Mietwahnsinn oder der Wunsch zu überleben

30. September 2018 - 12:00 | | Gesellschaft | 1 Kommentare

Wie war das noch gleich, damals 1919, mit der Zusicherung und dem Staatsziel: „Jedem eine gesunde Wohnung“ zu geben? – Heute, knappe 100 Jahre später, ist kaum etwas davon übrig geblieben.

Vom ‚Recht auf Wohnen‘ kann spätestens 2018 keine Rede mehr sein. Recht haben und Recht kriegen waren schon immer zweierlei Dinge. Was inzwischen passiert und Standard ist, kann nur noch als blanker Wahnsinn bezeichnet werden.

Einst international gefordert und angestrebt, ist die Umsetzung dieses Rechts zügellos gescheitert.

Der Lebensstandard völlig herunter geschraubt, auch in Bereichen wie Arbeit, Gesundheitswesen u.v.m.

Darüber helfen vermeintliche Fortschritte wie Digitalisierung – die in Deutschland auch nur schleppend erfolgt – nicht wirklich hinweg. Die Bespaßungsgesellschaft wird so auch nicht mehr lange weiter existieren können. Brot und Spiele, selbst Zuckerbrot und Peitsche können niemals ewig Bestand haben. Erfahren hatte dies u.a. schon das große, seinerzeit moderne und immer fortschrittliche Römische Reich.
Es gibt noch mehr und wesentlich wichtigere, essenzielle Dinge im Leben, außer Konsum, Betäubung und Kitsch. Dinge, die nicht ewig beschwichtigt, bei denen nicht ewig vertröstet und vorgetäuscht werden kann. Bei denen man nicht mehr lange verdecken kann, was unter dem Glanz marode bröckelt.

Hierzu gehört natürlich auch die Geborgenheit und Sicherheit eines eigenen Zuhauses.

Will man heute seinen Wohnort wechseln, in eine andere und möglicherweise weit entfernte Stadt ziehen, ist es an für sich schon schwierig und umständlich genug. Egal, ob man reich oder arm ist, ob Arbeiter, Angestellter oder Student. Egal ob man Rentner, oder arbeitslos ist. Es bedeutet jedes Mal unheimlich viel Stress und Aufwand, Nerven werden zerrieben.

Doch bereits vor dem eventuellen Wohnungswechsel geschehen Dinge, die gar nicht passieren sollten oder passieren müssten. Manches wird einem abverlangt, was gar nicht sein dürfte.

Der Nervenkitzel fängt schon bei der Wohnungssuche an. Vertieft sich immer mehr in den oftmals abartigen bis unmenschlichen Bedingungen und Konditionen, wie bspw. zu hohe u. wucherartige Mieten und Schufa-Auskünfte, einhergehend mit der Entblößung des eigenen Privatlebens, was meistens viel zu weit geht und viel zu intim werden kann. Gesetze hierzu bzw. dagegen und zum Schutz der Mieter gibt es nicht.

Die wenigen Ansätze hierzu sind bisher wirkungslos und unbedeutend. Selbst die angeblich offensive Mietpreisbremse ist bekanntlich der reinste Witz.

Als Mieter hat man heute buchstäblich gelitten… Die Vermieter hingegen werden gefühlter Maßen fast täglich bestärkt und gestützt von Politik und Gesetzgeber. Eine feine Lobby, die hier zum Tragen kommt.

Ist das gerecht? – Wohl kaum.

Aber die inhumane Wohnungsnot landesweit begünstigt zusätzlich das oft willkürliche Treiben von Vermietern und Maklern. Wohnungen, in denen Menschen leben sollten dienen nur noch als Geldanlage für den Vermieter, um selber nicht mehr arbeiten zu müssen, oder einmal mehr im Jahr in Urlaub fahren zu können.

Mal ganz abgesehen von den Miethaien, die dann nicht mal ihren gesetzlich durch das Mietrecht aufgetragenen Verpflichtungen nachkommen. Miete mindern ist kein wirkungsvoller Schutz, mehr bleibt aber nicht. Zumal es nicht immer zulässig ist und man zu schnell die Sachlage überschätzt, wodurch Schulden entstehen und man rechtlich plötzlich selber mächtigen Ärger kriegen kann.

Ohne die meist teuren Mieterschutzverein wird man diese Option also kaum wagen können, und selbst diesen Vereinen sind die Hände beim Agieren oft gebunden. Somit ist ein wirksamer Schutz für Mieter faktisch kaum gegeben. Das gewisse Ausmaß an tatsächlichem Beistand beruhigt also eher nur die Seele, statt sich konsequente und tatkräftige Auswirkung zeigen, die den Mieter vollständig absichern.

Die Politik redet ständig von Verschärfungen und Verbesserungen in Sachen Mietpreisen und Mieterrechten.

Wäre die Mietpreisbremse tatsächlich mal eine wirkliche Bremse, bliebe dennoch eine kontinuierliche Steigerung der Mieten. Denn die Miete würde weiter erhöht werden, wenn auch nicht mehr so rasant.

Gepaart mit den niedrigen Einkommen und Amtszuschüssen heutiger Zeit, bedeutet dies aber bloß, dass die Negativauswirkungen nicht mehr ganz so heftig wären. Man würde weiterhin umgangssprachlich alleine für die Miete/Wohnung arbeiten gehen. Zumindest in den unteren Rängen, nämlich niedrig bezahlter Arbeitsverhältnisse.

Statt einer Mietpreisbremse, welche sowieso kaum brauchbare, positive Auswirkung hat, müsste es eher schon einen regelrechten Rückläufer geben. Sprich die Vermieter müssen dazu gebracht werden, die Mieten wieder auf ein humanes und bezahlbares Niveau runter bzw. zurück zu schrauben.

Sämtliche anderen Vorhaben wären zu lasch und zu wirkungslos. Wohnungen sind Lebensräume und keine Spekulations- oder Geschäftsobjekte, keine Geldquellen.

Es sollte außerdem verboten werden, strafbar sein, dass Vermieter intime Fragen stellen dürfen, und Informationen wie etwa über die finanzielle Liquidität einholen. Was geht es sie überhaupt an, jedenfalls so detailreich? Sogenannte Mietnomaden findet man auch unter Menschen mit festem Einkommen.

Man könnte zudem eine staatliche Einrichtung erschaffen, die eine Art von Liquiditätsbescheinigung für die Mieter ausstellt, ohne dabei private Dinge über sie preis zu geben. Unentgeltlich versteht sich.

Arbeitslose haben es logischerweise viel schwerer eine Wohnung zu kriegen, selbst wenn sie von Jobcenter oder Sozialamt die Mietkosten übernommen bekommen. Auch aufgrund des Stigmas, basierend auf Vorurteilen. Daher darf es einfach nicht sein, dass man diesen Menschen die Chancen verschlechtert oder verwehrt, eine geeignete Wohnung zu finden, indem man sie ans Messer liefert. Genau das ist es nämlich, wenn Vermieter intime Fragen über bspw. Arbeitsverhältnisse, Einkommen und dergleichen stellen dürfen.

Es dürfte eigentlich auch keinen Vermieter etwas angehen, ob man Raucher ist. Denn von geltendem Mietrecht ausgehend kann kein Vermieter seinen Mietern verbieten, in der gemieteten Wohnung zu rauchen.

Gleiches gilt in diversen Fällen der Tierhaltung, u.v.m.. Somit haben Vermieter nicht nur einerseits zu viele Rechte gegenüber den Mietern, sie nehmen sich auch noch ungehindert und ungestraft Dinge heraus, die ein absolutes No-Go sind. Alleine schon auf moralischer Ebene.

Von etwaigen Missständen, wie der Tatsache, dass Menschen eine Wohnung verwehrt kriegen, da sie die falsche Hautfarbe oder einen „undeutschen“ Nachnamen haben, oder der mutmaßlich falschen Religion angehören, fangen wir hier mal lieber nicht an.

Auch ist es ein schieres Verbrechen, wenn Mieter aus ihren Wohnungen verdrängt, hinaus geekelt und wegspekuliert werden. Justitia ist hier meist wahrlich blind…aber gewiss nicht, weil sie jeden vor dem Gesetz ohne Vorurteile und gleich behandeln will. Vermieter haben einfach zu viele Rechte u. zusätzlich auch noch massenhafte Schlupflöcher!

Für die Politik gäbe es in Sachen Mieter-Rechte zwingend einiges nachzuholen und aufzubessern.

Und zwar wirklich mal aktiv und wirksam aufzubessern, nicht läppisch und in zurückhaltender Weise, wie bspw. bis jetzt mit der gerühmten Mietpreisbremse geschehen, deren neuere „Verschärfung“ auch wieder nur Spott und Hohn gleicht.

Das manche Vermieter und Wohngenossenschaften meinen, z.B. eine Zimmerwohnung von gerade mal 13qm habe noch etwas menschenwürdiges, lässt tief blicken in deren Vorstellungswelt und Gleichgültigkeit. Dennoch werden die Vermieter von der Politik regelrecht verhätschelt, mit Zugeständnissen überhäuft und bevorzugt – oder anders ausgedrückt: als Wähler gewonnen.

Eine Bevorzugung von Studenten dürfte es auch nicht geben, genau so wenig wie eine Benachteiligung. Gleiche Chancen für alle sollte es geben! Auch ganz ohne Bürgschaften und manch andere Dreistigkeit, die einem die Vermieter unbescholten abverlangen, weil sie die freie Hand dazu haben.

Ebenfalls darf es keine Grundvoraussetzungen eines bestimmten Einkommens oder ähnliches geben. Sofern ein potentieller Mieter die Mietkosten gänzlich erbringen kann, geht der Rest die Vermieter eigentlich nichts an. Wozu auch?

Eine Großzahl von Menschen landet auf der Straße durch die gesamten Zustände, die den Wohnungsmarkt betreffen – allem voran wegen der zu teuren Mieten. Sie kommen, erst mal auf der Straße gelandet, fast gar nicht mehr in ein normales Lebensverhältnis zurück, verlieren vielleicht auch noch in Folge ihre Arbeit, was dann beinahe das totale Aus für die Existenz ist.

Sich hierbei auf Ämter und wahrscheinliche, staatliche Zuschüsse zu verlassen kann tödlich sein.  Teufelskreise aus Drogensucht und anderen Abhängigkeiten bilden ein anderes, eigenes Thema, spielen dabei aber eine gewisse, nicht zu unterschätzende Rolle – mit Auswirkung auf die gesamte Gesellschaft.

Die Politik sollte endlich wieder anfangen sozialen Wohnungsbau zu fördern bzw. zu veranlassen, statt die Miethaie, ihre Lobbyfreunde, zu stärken und zu liebkosen. Über kurz oder lang führt das allgemein skrupellose Verhalten von Miethaien und Politik bloß wieder zu neuen Unruhen, wie sie bisher vorerst noch ausblieben. Da helfen dann möglicherweise auch neue Polizeigesetze nichts mehr, wie sie nun überall aus dem Boden zu sprießen beginnen. Diese Gesetze haben ganz klar jetzt schon das Ziel, mögliche Aufstände – auch aus humanitären Gründen entstanden – zu zerschlagen und niederzuhalten.

Die Häuserkämpfe vergangener Jahrzehnte, welche hierunter fallen, werden mit Sicherheit wieder rasant aufleben und starken Zulauf kriegen, wenn die Politik nicht endlich etwas Durchgreifendes gegen den geradezu fatal unmenschlichen Wohnungsmarkt und dessen Rahmenbedingungen unternimmt, und gleichermaßen Vermieter endlich in die Schranken weist.

Menschen müssen wieder menschlich behandelt werden und Lebensräume/Wohnungen dürfen keine Finanzobjekte mehr sein.

Ein Beitrag von Denis, Wohnungraumaktivist

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Ein Kommentar

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    Michi says:

    Hinzuzufügen ist: Vermieter/innen sollten dazu verpflichtet sein, Renovierungen schnellstmöglich durchzuführen,auch nur solche,die nötig sind.Leerstehenden Wohnraum darf es nicht geben.Mein Vermieter hat in sämtlichen seiner Immobilien eine Wohnung leer stehen, um dort Gartengeräte u. Werkzeug zu lagern. Mehrere Immobilien oder Wohnsitze benötigt m.E. niemand. Brauchen Vermieter/innen wirklich drei Monate Kündigungsfrist? . . Sicher nicht.
    Auch sollte man mit Wohnungen verbundenes, wie Internetverträge bedenken. Aus den 2Jahres Knebelverträgen kommt man nicht so schnell heraus, was bei Umzügen zu einem Problem werden kann(teuer wird das).Gehört daher auch abgeschafft
    Ansonst volle Zustimmung zum Artikel!