Ungarn schafft sich ab

24. Juni 2015 - 11:59 | | Balkan21 | 11 Kommentare

Die ungarische Regierung, unter der Führung Viktor Orbáns, hat jeden Flüchtlingskonsens der EU aufgekündigt. Geflüchtete sollen nun sofort und schnell abgeschoben werden, das Dublin-Verfahren ausgesetzt und ein 175 Kilometer langer Grenzzaun an der Grenze zu Serbien installiert werden.

Ungarn hat genau einen Nachbarstaat, der nicht zur EU gehört: Serbien. Und über diese Grenze soll ein nie aufhörender Strom an Geflüchteten über das arme, kleine Ungarn hereinbrechen. Was für ein Schwachsinn. Ungarn, allen voran die rechtsextreme Jobbik Partei, machen seit Monaten Stimmung gegen Minderheiten und Geflüchtete. Mit „Bürgerwehren“ patrouilliert die zweitstärkste Kraft des Landes umher und verbreitet Angst und Schrecken.

Von gerade einmal 44.000 Asylanträgen 2013, genehmigte die Budapester Regierung ledidglich 550. 550 Asylanträge, in einem Land mit 10 Millionen EinwohnerInnen! Unfassbar, wenn man bedenkt, dass es heute weltweit so viele Geflüchtete gibt wie seit 1945 nicht mehr. Selbst wenn Europa fast alle 60 Millionen Geflüchteten der Welt aufnehmen würde, wären das immer noch weniger als 10 Prozent der Bevölkerung auf dem Kontinent.

Kapazitäten nur für 3.000 Geflüchtete?

Regierungssprecher Zoltán Kovács erklärte in einem Gespräch in Wien, Ungarn würde keine Geflüchteten nach Dublin III Verfahren zurücknehmen, das Land stehe aufgrund der Geflüchteten am Rande einer Katastrophe. Daher hat Ungarn seine EU-Nachbarländer darüber in Kenntnis gesetzt, keine Geflüchteten mehr aufzunehmen, die zwar in Ungarn einen Asylantrag gestellt haben, inzwischen jedoch das Land in andere EU-Staaten verlassen hätten.

Ungarn habe nur Kapazitäten für 3.000 Geflüchtete, so der Sprecher der Fidesz Regierung. Das sind ca. so viele Geflüchtete, wie die Stadt Essen im Jahr 2015 beherbergen wird. Also nichts als eine billige Ausrede, um die Hetze gegen Geflüchteten im Land zu rechtfertigen.

Rechtspopulismus nicht nur in der Jobbik

Doch es ist nicht die Jobbik Partei, die die rechtsextreme Politik umsetzt, die in ihrem Programm festgeschrieben ist. Es ist die Fidesz. Jene Partei, die im Europaparlament in derselben Fraktion wie die CDU sitzt.  Es ist eine Bankroterklärung für die EU, nicht die erste und nicht die letzte. Denn die Politik Ungarns ist nur der Wurmschanz dessen, was kapitalistische Außen- und Asylpolitik ausmacht: Nur was nützlich ist darf rein, nur was Geld bringt macht Sinn.

Über den Autor

Bundessprecher der linksjugend ['solid] und Wortakrobat für die Freiheitsliebe, Balkan21 und andere Medien.
Ihr findet mich auf: Twitter Facebook

11 Kommentare

  • 1
    Bidu sagt:

    Orban schliesst die Grenzen für Asylanten: Die politische Agenda für Europa ist Aufnahme aller Flüchtlinge mit der Begründung der Menschlichkeit. Die Konsequenz ist die Assimilierung im grossen Stil für fremde Kulturen in Europa. Einer Aufnahme in Not ist nichts entgegen zu setzen. Jedoch fehlen der Schutz unserer gewachsenen Kulturen. Dies ist nur möglich, wenn unsere vorübergehenden Gäste eine Zukunft in ihrer Kultur haben. Und wie schafft man das? Indem man Waffen verkauft, Milliardenkonten der Despoten und Oligarchen jener Länder auf unseren Banken gehortet werden, Rechtsverstösse grosszügig und kapitallojal übersieht, unsere Globalplayer das Volk der Flüchtlinge nach Strich und Faden betrügt, unsere Geschichtsbücher Lug und Trug beinhalten und wir in unserer Amnesie glauben, dass eine Durchmischung möglichst vieler Ethnien doch interessant und lehrreich sei und wir unseren Konsum nicht hinterfragen. Nichts gegen andere Kulturen. Im Gegenteil, interessiert und empathisch zugleich gibt das einen weiten Horizont und viele Anregungen im Leben. Das ist aber problematisch, wenn im Kindergarten 90% unterschiedliche Ethnien vertreten sind. Es ist problematisch, wenn man keine Wahl mehr hat. Es ist problematisch, wenn die eigene Kultur hinten anstehen muss. Es ist problematisch, wenn an der Wahlurne die eigene Kultur in die Minderheit absinkt. Ich finde, dass das Flüchtlingsdrama nicht gelöst wird, indem man allen Tür und Tor öffnet. Ich gehe auch nicht den Boden aufziehen, wenn hinter mir ein Rohrbruch besteht. Das Argument: „Besser als Nichts“ zögert nur das Problem hinaus. Wie bei einem Junkie dem man Geld für ein Mittagessen gibt. Und hier kommt sogleich die Frage nach der Grösse der Not. Ein Dilemma! Wir haben es verpasst, auch in der Vergangenheit die richtigen Leute in die Politik zu wählen. Wir haben es verpasst, unseren Konsum auf soziale Nachhaltigkeit zu prüfen. Wir haben es verpasst, dort hinzuschauen wo es uns wehtut. Feige? Aber jetzt mit dem Finger auf Orban zeigen, das können wir.

  • 2
    rote_pille sagt:

    tja, in ungarn hat die NWO nichts zu melden. wenigstens ein land, das sich retten konnte. ich würde die illegalen auch alle einsammeln und rauswerfen, die paar promille wirklich verfolgter haben dann halt pech gehabt. diese leute und ihre kultur brauchen wir hier einfach nicht.

  • 3
    kibic sagt:

    Nomen est omen. Der Autor „Kerekes“ vom Balkan hat ein Rädchen, aber es sitzt auch locker.

  • 4
    ztr sagt:

    Wenn man sich die riesige (und heute absolut unbegründete) Flut der Kosovo-Albaner gen Europa in den letzten Monaten anschaut, gebe ich Orban absolut Recht. DIESE will er nicht haben, genauso wenig wie die ganzen nordafrikanischen, Syrischen etc. Jihadisten, die sich als Flüchtlinge tarnen.

  • 5
    Kruxdie26 sagt:

    Eine gesunde und natürliche Einstellung in Ungarn, die auch uns und dem übrigen Europa guttun würde.

  • 6
    Noli sagt:

    „Ungarn schafft sich ab“???

    Ich würde eher sagen, Ungarn erhält sich selbst.

  • 7
    Paul Söderboom sagt:

    Man kann die Ungarn nur unterstützen in ihrem Vorgehen . Sie wollen nicht untergehen in einer Flüchtlingsflut. Die Ungarn sind ein sehr stolzes Volk und vor Allem :Sie wollen UNGARN bleiben .Das ist ihr verdammtes Recht . Dieses Recht will der Artikel den Ungarn absprechen .Als Deutscher freue ich mich jeden Tag darüber, daß es diese UNGARN noch gibt .
    Es lebe das ungarische Volk . Bin gespannt ob Sie das Format haben , diesen Kommentar zu veröffentlichen .

  • 8
    krass sagt:

    Hier die eigentliche Antwort, warum die Mauer gebaut wird:

    http://www.tagesschau.de/ausland/kosovo-fluechtlinge-101.html

  • 9
    Serafin sagt:

    Ich schlage dem Author vor sich umfassend zu informieren, (nicht „informieren lassen“) und mit allen Betroffenen zu reden. Das würde ihn bewahren, solche kranken Hirnergüsse abzusondern. Ungarn schafft sich ab?! Was macht dann Spanien in Nordafrika, wo die Migranten brutalst misshandelt werden?! Was macht Frankreich, wo Migranten mit Schlagstöcken und Tränengas „behandelt“ werden?! Ähnliche Bilder gibt es aus Ungarn nicht. Es gibt aber die Bilder von illegalen Migranten, die zu Hunderten kommen, jeden einzelnen Tag, seit Monaten. Die EU hat Italien und Griechenland mit 160 Millionen € unterstützt, Ungarn mit 1,5 Millionen, obwohl die Anzahl der Flüchtlinge sich in den vergangenen 2 Jahren mindestens verzwanzigfacht hat. Herr Kerekeš ist noch jung, muss noch sehr viel lernen. Z.B. dass man nicht alles glauben muss, was ihm von seinen liberalen Freunden ins Ohr geflüstert wird. Insbesondere wären wir aber alle, sowohl in Ungarn als auch in der ganzen EU, gespannt auf die praktikablen Lösungsvorschläge der selben liberalen Gutmenschen, denn bis jetzt halten sie sich damit auffallend zurück. Hauptsache Orban-Bashing.

  • 10
    Echter Europäer sagt:

    Respekt!

    Die Ungarn haben 1989 die Zeichen der Zeit erkannt und 2014 wieder. Damals machte das Ende des Kommunismus Grenzzäune überflüssig, heute die zweite Völkerwanderung selbige wieder nötig.

    Die Zeit bleibt nicht stehen, bei uns sind zu viele geistig im Jahr 1968 verwurzelt. Ungarn reagiert flexibel auf Herausforderungen, das macht ein gesundes Staatswesen aus.

  • 11
    Tim1973 sagt:

    Wie bitte kann ein Land sich „abschaffen“, das sich auf seine Werte beruft und mit seinem Handeln sein Volk beschützt?
    Das ist doch ein Widerspruch!
    Ist das dem Autor aufgefallen?