Das soziale um das ökologische erweitern!

11. Januar 2018 - 20:07 | | Politik | 0 Kommentare
By mohamed challouf (Own work) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

Die Linke vergisst viel zu oft die ökologische Frage und stellt sie in den Gegensatz zur sozialen Frage. Wir sagen der Klimawandel ist eine globale Problematik und untrennbar mit der sozialen Frage verbunden.

Starten wir mit der allgemein bekannten, erschütternden Faktenlage: Das weltweite Klima hat sich um 0,6°C seit der Industrialisierung erwärmt, und schon jetzt sind die verheerenden Auswirkungen des Klimawandels im globalen Maßstab bemerkbar: Die Gletscher auf Bergen und an den Polenden schmelzen, der Meeresspiegel ist um 20cm gestiegen, Tierarten sterben aus oder wandern weiter in fremde Ökosysteme, Naturkatastrophen häufen sich immer mehr und in unregelmäßigen Abständen. Es gibt keine Zweifel, dass dies auf den zunehmenden Ausstoß von CO2, die Verödung und Verpestung von ganzen Landstrichen, sowie die massive Entwaldung zurückzuführen sind. Vor allem der Abbau und das Verbrennen von fossilen Brennstoffen (Kohle, Erdöl, Gas) in der Industrie, im Energiesektor und dem Individualverkehr spielen eine große Rolle. Wenn einmal die Vorräte aufgebraucht sind, wird es Hunderte von Jahren dauern bis man sie wieder in geringen Mengen abbauen kann. Wenn wir nichts unternehmen, wird bis 2050 das Klima sich um 2,8°C erwärmen, was schätzungsweise 150 Mio. Menschen von Überschwemmungen, 600 Mio. Menschen von Hungersnöten und bis zu 3 Milliarden Menschen am Mangel von Süßwasser betreffen werden.1 Der Großteil der Menschen lebt im – von extremer Armut betroffenen – globalen Süden. Die Erwärmung führt zur Zerstörung von Landwirtschaft, Trinkwassermangel, extremen Wettererscheinungen, Zerstörung von Ökosystemen und der Zunahme von Krankheiten. Die Zahl der Menschen, die alleine auf Grund der Klimaerwärmung fliehen müssen, könnte auf ungefähr 200 Mio. Menschen steigen.2 Es ist bereits ein Zustand erreicht, bei dem die gemachten Zerstörungen sich nicht mehr rückgängig machen lassen.
Doch wieso ist es soweit gekommen? Wieso wird nicht nachhaltig mit Rohstoffen umgegangen und immer noch auf fossile Brennträger gesetzt? Die Ursachen liegen in unserer kapitalistischen Produktionswirtschaft und ihren mächtigen Konzernchefs, die sich die Taschen voll auf Kosten der Umwelt und Menschheit machen.

Ein Wirtschaftssystem das auf permanentem Wachstum, Profit und Konkurrenz beruht, kann nicht in Einklang mit einem nachhaltigen sorgsamen Umgang der Natur gebracht werden. Die Ressourcen sind begrenzt, doch der Expansionsdrang kapitalistischen Wirtschaftens sind unbegrenzt. Sie stehen in einem direkten Widerspruch. Kapitalismus ohne Wachstum, ohne Profit und ohne Konkurrenz ist unmöglich, da es die Grundelemente dieser Wirtschaftsordnung sind. Deshalb kommen wir nicht an der Frage vorbei, die auch Naomi Klein jüngst in ihrem Buch nennt: Kapitalismus oder Klima! Wir Sozialistinnen und Sozialisten sind uns einig: Wir müssen das Klima retten und den Kapitalismus auf die Müllhalde der Geschichte verbannen. Daher brauchen wir schnelle und radikale Maßnahmen, ansonsten wird es knapp.
Wir, als organisierte Linke, müssen uns viel stärker mit der ökologischen Frage auseinandersetzen und in die Umweltkämpfe einmischen! Es ist eine Problematik globalen Ausmaßes, die untrennbar mit anderen politischen Kämpfen in Verbindung steht. Gerade das braucht die internationale Linke: Wir müssen es schaffen verschiedene Kämpfe zu vereinen, um einen grundlegenden Wandel zu vollziehen. Wir glauben die ökologische Frage verbindet gerade diese verschiedenen Kämpfe: Sie vereint die soziale, als auch die antirassistische, feministische und antimilitaristische Bewegung.
Die soziale Frage hängt ganz klar mit der ökologischen Frage zusammen. Wen betrifft der Klimawandel als erstes und stärkstes? Gerade die Menschen, die sowieso von extremer Armut betroffen sind. Die weltweite Arbeiterklasse, v.a. des globalen Süden. Konzerne des globalen Nordens sind für 70-80% des riesigen CO2 Ausstoß seit Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten verantwortlich, obwohl dort nur ein Bruchteil der Menschheit lebt.3 Während es sich die Profiteure globaler Wirtschaft leisten kann sich vor Naturkatastrophen zu schützen, kann dies ein Großteil der Arbeiterklasse nicht. Wenn wir sagen, wir wollen die soziale mit der ökologischen Frage verbinden, bedeutet es, den extremen Reichtum einiger Weniger zu Gunsten der Natur und den Menschen umzuverteilen. Mit dem Ende von Privateigentum der Produktionsmittel, könnte beispielsweise statt in teure und umweltschädliche Kohle,- oder Atomenergie, in 100% erneuerbare Energie investiert werden. Es müsste massiv in flächendeckenden Schienenverkehr, statt dem autobetriebenen Individualverkehr, investiert werden. Somit würde die riesige Autoproduktion und der Verschwendung von Öl zurückgehen. Die Arbeiter*innen aus dem Energiesektor und der Automobilindustrie könnten in diesem Bereich umgeschult werden. Bei gleichzeitiger gesellschaftlicher radikaler Arbeitszeitverkürzung würde allgemein weniger gearbeitet werden müssen. Das gerne sozialdemokratisch genutzte Arbeitsplatz Argument würde in einer anderen solidarischen und nachhaltigen Wirtschaftsordnung keine Rolle spielen. Die Lebensqualität in den Städten und Dörfern würde sich beim Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, dem Rückgang der Autogase und ihrem Feinstaub, dem Ausbau von Parks und Fahrradwegen deutlich verbessern.

Auch die antirassistische/internationalistische Dimension fließt in den Klimakämpfen ein. Während hauptsächlich die Konzerne des globalen Nordens auf Kosten des Klimas massive Profite einfahren, müssen weltweit immer mehr Menschen auf Grund von Naturkatastrophen und Landverödung ihre Heimat verlassen. Damit muss die Forderung nach Klimagerechtigkeit gleichzeitig eine Ansage gegen EU-Abschottungspolitik und rechte Hetze sein. Um zu verhindern, dass Menschen aus ihrer Heimat auf gefährlichen Wegen fliehen müssen, müssen wir die ökologische und ökonomische Ausbeutung bekämpfen. Dabei handelt es sich um einen verbindenden Kampf, der keine Ländergrenzen kennt, denn alle Menschen der Welt sind vom Klimawandel – in mehr oder weniger Intensität – betroffen. Deshalb müssen wir mit Genossinnen und Genossen aus aller Welt viel stärker kooperieren, gerade wegen dieser globalen Aufgabe.
Weltweit sind Frauen 4 mal so häufig vom Klimawandel betroffen als Männer. Das hat damit zu tun, dass Frauen größtenteils die unbezahlte Reproduktionsarbeit verrichten, und sich während Umweltkatastrophen u.a. um die Sicherheit der Kinder kümmern müssen. Aber auch veraltete Geschlechterrollen führen dazu, dass Frauen im globalen Süden oft nicht schwimmen können, und bei Überschwemmungen oft zu Tode kommen. Wir begreifen die ökologische Frage auch als eine feministische. Denn die Trennung in Geschlechterrollen müssen beendet werden.
Auch Antimilitarismus hat mit Ökologie zu tun. Weltweit werden Kriege für Brennstoffe und Ressourcen geführt. Damit ist die Ökologische Frage traditionell untrennbar mit antimilitaristischen Forderungen verbunden (u.a. Antiatombewegung)
Die ökologische Frage ist so stark mit verschiedenen Themen vernetzt, dass es viel Potenzial mit sich bringt bei kommenden Kämpfen mitzuwirken und sie in eine klar antikapitalistische Richtung zu lenken. Wir sollten bei systemkritischen Kämpfen wie z.B. Ende Gelände oder Stop Bayer und Monsanto teilnehmen. Es ist notwendig sofort und radikale Maßnahmen zu unternehmen.
Packen wir es an. Verbinden wir die Kämpfe für eine bessere solidarische und nachhaltige Welt. Menschen und Natur vor Profit. Für eine sozialökologische Revolution!

Von Sergen und Anna– beide SDS Köln

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