Jakarta sinkt: Opfer des Klimawandels

12. November 2019 - 12:00 | | Politik | 0 Kommentare

Jakarta ist eine der größten Städte der Welt. Für etwa 10 Millionen Menschen ist die Hauptstadt  von Indonesien ihr Zuhause. Die Stadt selbst umfasst 661 Quadratkilometer; ihre Metropolregion in der etwa 30 Millionen Einwohner leben, ist fast zehnmal größer.

Jakarta ertrinkt

Teile der Stadt sind in den letzten Jahren mehr als 4 Meter abgesunken. Überall in der Stadt sinkt der Boden mehrere Zentimeter pro Jahr. Die Überflutung ist außer Kontrolle.

Jakarta ist auf einem Flussdeltagebiet gebaut. Das immense Gewicht der Stadt und ihrer Bewohner lässt den Boden verdichten und sinken. Aufgrund der globalen Erwärmung steigt der Pegel der Javasee. Wegen der Erwärmung des Meeres haben sich die Niederschlagsmuster verändert und die Flüsse, die in Jakarta zusammenlaufen und ins Meer münden, überschwemmen regelmäßig ihre Ufer. Sturmfluten bedrohen den Hafen.

Jakarta ertrinkt teilweise in Salzwasser, weil es kein frisches Trinkwasser mehr gibt. Unaufhörliches Pumpen der Grundwasserreserven beschleunigt das Absinken des Bodens.

Anstatt mehrere Milliarden Dollar in einem verlorenen Kampf auszugeben, hat die indonesische Regierung angekündigt, dass sie Jakarta verlässt. Die neue Hauptstadt wird von der Insel Java nach Borneo verlegt.

Der Umzug wird im Laufe von 10 Jahren stattfinden. Die geplanten Kosten betragen 34 Milliarden US-Dollar aber das ist sicherlich eine zu niedrige Schätzung.

Borneo stellt ein eigenes Problem für die indonesische Regierung dar. Ungeregelte Forstwirtschaft zerstört die Regenwälder. Es gibt eine lange Geschichte von Unruhen unter den indigenen Bevölkerungsgruppen, die durch ein riesiges Wasserkraftprojekt aus ihrem traditionellen Wohngebiet vertrieben wurden.

Wenn es keine gründliche Systemwechsel gibt, der das Profitstreben als Motor der Wirtschaft eliminiert, wird der Umzug nur die Katastrophe an anderer Stelle neuschaffen.

Sterbende Städte

Das, was jetzt in Jakarta passiert, wird in näherer Zukunft auch in anderen Städten wie New Orleans, Venedig und Singapur passieren. Hunderte Millionen Bewohnerinnen und Bewohner werden davon betroffen.

New Orleans sinkt durchschnittlich etwa 5 cm pro Jahr. Konservative Schätzungen sagen, dass bis zum Jahr 2100 New Orleans 4 m unter dem Meeresspiegel liegen wird. Wenn das Wasserpegel steigt, werden Deiche und Dämme nutzlos gegen Sturmfluten und Überflutungen werden. Heute schon ist die Hälfte des Stadtgebietes unter dem Meeresspiegel. Die Bevölkerung der Stadt selbst beträgt bloß 500.000, aber das sind immer noch zu viele für den Standort.

Rasch verschwindet frisches Wasser. In einigen Orten führt das zur Bodenverdichtung und Überflutungen. An anderen Stellen sickert Salzwasser in den unterirdischen Aquifer und vergiftet die Trinkwasserversorgung. In der einen oder anderen Weise sterben die Städte.

In Südafrika werden Kapstadt und Johannesburg austrocknen. Wasserressourcen mussten von den Bewässerungsanlagen der landwirtschaftlichen Betriebe und Weinberge in die durstigen Städte umgeleitet werden.

In Simbabwe zerstört die Dürre Harare, eine Stadt mit 2 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern. Das Wasser wird streng rationiert, wobei die meisten Bewohnerinnen und Bewohner den Zugang zu sauberem Wasser nur einmal pro Woche erhalten. Der Mangel an sauberem Wasser führt zum Anstieg von Cholera und anderen Krankheiten.

Die Regierung muss auf schmutzigere, verunreinigte Wasserquellen zurückgreifen und immer mehr für Chemikalien ausgeben, um sie einigermaßen sicher zu machen.

Außerhalb der großen Städte wird Agrarland in einigen Gebieten wegen Dürren und in anderen wegen des steigenden Meeresspiegels verloren gehen. Das Steigen des Meeresspiegels bedeutet nicht nur Überflutungen, sondern führen auch zur Versalzung von Aquiferen. Insbesondere gehen die Deltagebiete des globalen Südens, die für die Reisproduktion unverzichtbar sind, verloren.

Die Reisproduktion fällt um etwa 2 Prozent pro Jahr und die Preise steigen schneller. In einigen Orten führt die Überflutung mit Salzwasser dazu, das die Bauern vom Reisanbau zur Shrimpzucht wechseln. Aber die Aquakultur bietet keinen Ersatz für das Grundnahrungsmittel von Milliarden von Menschen. Einige Vorhersagen deuten darauf hin, dass bis zum nächsten Jahrhundertwechsel etwa ein Fünftel aller Großstädte der Welt verlassen werden müssen – wegen tödlicher Hitzewellen, des steigenden Meeresspiegels und der Erschöpfung der Wasservorräte. Wenn Umweltgruppen wie Extinction Rebellion von einer existenziellen Bedrohung der Zivilisation sprechen, übertreiben sie nicht.

Der Artikel von John Bell erschien bei Socialist.ca und wurde von Einde O’Callaghan übersetzt.


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