Der Schwächste zahlt

30. Dezember 2015 - 17:00 | | Balkan21 | 0 Kommentare

Das serbische Staatsunternehmen Srbijagas hat eine Weihnachtsüberraschung für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: Anstelle eines Weihnachtsbonus müssen alle Angestellten ihre Boni aus dem Jahr 2015 zurückzahlen,zukünftige Zusatzleistungen sind gestrichen.

In Serbien steht das Weihnachtsfest kurz bevor: Dort feiern die Menschen noch nach dem Julianischen Kalender, bei dem Weihnachten am 7.Januar ist. Doch für die Angestellten von Srbijagas wird es kein schönes Weihnachten. Kurz vor Jahresende hat die staatliche Firma die Anweisung erhalten, alle Bonizahlungen einzustellen und bisher ausgezahlte zurückzufordern. Für viele Angestellten wir des ein Kampf um die Existenz.

Das Gehalt der Arbeiterinnen und Arbeiter von Srbijagas liegt zwischen 40.000 und 68.000 Dinar, also 333 und 566 Euro und damit im Rahmen bzw. leicht über dem Landesdurchschnitt. Bisher erhielten alle Angestellten einen Bonus von 500 Euro pro Jahr zum jeweiligen Geburtstag. Dieser wurde Bedingungslos gestrichen, wobei als Begründung angeführt wurde, dass keine Bonuszahlungen im Tarifvertrag vorgesehen seien und die Verluste, die dass Unternehmen in den letzten Jahren einfuhr, die Landesregierung zu solchen Maßnahmen zwängen.

Zusätzlich zu den Bonuszahlungen erhielten die Arbeiterinnen bisher einen Zinslosen Kredit, den sie mit 42 Euro monatlich abzahlen konnten. Durch die Bonusrückzahlung erhöht sich die Summe nun auf 130 Euro monatlich. Vor allem für Angestellte im unteren Verdienstsektor wird es schwierig, diese Summen zu bedienen. Schließlich sind 130 Euro fast ein Drittel ihres gesamten Einkommens. Aus den Gewerkschaften waren bisher keine Reaktionen zu vernehmen. Aufgrund der desolaten wirtschaftlichen Lage des Balkanlandes wird kein starker Widerstand erwartet.

Die Nationalkonservative Fortschrittspartei, die gemeinsam mit der sozialdemokratischen SPS die serbische Regierung stellt, kündigte für alle staatlichen Betriebe drastische Reformen an. Die Vize-Vorsitzende der Regierung, Zorana Mihajlovic, erklärte, dass entweder alle Direktoren und Manager der Unternehmen positive Bilanzen vorweisen müssten oder ihre Koffer packen dürfen. Die Bonusrückzahlung und Aussetzung für die Zukunft ist dabei wohl nur ein erster Schritt. Die serbische Gesellschaft kann sich darauf einstellen, dass dies nur eine von vielen Gehaltskürzungen war, weitere werden Folgen. Und die Zeche zahlt am Ende der, der sowieso am wenigsten hat.

Über den Autor

Bundessprecher der linksjugend ['solid] und Wortakrobat für die Freiheitsliebe, Balkan21 und andere Medien.
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