Gute und böse Bomben oder die antirussische Propaganda der Bild

28. Oktober 2016 - 18:55 | | Politik | 0 Kommentare

In Syrien tobt Krieg. Verschiedene Staaten sind an den Bombardierungen beteiligt und Zivilisten sterben durch diese Bomben aller Staaten, soweit nichts neues. Nun aber hat die größte deutsche Tageszeitung einen Artikel veröffentlicht, in dem dargelegt wird, warum amerikanische Bomben gut und russische schlecht sind. Das besondere an dem Artikel ist nicht, dass er die US-Bombardierungen gut heißt und die russischen kritisiert, sondern die Offen- und Deutlichkeit mit der dies geschieht.

Im Artikel heißt es: „Es gibt nicht gute und böse Bomben.“…Verbreitet wird der Satz nicht nur von den Propaganda-Organen Sputnik und Russia Today, sondern auch von Journalisten, die in Deutschland in unterschiedlichen Kreisen hohes Ansehen genießen: Publizist Jürgen Todenhöfer, Verlegererbe Jakob Augstein, „Handelsblatt“-Chef Gabor Steingart.“ So wird schnell deutlich, warum sich die Bild diesem Thema widmen muss, denn es sind schließlich nicht nur die in der Bildzeitung „üblichen Verdächtigen“, die angebliche Propaganda machen, sondern ein breiteres Spektrum. Im Anschluss daran heißt es „Das ändert allerdings nichts daran, dass dieser Satz dumm, falsch, zynisch und gefährlich ist.“ Denn schließlich gebe es sehr wohl einen Unterschied zwischen den Bomben, wie Autor Julian Reichelt weiß.

Zynisch wird es besonders wenn es heißt: „Bomben sind deutlich besser in den Händen jener aufgehoben, die sich Wahlen stellen, Gesetze achten und von einer freien Presse kontrolliert werden (zum Beispiel Obama), als in den Händen von Despoten, die auf Kritik mit Gewalt und Unterdrückung reagieren und niemandem Rechenschaft schuldig sind (zum Beispiel Putin). Amerikanische Nuklearwaffen waren immer schon besser als russische“. Es mag sein, dass in den Augen der Bildzeitung ein Unterschied wer Atomwaffen hat und Bombardierungen durchführt, ein realer Unterschied exisitiert, besonders für die Betroffenen allerdings nicht.

Gerechte Bomben und der Vergleich zur Nazizeit

Um zu untermalen, dass es ein Unterschied zwischen den Bombardierungen gibt, wird der Vergleich zur Nazizeit gezogen: „Gerechte Bomben fielen auf Saddam Husseins Truppen in Kuwait. Gerechte Bomben trafen deutsche Stellungen in der Normandie. Gerechte Bomben beendeten die Nazizeit und schufen Raum für eben jene Pressefreiheit, unter deren Schutz heute Männer wie Augstein, Todenhöfer und Steingart ihren zynischen Unfug verbreiten dürfen.“ Ein zynischer Vergleich, denn weder ist Assad Hitler, noch geht es den USA in Syrien darum eine freie und gerechte Gesellschaft zu etablieren, sondern um Regime Change, also die Durchsetzung einer Regierung, die die US-Außenpolitik unterstützt, statt eine pro-russische Haltung zu verfolgen.

„Putins Motiv in Aleppo ist unzweifelhaft und unbestreitbar: Er will eine Stadt mit 300 000 Menschen dem Erdboden gleichmachen, um seine persönliche Macht und die seines Regimes zu mehren.“ Das Putin Assad stützt ist unbestreitbar, die Behauptung aber, dass er eine ganze Stadt zerstören will, hat wenig mit der Realität zu tun. „Putin betreibt einen Vernichtungskrieg. Er befiehlt Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Er gehört vor Gericht“ fordert der Artikel zum Schluss. Ein Satz, der die Frage eröffnet warum die Bild nie Gerichtsverfahren gegen Bush oder Blair für die Millionen Toten im Irak gefordert hat, die Ursache dürfte in der transatlantischen Ausrichtung liegen, die die Zeitung seit ihrer Gründung verfolgt.

Der Artikel selbst ist an Zynismus nicht zu überbieten, denn er misst nicht nur mit doppelten Standards, sondern ignoriert alle Kriege, die die USA in den letzten Jahrzehnten geführt und die Millionen Tote zur Folge hatten. Man mag sagen Bomben sind nicht gleich schlimm, allerdings nur, wenn man meint, dass das Ziel eines Regime Change besser ist, als die Stützung des Regimes. Die amerikanischen und russischen Bombardierungen in Syrien nehmen sich nichts, sie treffen beide Unschuldige und ihre Ursache sind geostrategische Interessen. Wer von Menschenrechten und Freiheit redet, der muss erkennen, es gibt keinen Unterschied zwischen amerikanischen Bomben auf Bagdad oder Mossul und russischen auf Aleppo. Um Demokratie, Menschenrechte und Freiheit geht es weder den USA noch Rußland, nur ist Rußland wenigstens so ehrlich und gesteht dies ein.

Über den Autor

Ich habe 2009 die Freiheitsliebe gegründet aus dem Wunsch, einen Ort zu schaffen, wo es keine Grenzen gibt zwischen Menschen. Einen Ort an dem man sich mitteilen kann, unabhängig von Religion, Herkunft, sexuelle Orientierung und Geschlecht. Freiheit bedeutet immer die Freiheit von Ausbeutung. Als Autor dieser Webseite streite ich für eine Gesellschaft, in der nicht mehr die Mehrheit der Menschen das Umsetzen muss, was nur dem Wohlstand einiger Weniger dient.
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