#1 – In 100 Schritten zum Gutmensch

13. Januar 2015 - 12:44 | | Gesellschaft | 7 Kommentare
© Felix Korda

Gutmenschen können ganz schön nervig sein. Anstatt egozentrisch daherzureden oder sich einfach einer Einschätzung zu entziehen,  versuchen sie einen altruitstischen Lebenstil zu leben. Aber was interessiert es denn, wem es in Bangladesch schlecht geht, weil wir hier einen Schal kaufen oder warum ganze Ökosysteme zusammenbrechen und Sozialghettos entstehen, wenn wir billige Shrimps im Aldi kaufen? Solange es uns hier gut geht, ist doch alles in Ordnung. Und seht euch doch mal um, wir haben doch alles! Der Natur geht´s schlecht? Ach Quatsch, wenn ich mit meinen Hund im Park spazieren gehe sieht alles ganz normal aus. Alles nur Schwarzmalerei! Scheiss Gutmenschentum! Die Hippies sollen uns mal alle in Ruhe lassen!

Na, kennt der ein oder andere solche Phrasen oder erkennt gar sich selbst? Sogenannte Gutmenschen dienen oftmals als einfache Zielscheibe und haben einen verdammt schweren Stand in unserer Gesellschaft. Genau deshalb gibt niemand freiwillig zu ein solcher zu sein, doch ich plädiere dafür, den Gutmenschen wieder seine (positive) Bedeutung zurückzugeben und ihn ins Rampenlicht zu rücken.

Wir brauchen das Gutmenschentum so dringend – die Bevölkerung der Welt wächst stetig, die Ressourcen schwinden rasant, Lebensräume der Tiere werden kleiner, die Meere dreckiger und immer saurer – der Planet wärmer.  Alles ganz normal? Nicht ganz, denn Anzeichen wie Kohlenstoffdioxidgehalt, Aussterberate und Temperatur sind ähnlich den Bedingungen, die es vor den vergangenen fünf Massenaussterben gab. In Zeiten, in denen wir Tiere als schiere Objekte betrachten und das in der Gesellschaft alles „ ganz normal“ ist, wo wir die Natur dominieren, anstatt mit ihr im Einklang zu leben, wo Ausländer als Sündenböcke herhalten müssen und fast 20.000 PEGIDA Anhänger zusammenkommen, um Ausländerfeindlichkeit und Intoleranz zu propagieren wird das Gutmenschentum mehr gebraucht denn je. Wir in den reichen Nationen tragen eine besondere Verantwortung gegenüber anderen – oder hat einer von uns etwas besonderes dafür getan, um hier geboren zu werden?

Entscheidet ihr euch also auch etwas zurückzugeben und dass euch „nicht alles egal“ ist, findet ihr in den nächsten Monaten hier eine ausführliche Anleitung zum Gutmenschentum. Doch seid gewarnt, befolgt ihr die 100 Schritte Woche für Woche, könnte es sein, dass man euch am Ende auch als Gutmenschen beschimpft!

Schritt 1 von 100 – Vier Tage die Woche ohne Fleisch

Vier Tage die Woche fleischfrei – schaffbar?

Ernsthaft? Was für viele einen Weltuntergang gleicht ist in Wahrheit nicht so schwer, wie allgemein angenommen. Auch wenn ihr Fleisch liebt und es täglich esst, könntet ihr mal probeweisen vier Wochen lang  jeweils vier Tage die Woche tierlos leben. Es gibt unzählige Blogs und Seiten, wo ihr Tipps ohne Ende findet und die euch den Einstieg erleichtern. Vielleicht fragt ihr euch was das Ganze soll, warum die generelle Reduzierung von Fleischkonsum so wichtig ist?

Die Herstellung der „tierischen Ware“ zieht einen unglaublich langen Rattenschwanz nach sich. Unfassbare Mengen an Wasser und pflanzlichen Futter (insbesondere Gen-manipuliertes Soja aus USA, Brazilien und Argentinien) werden verbraucht und genauso astronomische Mengen an Methan, ein ca. 20 mal stärkeres Treibhausgas als Kohlenstoffdioxid werden freigesetzt durch das Pupsen und Rülpsen der Tiere. Die industrielle Massentierhaltung trägt mehr zur globalen Erwärmung bei, als der gesamte Transportsektor, also Schiffe, Züge, Autos und Flugzeuge zusammen! Hinzu kommt der unglaubliche Nährstoffeintrag in die Böden bestehend aus den Exkrementen der Tiere und in vielen Fällen aus Medikamenten, Hormonen, Herbiziden, Fungiziden und je nach Tierzucht vielen weiteren chemischen Stoffen. Wie man es dreht und wendet, die Nettobilanz der industriellen Tierzucht ist und bleibt negativ. Eine wichtige Aufgabe eines Gutmenschen besteht daher darin, seinen eigenen Konsum zu senken. Damit ist schon viel geholfen, nicht nur die Umwelt und sogenannte Entwicklungsländer werden es uns danken sondern auch kommende Generationen hier in Europa. Denn wir in Industrienationen haben die Wahl – unser Überleben ist nicht abhängig vom Fleischkonsum!

Probierts aus, werdet ein Gutmensch! Über Erfahrungsberichte in den Kommentaren würde ich mich freuen! Es lebe das Gutmenschentum!

Über den Autor

Tom ist angehender Meeresökologe, leidenschaftlicher Fotograf und Tierschützer. Momentan lebt er auf den Fidschi-Inseln und forscht an Aufzuchtsgebieten von Hammerhaien. Besonders die Ozeane liegen ihm am Herzen und sind Gegenstand vieler seiner Beiträge. Neben den Artikeln für die freiheitsliebe schreibt er auf seinen eigenen Blog livingdreams.tv und ihr findet ihn bei facebook, twitter und instagram.

7 Kommentare

  • 1
    Abdulaleem Malik sagt:

    Allahuakbar,

    Vielen Dank für diesen lehrreichen Artikel
    Ich würde gerne etwas Interessantes mit euch teilen einen 1A Vortrag über den kritischen Zustand unserer Erde.
    https://www.youtube.com/watch?v=TizXSaFeM7c

    It was narrated that Abu Dharr said:
    „I heard the Messenger of Allah say: ‚Everyone in the universe, in the heavens and on earth, prays for forgiveness for the scholar, even the fish in the sea.“

    Selbst die Fische im Meer beten für uns, doch dies wird nicht mehr lange anhalten wenn wir die Meere über/entfischen um unser Ego zu fütter.

  • 2
    Hinterfrager sagt:

    Hi. Seit dem ich das Erste Mal die Doku Earthlings gesehen habe, heulte ich echt Rotz und Wasser. ich total geschockt, was mit den Tieren passiert. Also, die Doku ist nicht für Kinder geeignet und auch nicht für schwache Nerven, das erstmal vorweg.
    Es war ein langer Prozess, bis ich den Entschluss fasste alle 7 bis 10 Tage 1 Mal Fleisch zu essen, also 3 bis 4 Mal im Monat. Weiterhin merkte ich, dass es mir nach normalem Fleischkonsum gar nicht gut ging, so dass ich auf Bio Fleisch umgstieg. Ich merke den Unterschied immens, denn mir wird nicht mehr übel vom gekochten Fleisch Geruch, ich habe mehr Kraft bekommen und bin viel Vitaler als vorher. Ich kann es empfehlen und ihr tut nicht nur euch damit einen Gefallen, nein, nämlich auch der Tierwelt 🙂

    • 2.1
      Tom Vierus sagt:

      Hallo Hinterfrager,

      Danke für deinen Beitrag! Auch ich habe schon mehrmals Earthlings gesehen und sehe ihn als einen sehr wichtigen Film an. Allerdings denke ich, dass jeder der Fleisch konsumiert, diesen Film sehen sollte, denn das sind wir den Tieren und uns selbst schuldig. Ich würde sogar vorschlagen, ihn in Schulen zu zeigen, vielleicht bei Jugendlichen ab 12 oder 14. Warum weiterhin der nachwachsenden Jugend vorgaukeln, nur „glückliche Kühe“ stehen auf unseren Weiden und Massentierbetriebe existieren nicht? Ich denke ein solcher Ansatz wird unweigerlich zu großen Schwierigkeiten führen (wenn sie nicht schon da sind) im Umweltbereich, sowie im gesundheitlichen und sozialen Umfeld.

      Ich selbst lebe zum größten Teil vegan, fühle mich gesund und war lange nicht mehr krank. Natürlich sollte man jeden die Freiheit lassen, sich ernähren zu wollen, wie man möchte, aber jeder der Fleisch isst, sollte auch wissen, wie lang in vielen Fällen der Rattenschwanz ist, der an vielen Produkten hängt. Den Konsum runterfahren, wie du es gemacht hast, ist denke ich ein sehr guter Schritt!

      Grüße, Tom

      • 2.1.1
        Abdulaleem Malik sagt:

        Da kann ich dir nur recht geben, wer freiwilig Fleisch konsumieren möchte der sollte sich zumindest einmal im Leben eigenhändig mit der Schlachtung seiner Mahlzeit befassen.

        Da ich selbst Hühner im Garten halte und züchte, ist mir bewusst wie es sich anfühlt selbst zu schlachten. Garantiere ich jedem der selbst schlachtet oder zumindest daran durch Präsenz teilnimmt, das er/sie sein/ihr Fleisch-Konsumverhalten beenden oder wenn nicht radikal ändern wird.
        Falls dies nicht der Fall ist, so ist dass Herz des Konsumenten schon tot.

  • 3

    […] zurück. Vor einigen Wochen hieß der ersten Schritt noch “Schritt 1 von 100 – Vier Tage die Woche ohne Fleisch“. In der folgenden Woche ging es um ein plastikärmeres Konsumverhalten und im dritten Teil […]