Eine Idee geht Baden – Zur Linken in McPomm

6. September 2016 - 17:03 | | Politik | 4 Kommentare
Foto: Pixabay
 Wie immer am Tag nach den Wahlen kommt von meiner Seite der Hinweis, dass all die schönen Wahlanalysen leider alle das Manko haben, mit Prozentzahlen sich selbst und alle ZuhörerInnen einzulullen. Wann lernt die linke Wahlauswertungswissenschaft (wenn es so etwas überhaupt gibt) endlich, dass absolute Zahlen doch so viel mehr über eine Verankerung politischer Vorschläge in den Köpfen der Menschen aussagen als die Prozentpunktezählerei? Ginge es nach solchen Punkten, dann ist auch bei dieser Wahl die Partei der NichtteilnehmerInnen die klare Siegerin.

Selbst der Herr Gabriel durfte endlich einmal jubeln, dass zum ersten Mal in seiner Amtszeit als Vorsitzender die SPD bei einer Wahl an absoluten Stimmen zulegen konnte. Ein Desaster chronischen Ausmaßes organisiert sich leider die Linke. Zum Abgewöhnen des bisherigen politischen Kurses der GenossInnen in Mecklenburg-Vorpommern, hier mal die traurige Zahlenreihe der Stimmen für die Linke (PDS):

1998 – 264 299
2002 – 159 065
2006 – 137 253
2011 – 125 528
2016 – 106 259

Offensichtlich geht hier eine soziale politische Idee schlicht baden. Sie ertränkt sich selbst, weil sie in ihrem irrealen Wahn, am Krisensystem Kapitalismus mitgestalten zu wollen, doch nur sich selbst verunstaltet. Natürlich kann niemand belegen (genau genommen versucht sich noch nicht einmal jemand an dieser Aufgabe), dass die verloren gegangene gute Hälfte des Zuspruches bei den WählerInnen damit zusammen hängt, dass die Linke etwa die Hälfte ihrer Wünsche schon hat realisieren können.

Nein, hier beweist sich die alte, schon von der Namensgeberin der Parteistiftung der Linken, Rosa Luxemburg, so trefflich notierte Wahrheit, dass der Opportunist (die Opportunistin natürlich nicht weniger) leider immer doppelt verliert: In der Praxis erreichen sie nichts Nennenswertes und mit der politischen Glaubwürdigkeit ihrer sozialen Idee geht es schnurstracks den Bach hinunter. Es ist allerhöchste Zeit, auch am Schweriner See mal wieder laut und herzhaft über die soziale Idee einer sozialistischen Gesellschaft zu reden und zu ihrer Melodie zu tanzen…..

Über den Autor

Thies Gleiss ist Mitglied im Bundesvorstand der Linkspartei und Geschäftsführer des ISP Verlags.
Ihr findet mich auf: Twitter Facebook

4 Kommentare

  • 1
    Maria von Finnentrop sagt:

    ……zu der Idee einer sozialistischen Gesellschaft tanzen ?! So wie damals, in der guten alten Zeit ?! Mit chicem Mäuerchen ums sozialistische Paradies ?! Und 100 Prozent Wählerstimmen für die Blockparteien ?!
    Wem ´s gefällt.

    • 1.1

      Hi Maria,

      Sozialismus hat nichts mit dem Staatskapitalismus und der DDR Diktatur zu tun. Sozialismus ist die totale Demokratisierung der Gesellschaft.

      LG

      • 1.1.1
        Maria von Finnentrop sagt:

        Hi Daniel

        Leider hat es das noch nie gegeben und es sieht auch nicht so aus, dass es das jemals geben wird. Ich habe nix gegen Utopien, vorausgesetzt sie anerkennen die realen Bedingungen. Marx war ein glänzender Analytiker des Frühkapitalismus, aber alle seine historisch – materialistischen Konstruktionen ( die angebliche Höherentwicklung der Gesellschaft durch Klassenkämpfe, das sogenannte Umschlagen von Quantität in Qualität, die Idee von der Diktatur des Proletariats, die Paradiesvorstellung : „Jeder nach seinen Bedürfnissen“ nach der Höherentwicklung der Produktivkräfte im Kommunismus usw.), alles das sind hübsche Gedankenspiele, die aber weder der Natur des Menschen noch seinen Absichten und Neigungen entsprechen.

        Ja, man muss ( oder sollte) immer für Gerechtigkeit und Freiheit und Frieden eintreten. Aber der sozialistische oder kommunistische Weg ist der falsche, weil das zugrunde liegende Menschenbild ein theoretisches Konstrukt ist. Richtige Politik bedeutet immer Ausgleich von Interessen, Förderung der „Schwachen“, Kontrolle der nach zu viel Macht und Kapital strebenden Kräfte. Nach Ideologien gestrickte Gesellschaften entarten früher oder später in inhumane Diktaturen. Immer.

        Wer mehr über den Charakter des Menschen erfahren will, sollte eher die grossen Kunstwerke als soziologische Theorien zu Rate ziehen. Bei Shakespeare und Tolstoi, Flaubert und Kafka, Mozart und Leonardo da Vinci zum Beispiel finden sich mehr Wahrheiten über die widersprüchliche, zerbrechliche, bedrohte, zu Freude, Liebe und Lust fähige, egozentrische oder mitfühlende Natur des Menschen. Ideologien sind Schablonen. Sie machen aus Menschen Marionetten. So auch der Sozialismus.

        Gut gemeint ist nicht automatisch gut.

        Wenn beispielsweise selbsternannte „Linke“ Luxusautos „abfackeln“, dann tun sie das aus einem Impuls des Hasses. Sie entpersönlichen den Besitzer eines solchen Gefährts, machen ihn zum bösen Kapitalisten, zum Feind, zum Gegner. Das ist eine primitive, vorpubertäre Denk – und Handlungsweise, die die Welt klein macht und nur „gute“ und „böse“ sieht. Vielleicht ist der Jaguarfahrer ein exzellenter Herzchirurg, der täglich Menschenleben rettet, vielleicht ist er auch ein skrupelloser Drogenhändler. Dem Auto sieht man das nicht an. Aber für ideologisch Verblendete ist es ein Symbol.

        Das soll nur ein Beispiel sein, wohin Ideologien führen können. Etwas Vergleichbares ist es, alle AfD ler als Nazis zu brandmarken . Etwas schlimmeres und grausameres, perverseres und verbrecherisches kann man einem Menschen nicht anhängen oder nachsagen. Daurch nimmt man ihm jede Würde und Persönlichkeit, denn echte Nazis sind Barbaren und Arschlöcher. Oder wenn man Islamkritiker als islamophob oder rassistisch bezeichnet.
        Solche Wortkeulen grenzen aus, stigmatisieren und beschädigen Menschen.
        Umgekehrt ist das dumme Gefasel vom „linksgrün versifften Pack“ genauso widerlich und untermenschlich.

        Wer seinen Kopf ideologiefrei hält, kann differenzieren und genau hinsehen, Gegenargumente prüfen ohne schon bestehende Muster im Kopf.

        Dazu möchte ich mit meinen Kommentaren gelegentlich beitragen, gerade dann, wenn sie zugespitzt und provokant daherkommen.

        Und deshalb freue ich mich über Deine Reaktion.
        Solange Menschen kommunizieren und sich nicht verkloppen ist die Welt noch zu retten.

  • 2