„Er will uns ans Geld“ – Bild Stimmungsmache gegen SYRIZA

1. Januar 2015 - 17:56 | | Politik,Wirtschaft | 2 Kommentare
SYRIZA-Plakat gegen die Austeritätspolitik

Dass die Bild-Zeitung kein Freund linker Parteien und emanzipatorischer Proteste ist, dürfte hinlänglich bekannt sein, wie weit die Stimmungsmache gegen antineoliberale Linke geht, zeigt sie nun aber mit einem Beitrag über SYRIZA. Der Beitrag betitelt mit „Europa in Angst – Die Hetz-Protokolle des linken Griechen“ soll sich mit den Positionen von SYRIZA und deren Spitzenkandidaten Tsipras auseinandersetzen und erklären warum diese Europa, wessen Europa das nun auch immer sein mag, in Angst versetzen.

In dem Beitrag geschieht dies allerdings nicht, vor allem nicht anhand von irgendwelchen Protokollen, die eine angebliche Hetze des linken Griechen entarnen würden, denn von den Protokollen ist nur im Titel die Rede, ansonsten finden sie sich im gesamten Text nicht mehr. Fokussiert wird sich stattdessen auf eine Forderung, mit der schon häufiger versucht wurde Ängste zu schüren, der Behauptung, dass die Griechen uns „unser Geld“ wegnehmen/beziehungsweise nicht zurückzahlen wollen. Im Text heißt es zum Zurückzahlen unseres Geldes: „Tsipras will alle Abmachungen mit den Geldgebern, also insbesondere mit der Europäischen Union (EU), der Europäischen Zentralbank (EZB) und dem Internationalen Währungsfonds (IWF), aufkündigen, das Sparprogramm neu verhandeln und auch einen drastischen Schuldenschnitt durchsetzen, also nur noch einen Teil seiner Schulden und Hilfskredite zurückzahlen.“ Dass diese Forderung nicht vom Himmel gefallen sind, sondern wirtschaftlich von vielen als einzige Möglichkeit gesehen werden, damit der griechischer Staat nicht für alle Zeiten Bittsteller bleiben muss, verschweigt die Bild.

Sie wollen unser Geld oder wollen sie eher ihr Geld zurück?

Noch deutlicher wird die Stimmungsmache gegen Tsipras, wenn es um die Frage der Rückzahlung des griechischen Besatzungsdarlehns geht. Dazu wird Tsipras zitiert: „Die Frage des Besatzungsdarlehens steht für uns offen. Vom ersten Tag an, von dem wir an der Spitze des Landes sein werden, wird das zur offiziellen griechischen Position werden.“ Die Bild macht daraus: „Klartext: Er will uns ans Geld. Dabei muss man bedenken, dass Deutschland für die Griechen in Millionenhöhe haftet.“ Dass es sich dabei um die Rückzahlung eines Darlehns handelt, wird vollkommen verschwiegen und das obwohl die Zeitung sich nur einige Sätze vorher darüber empört hat, dass die Griechen einen Teil ihrer Darlehn nicht zurückzahlen wollen.

Die Frage worum es sich bei der geforderten Rückzahlung des Besatzungsdarlehns handelt, erklärt die Bild nicht. Dass dieses Darlehnung eine Erpressung des Naziregimes von Griechenland war, damit der Nazistaat seine Armee weiter aufrüsten konnte, bleibt unerwähnt. Auf Anfrage der Linksfraktion erklärte das Auswärtige Amt worum es sich genau handelt: „Bei der sogenannten Zwangsanleihe geht es darum, dass 1942 Griechenland auferlegt wurde, über die Kosten der deutschen Besatzungstruppen hinaus Beträge unmittelbar über die Bank von Griechenland zur Verfügung zu stellen. Dabei wurden sogenannte Anlastungskonten im Warenverkehr zwischen Griechenland und dem Deutschen Reich saldiert. Bei Kriegsende war ein Betrag von 476 Millionen Reichsmark offen.“ Weiter heißt es: „Der Bundesregierung sind keine Bestrebungen der griechischen Regierung bekannt, derartige Forderungen geltend zu machen. Gespräche mit der griechischen Regierung hat es in dieser Sache nicht gegeben.“ Der letzte Punkt dürfte sich allerdings mit einem Wahlsieg von SYRIZA ändern. Doch auch die griechische Regierung hat einen Bericht in Auftrag gegeben, der herausfinden sollte, wie hoch die Forderung gegenüber Deutschland denn seien. Das alles interessiert die Bild nicht, der es viel eher darum geht das Image des faulen und von „unserem“ Geld abhängigen Griechen zu schärfen. Die Bild begeht dabei den Fehler, dass für sie deutsche Darlehn rückzahlenswert sind, während es griechische Kredite an Deutschland nicht sind und diese mit einem Diebstahl an der deutschen Bevölkerung gleichgesetzt werden.

Über den Autor

Ich habe 2009 die Freiheitsliebe gegründet aus dem Wunsch, einen Ort zu schaffen, wo es keine Grenzen gibt zwischen Menschen. Einen Ort an dem man sich mitteilen kann, unabhängig von Religion, Herkunft, sexuelle Orientierung und Geschlecht. Freiheit bedeutet immer die Freiheit von Ausbeutung. Als Autor dieser Webseite streite ich für eine Gesellschaft, in der nicht mehr die Mehrheit der Menschen das Umsetzen muss, was nur dem Wohlstand einiger Weniger dient.
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