Das Problem der Linken und ihren Mythen über Syrien

11. März 2018 - 17:53 | | Politik | 7 Kommentare
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Während die Zahl der Toten in Ost-Ghuta, einem Vorort von Damaskus, innerhalb von nur zwei Wochen fast die 700-Marke überschreitet und täglich weiter steigt, rechtfertigen viele sogenannte progressive Kräfte das Blutbad.

Viele unter ihnen sind felsenfest überzeugt, das Regime würde in Ost-Ghuta nur Al-Qaida bekämpfen, welches seinerseits Zivilisten als menschliche Schutzschilde missbrauche, sodass das Regime für die Hunderten von Toten eigentlich keine Schuld trägt.

Viele westliche und auch östliche Linke schlucken schon seit Jahren die Propaganda des Regimes. Da wäre der australische Akademiker Tim Andersen, der behauptet, Bashar al-Assad hätte mit Massenmord an Zivilisten nichts zu tun und sei nur Opfer westlicher Dämonisierung, oder der britische Journalist Robert Fisk und sein amerikanischer Gegenpart Seymour Hersh, die behaupten, das Regime habe nicht wiederholt chemische Waffen gegen Zivilisten eingesetzt. Solche Sprachrohre auf der Linken hängen an ihrem Glauben, die Assad-Diktatur sei in der Region eine Bastion des Antiimperialismus und müsse unterstützt werden.

Sie weigern sich anzuerkennen, dass über 500.000 Menschen im Krieg getötet wurden, die übergroße Mehrheit durch das Regime, das im Gegensatz zu den Rebellen eine Luftwaffe besitzt und auch wahllos einsetzt (darunter die berüchtigten Fassbomben, die es von Hubschraubern abwerfen lässt).

Es gibt zwar historische Gründe für diese Fehlsicht auf Seiten großer Teile der Linken, aber inmitten der gegenwärtigen grausamen Zerstörung und des Verlusts an Leben sind sie dennoch einfach unverzeihlich.

Für mich ist es unbegreiflich, wie Menschen, die sich in der ganzen Welt für soziale Gerechtigkeit und Menschenrechte eingesetzt haben, nach wie vor ein Regime unterstützen, das seine Bevölkerung wirtschaftlich ausgebeutet und unschuldige Zivilisten auf grausamste Weise gefoltert und umgebracht hat. Oder auch wie Menschen, die die imperiale Kriegspropaganda der USA durchschauen, das russische Gegenstück dazu nicht erkennen können.

Seitdem ich im Jahr 2014 aus Syrien geflüchtet bin, sind mir zwei linke Mythen über die Ereignisse in meinem Land immer wieder begegnet. Ich möchte sie hier ansprechen.

Es handelt sich um eine Verschwörung zum Regime Change einer legitimen Regierung

Ein Junge spielt Krieg in Harasta, Ost-Ghuta. By Jordi Bernabeu Farrús, Flickr, licensed under CC BY 2.0.

Viele Menschen, die in den Jahren 2011 und 2012 die Ereignisse in Syrien nicht weiter verfolgten, verstehen womöglich nicht, dass es sich um einen echten landesweiten Aufstand handelte.

Im März 2011 schlossen sich Syrer, auch ich, dem Arabischen Frühling an – wir hatten allen Grund dazu.

Wir träumten von politischer und soziokonomischer Veränderung, von fairen Wahlen und von einem Staat, der uns und unsere Rechte respektiert. Und niemand, vor allem niemand aus der „freien Welt“, darf uns die Berechtigung unserer Revolte abstreiten.

Der gegenwärtige Präsident, Baschar Al-Assad, kam im Jahr 2000 an die Macht. Nein, nicht im Zuge von Wahlen, nicht einmal als Ergebnis von Konsultationen mit verschiedenen Parteien oder im Konsens mit religiösen oder örtlichen Führern. Vielmehr trat er nach dem Tod seines Vaters Hafez die „Thronfolge“ an.

Auch Hafez war seinerseits niemals gewählt worden. Er kam 1970 durch einen Militärputsch an die Macht.

Meine Altersgenossen, und auch die drei Generationen vor uns, haben zeitlebens nie gewählt. Ich selber habe nur ein einziges Mal meine Stimme abgegeben: in Arab Idol.

Das Syrien meiner Kindheit war ein repressiver Polizeistaat. Ich bin im Glauben aufgewachsen, die Wände besäßen Ohren und man könne das Regime nicht einmal im eigenen Zuhause kritisieren.

In Schulen wurden wir einer täglichen Gehirnwäsche unterzogen. Ich besuchte Schulen der Baath-Partei, in denen ein Porträt des Präsidenten an jeder Wand hing. Während des morgendlichen Appells unter der Nationalflagge wünschten wir Hafez jeden Tag das ewige Leben, erst dann konnten wir in die Klassenzimmer. Wir lernten Loblieder zu seinen Ehren und zu Ehren der Baath-Partei auswendig, wir mussten Hafez‘ Reden vortragen. Er war unser Führer und Vater. Als Hafez starb, ich war neun Jahre alt, weinte ich. Denn der Mensch, von dem mir stets erzählt wurde, er sei unsterblich, war wie jeder andere Mensch gestorben.

Das Land gehörte der Familie Assad. Man konnte keine Geschäfte tätigen, ohne sie einzubeziehen. Assads Verwandte und enge Mitarbeiter kontrollierten alle wichtigen Importlizenzen und Regierungsaufträge.

Assads Cousin, Rami Makhlouf, ist der reichste Mann Syriens. Er kontrolliert die wichtigste Telefongesellschaft, TV-Kanäle, regierungsnahe Zeitungen, und bis Kriegsbeginn kontrollierte er noch dazu die Öl- und Gasindustrie.

Vor 2011 waren sämtliche politischen Aktivitäten verboten. Auch nur die Anwesenheit auf einer politischen Versammlung konnte dir jahrelangen Knast und Folter einbrocken. Nach einem kurzlebigen „Frühling von Damaskus“ Anfang der 2000er, als wir die Hoffnung zu hegen wagten, unter Bashar würde es besser, führte uns die anschließende Repressionswelle vor Augen, dass er genauso wie sein Vater war.

Er stellte sich schnell sogar als noch grausamer heraus.

Als wir also im März 2011 sehen konnten, wie die Tunesier und Ägypter aufstanden und ihre Diktatoren stürzten, dachten wir, wir könnten ebenfalls Veränderungen einfordern. Trotz der ganzen institutionalisierten Unterdrückung und Propaganda nahmen die Syrer das Risiko auf sich und gingen auf die Straße. Menschen aus allen Lebensbereichen und Hintergründen beteiligten sich an den Protesten: Christen, Drusen, Muslime, Sunniten, Alawiten, Ismailiten, Palästinenser, Zirkassier, Alte und Junge, Männer wie Frauen forderten Veränderung.

Wir wussten, dass der Preis, den wir zu zahlen hatten, sehr hoch sein würde, aber von einem so hohen Zoll hätten wir nicht einmal geträumt. Protestierende wurde mit scharfer Munition einfach niedergeschossen. Ich habe viele Freunde verloren, auf mich selbst wurde geschossen. Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie Menschen von Scharfschützen und der Polizei in den Rücken geschossen wurden. Menschen begannen in Massen auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden, andere tauchten nach ihrer Verhaftung nur tot wieder auf. Dies war der Zeitpunkt, zu dem Baschar jegliche Legitimität, die er als Diktator womöglich noch für sich in Anspruch nehmen konnte, endgültig verloren hatte.

Also, um die Frage eindeutig zu beantworten: Nein, es handelt sich nicht um einen vom Westen übergestülpten Regime Change. Es ist ein Aufstand gegen einen illegitimen Diktator. Wir hatten und haben immer noch jeden Grund, Veränderung einzufordern.

Die Haltung der USA zu unserem Kampf interessiert uns nicht im Geringsten. Regime Change, wenn er von einem Volk eingefordert wird, das unter Willkür gelitten hat, ist legitim. Dass unterschiedliche Mächte, wie die USA und ihre Verbündeten am Golf und die Türkei, sich in den Konflikt eingemischt haben (ihn in Wirklichkeit militarisiert haben), delegitimiert unseren Kampf nicht. Und wir erwarten von internationalen linken Bewegungen, dass sie uns unterstützen, nicht ignorieren oder gar verhöhnen.

Bewaffnete Rebellen/Terroristen laufen durch Qaboun, einem Vorort von Damaskus. By Qasioun News Agency, Wikimedia Commons, licensed under CC BY 3.0.

Die Dschihadisten verstecken sich in Ghuta, und das syrische Regime bekämpft sie nur.

Wie bei jedem chaotischen Konflikt fand Radikalisierung auch im syrischen Kampf einen fruchtbaren Boden. Wenn Menschen enormem Druck und Ungerechtigkeit ausgesetzt werden, ist das tragische Ergebnis die Radikalisierung mancher.

Die Tatsache, dass einige im Laufe der letzten sieben Jahre einen radikaleren Weg eingeschlagen haben, bedeutet nicht, dass jeder, der gegen Assad ist, auch ein Terrorist ist.

In Syrien – das gilt ganz besonders für Ghuta – haben wir bewaffnete Gruppierungen wie Dschaisch al-Islam und Faylaq Al-Rahman, Ahrar al-Sham, Hay’et Tahrir al-Sham (letztere mit einer sehr kleinen Präsenz, ungeachtet dessen, was Assad euch glauben lassen möchte) und andere –alle von ihnen haben Verstöße und Menschenrechtsverletzungen zu verantworten.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Ghuta von Terroristen bevölkert wäre. Viele Syrer, nicht nur in Ghuta, sondern in allen von Rebellen kontrollierten Gebieten, sind standfest geblieben und widersetzen sich dem Extremismus und der Unterdrückung aller Seiten. Ein gutes Beispiel sind die Aktivisten Razan Zeytouneh und Samira al-Khalil, die in Ost-Ghuta Verstöße auf allen Seiten dokumentierten und dafür sowohl vom Regime als auch von dort agierenden bewaffneten Gruppen bedroht wurden. Sie wurden im Dezember 2013 entführt und sind seitdem nie wieder gesehen worden. Ihre Familien nennen Dschaisch al-Islam als Verantwortliche.

Es hat also Verstöße seitens der bewaffneten Gruppen gegeben, und sie haben auch Wohnviertel in Damaskus bombardiert. Indem man aber das Augenmerk nur auf die Übergriffe einer Seite lenkt, zeichnet man ein falsches Bild. Zum einen ist es so, dass das Gros der Bevölkerung in Ost-Ghuta an den Kämpfen nicht beteiligt ist, und außerdem die sind, die am meisten leiden. Zweitens tötet das Regime im großen Stil. Durch die Bombardierungen der Rebellen haben im Februar in ganz Syrien 64 Zivilisten ihr Leben verloren, während regimeseitige Bombardements 852 Menschen das Leben kostete. Auch das Regime hat zehntausende Menschen verhaftet, verschwinden lassen, gefoltert und hingerichtet.

Die russischen Anschuldigungen, die bewaffneten Gruppen würden Zivilisten an der Flucht hindern, um sie als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen, kommen einem nur allzu bekannt vor. Jedes Mal, wenn die Israelis Gaza bombardieren, greifen sie auf diese Darstellung zurück. So waren auch die 1.500 Zivilisten, die im Sommer 2014 den Tod fanden, ebenfalls „Opfer menschlicher Schutzschilder“. Die USA behaupten das gleiche von den fast 1.000 Menschen, die bei der Offensive gegen Raqqa ihr Leben verloren.

Saudi-Arabien, Katar, die Türkei, die USA und Israel sind alle in diesem Konflikt verstrickt, das gilt aber auch für Russland und den Iran. Rebellengruppen haben Zivilisten getötet, das Regime aber auch, und zwar im großen Stil. Man kann nicht die Verbrechen der einen Seite verurteilen, ohne auch jene der anderen Seite zu verurteilen, und dann behaupten, man wäre ein Kämpfer für Gerechtigkeit.


Von Loubna Mrie, aus dem Englischen von David Paenson, editiert von Jakob Reimann. Quelle: Al Jazeera, 4. März 2018

Über den Autor

7 Kommentare

  • 1

    Diese Geschichte glaubt niemand mehr, der noch bei Verstand ist. Die Lügen sind längst aufgeflogen. Es spricht nicht für die “Freiheitsliebe”, sich solcher Propaganda anzuschliessen.

    Die Assad-Regierung ist alles andere als harmlos. Ich finde sie auch nicht sympathisch. Denn sie geht im Kriege mit derselben Brutalität vor wie die anderen Kriegsparteien. Aber der Konflikt in Syrien, er wurde von aussen inszeniert. Die Beweise liegen längst auf dem Tisch, allen voran das von Judicial Watch freigeklagte Papier der DIA:

    https://blog.fdik.org/2015-05/s1432455291

    Die Vorwürfe mit den angeblichen Fassbomben sind lächerlich. Moderne Waffen, über die die syrische Armee genau wie auch die US-amerikanische, die russische sowie die Al-Qaida-Hilfstruppen des Westens und der “Islamische Staat” verfügen, sind um ein vielfaches grausamer – und militärisch wirkungsvoller. Wer mit dem Fassbomben-Märchen hausieren geht, ist entweder selbst ein Propagandist oder aber auf Propaganda hereingefallen.

    Es konnten bisher keinerlei Beweise für den angeblichen Giftgaseinsatz durch die syrische Armee vorgelegt werden. Alle solchen Behauptungen sind entsprechend ebenfalls als Propagandalügen zu werten. Die Kriegspropaganda der Briten ist widerlich – besonders abstossend ist der Missbrauch des Mädchens Bana Alabed als Propaganda-Sprechpuppe, manipuliert von der britischen PR-Agentur The Blair Partnership.

    In Syrien geht es um den Weg für die Pipelines des grössten Gasfeldes der Welt – South Pars – zu den Kundenstaaten nach Norden. Der Konflikt ist im Gegensatz zur Darstellung im Artikel ein typischer versuchter Regime Change durch die NATO-Verbündeten Saudi Arabien und Katar sowie durch die NATO-Staaten selbst. Inzwischen führen nicht nur die USA, Frankreich, Grossbritannien und Deutschland einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg in Syrien, sondern der NATO-Staat Türkei ist sogar mit deutschen Panzern nach Syrien einmarschiert – ebenfalls unter schamlosen Bruches des Völkerrechts.

  • 2
    pcarbeiter says:

    Die Suche nach der Wahrheit wird in heutigen Kriegen nicht einfacher sein, als für Zeitgenossen früher. Denn es gibt womöglich mehr Informationen, aber es wird auch aufwändiger, sie zu überprüfen.
    Die Trommeln werden auf allen Seiten gerührt. Für die Bildzeitungsleser sind es siebenjährige Mädchen, die auf Twitter Putins Vernichtung fordern. Für das Publikum hier wiederum Personen, wie die da oben.
    Und auch Assad wird sicher nicht müde, zu jammern, wie schlecht die Welt zu ihm ist. Er und seine Anhänger würden nach einem verlorenen Krieg ebenfalls ein unschönes Ende auf irgendeinem Hinterhof finden.
    Wird die Moral und das Mitgefühl zum Richter über derartige Konflikte? Es kann ganz schnell ganz viele neu Hitler geben, die gestoppt gehören. Werden die sogenannten ‚Linken‘ nun ausrücken, sie alle zu töten?
    Ich weiß nicht, ob die Unterstützung der eigenen herrschenden Klasse in ihrem imperialistischen Bestreben eine gute Idee ist. Unabhängig davon, ob die ‚Gegenseite‘ nun unmenschlich erscheint oder nicht.

  • 3
    Struppi says:

    Hat eigentlich jemand die Toten gezählt die Bombenangriffe mit den Präzisonswaffen der NATO Flugzeuge ausgeführt werden?

    Die USA, Frankreich, England und noch einige andere Länder sind daran aktiv beteiligt (oder waren es, wie Kananda). Da mittlerweile die USA ihre Ölquellen sichern wollen, gelten diese Angriffe auch nicht mehr nur dem IS (und waren es auch in der Vergangenheit nicht).

    Letztlich ist das was der Autor beschreibt die Seite des Konflikts, die sich jeder gewünscht hätte, aber wie sich gerade in Afrin zeigt haben die lokalen Mächte an wirklichen Umbrüchen kein Interesse. Es geht um Hegemonie und vermutlich Rohstoffe, aber nicht um die Menschen.

    Auf Infosperber beschreibt jemand aus einer anderen Perpektive das Leben in Syrien im Kontext der Nachbarländer https://www.infosperber.ch/Artikel/Politik/Syrien-vor-dem-Krieg

    Das Problem was „wir“ westlichen Linken haben, ist das „unsere“ Politik die reaktionären Kräften im Syriemkonflikt massiv unterstützt. Es geht also nicht darum, die von dem Autor beschriebenen Veränderungen und Wünsche nach Reformen klein zu reden, sondern den Einfluss unserer Regierung auf die Islamistischen Terrorgruppen zu verringern.

    Aber ich glaube auch nicht wirklich, dass der Krieg und die Gewalt wirklich nur ausgebrochen sind, weil Assad diese Bewegung massakrieren wollte. Dazu war der plötzliche militärische wiederstand viel zu stark. Oder glaubt wirklich jemand, dass ein paar Studenten innerhalb weniger Wochen einer Militärmacht, die mit Israel im Kriegszustand war, fast in die Knie zwingen kann?

    • 3.1
      Struppi says:

      Entschuldigung: Es muss heißen „Die Autorin“ – ich hatte nicht auf den Twitterlink geklickt.

      Ergänzend noch:
      https://www.infosperber.ch/Artikel/Medien/So-schnell-wird-man-ein-Assad-Freund-oder-Putin-Troll

    • 3.2
      • 3.2.1
        Struppi says:

        Das ist aber wieder auch nur eine selektive Wahrheit.

        In dem Artikel wird 500.000 Toten gesprochen. Und die „übergrosse“ Mehrheit davon hätte Assad und Russen zu verantworten. Raqqa wird nicht mal erwähnt und selbst das ist nur ein kleiner Teil der westlichen Aktivitäten in Syrien. Die NATO bombt in Syrien seit längeren und hat umfangreich infrastruktur zerstört als die Syrische Armee die ersten erfolge erzielte. Rund um Palmyra haben die USA brücken zerstört und von dem was Frankreich, Kanada, GB oder auch Israel konkret bombardieren wird kein Wort verloren und wieviele Opfer diese Bomben hatten auch nicht.

        Und wie gesagt, das größte Problem mit dem Artikel ist, dass wir hier nicht Einfluss darauf üben können, ob irgendwelche uns ideologisch Nahestehende Gruppen von unserer Regierung unterstützt werden, das wird nie passieren. Sondern wir müssen verhindern, dass unsere Regierungen Gruppen unterstützen, die von unserer Vorstellung von Freiheit noch weiter entfernt sind als Assad oder Putin.

        Was im Augenblick dort passiert ist eine massive Destabilisation für die Bevölkerung, während trotzdem weiter Rohstoffe (zu unserem Vorteil?) ausgebeutet werden. Irak, Libyen, Syrien und selbst in Afghanistan gibt es ein Milliarden Dollar Programm zur Ausbeutung der Bodenschätze. Das unsere Regierung jetzt noch mehr Soldaten dorthin schickt zeigt, wir unterstützen genau dies.

        Wenn wir im sicheren Westen anfangen uns auseinander zu dividieren, welche Gruppen wir vor Ort unterstützen sollten und welche nicht, machen wir uns selber schwach und erleben es gerade wie sich jeder moralisch über die andere Gruppe erhebt, während die Hegemoniemächte einfach agieren.

        Wenn wir wirklich syrische Oppositionsgruppen unterstützen wollten, hätte das in den vergagenen Jahrzehnten geschehen müssen und bei aller Kritik an Assad, mein Eindruck war, dass auch das dortige Regime bereit für schrittweise Änderungen war. Aber Chaos vermeiden wollte. Das was wir jetzt erleben hilft niemanden – nur denen die aus Mordlust töten wollen. Das zeigt sich aktuell wieder in Afrin.

        Und um diese Entwicklung zu stoppen muss die Linke hier aktv sein, aber nicht in dem eine verlorene Gruppe von Kämpfer zwischen Islamisten unterstützt wird.

      • 3.2.2
        Struppi says:

        Auch hier noch ein Sorry hinterher.

        Der zweite Artikel ist gut und stellt die Situation so dar wie auch mein Eindruck ist. Danke, irgendwie ist der in meinem Feedreader verloren gegangen.