unter Dächer, in irgendein Auskommen oder zumindest erstmal bis die Kriegssituation vorbei ist in eine Versorgung bekommen? Da müssten wir bestimmt den Sozialhaushalt/den Mindestlohn/ die Renten beschneiden! Lasst sie im November in schlammigen Zeltstädten sitzen, wo wir ihnen dann vorwerfen, depressions-oder frustrationsbedingt aggressiv oder kriminell oder islamistisch agitiert zu werden, wenns bei einzelnen auffällt und blöd läuft.

Registriert die Menschen wenn möglich schon im Zug.

Fragt sie, was sie sich vorstellen können, an sozialer Arbeit zu leisten. Oder an Infrastrukturwartungsarbeit.

Zu diesem Zweck habt ÜbersetzerInnen genug, wichtig das.

Fragt sie, was sie an Wohnung brauchen, und ob sie mit wem anderen aus der Gruppe, die da zusammen flieht, leben möchten. Und dann:

Karrt die MaklerInnen der Großräume ran, bestellt passend DAFÜR Unterbringung.

Macht dabei politisch mal ernsthaft klar, daß sowas bzw. das, was sie zum Leben brauchen, auch den Deutschen zuzustehen HAT, die potentiell Ziel der Rechtsextremen, weil nämlich verarmt genug sind, sich mit dem beschriebenen „Argument“ von CDU bis SPD (Sozialhaushalt/den Mindestlohn/ die Renten beschneiden „wegen der Flüchtlinge“) spalten und gegen MigrantInnen aufwiegeln zu lassen.

Und: Stellt transparentestens dar, was Sache ist: Daß die meisten Flüchtlinge dasselbe wollen wie alle SoldatInnen gemäß ‘nem guten alten Liedermacherlied: Nach Hause.

Ich meinerseits muss bald ins Bett… Ich hoffe es ist klar geworden, wo sich logische und vor allem STARKE linke Angriffspunkte gegenüber dem rechtsextremen Gehetz, dem Fearmongering und dem unwürdigen Getändel tragender Etablierter mit dem Faschismus ergäben, und wie man den Menschen, die fliehen müssen UND ihren GastgeberInnen helfen könnte, wie es sich gehört.

– und FUCKING VENCEREMOS. Thx für die Inspiration dazu, das nochmal zusammenzuschreiben, Cengiz Doman.

Ein Artikel von Peter Jüriens.

Photo by Free Grunge Textures – www.freestock.ca

Über den Autor

Ein Kommentar

  • 1
    andreas says:

    Das Ziel sollte sein offene Grenzen weltweit, free movement for everybody . Diese Forderung muß viel intensiver und öfter gestellt werden, damit dieser Gedankengang erst einmal in die Köpfe der Menschen gelangt. Daß das natürlich auch mit vernünftigen Lebensbedingungen und gleichmäßigeren Verteilung des Wohlstands für alle Bürger der Erde zusammenhängt ergibt sich von selbst. Alle anderen bisherigen Diskussionen sind nur ein herumdoktern an unseren jetzigen destruktiven System.
    Sogar die Nationalisten könnten mit offenen Grenzen weiter bestehen, solange sie sich an die grundsätzlichen Regeln (wie z.B. Artikel 1 des deutschen Grundgesetzes) halten.
    Ich denke die Intelligenz in den verschiedenen Nationen und Kulturen hat in den Letzten 50 Jahren genug Zeit gehabt, über eine funktionierende alternative zum Kapitalismus zu diskutieren. Jedenfalls ist es mittlerweile mehr als notwendig endlich mal anzufangen eine menschenwürdige Welt zu entwerfen und einzufordern.
    Eine? oder zwei? Milliarden hungernde,leidende,sterbende Menschen zur Zeit ist irgendwie nicht mehr aktzeptierbar. Oder doch?