28 israelische Menschenrechtsorganisationen fordern sofortigen Waffenstillstand

27.000 Menschen wurden bisher in Gaza getötet, 1200 in Israel, die Mehrheit der Bevölkerung des Gazastreifens ist auf der Flucht und hungert, die meisten Krankenhäuser sind zerstört und noch immer wird Gaza bombardiert. 28 israelische Menschenrechtsorganisationen fordern deswegen einen sofortigen Waffenstillstand.

Wir haben ihren Aufruf übersetzt und dokumentieren ihn:

Wir, die unterzeichnenden in Israel ansässigen zivilgesellschaftlichen Organisationen und Menschenrechtsorganisationen, rufen zu einer sofortigen Waffenruhe im Gazastreifen auf und fordern die sofortige Freilassung der im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln. Ein sofortiger Waffenstillstand wird weitere Verluste unter der Zivilbevölkerung verhindern und den Zugang zu lebenswichtiger Hilfe für den Gazastreifen erleichtern, um die beispiellose humanitäre Katastrophe dort zu bewältigen.

Seit dem ungeheuerlichen Angriff der Hamas am 7. Oktober, bei dem rund 1.200 Israelis und internationale Bürger getötet wurden, haben die israelischen Bombardierungen und die Belagerungspolitik im Gazastreifen in mehr als 120 Tagen unvorstellbare Zerstörungen und Tod verursacht.

Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums wurden etwa 27.000 Menschen getötet, über 66.000 Menschen wurden verletzt, und Tausende weitere sind noch unter den Trümmern begraben. Das Gesundheitssystem wurde durch militärische Angriffe, Stromausfälle, die enorme Zahl getöteter oder vertriebener medizinischer Mitarbeiter und den Mangel an Medikamenten und medizinischer Ausrüstung fast vollständig dezimiert. Nur 14 von 36 Krankenhäusern sind teilweise funktionsfähig und stehen wegen extremer Überlastung und mangelnder Versorgung kurz vor dem Zusammenbruch. Im gesamten Gazastreifen fehlt es an Nahrungsmitteln und sauberem Trinkwasser, so dass die gesamte Bevölkerung unmittelbar von Hungersnot und Austrocknung bedroht ist.

Rund 1,7 Millionen Menschen – etwa 75 % der Bevölkerung – sind vertrieben worden. Die Notunterkünfte für Binnenvertriebene sind überfüllt, es mangelt an grundlegenden Bedingungen und es herrscht ein extremer Mangel an Lebensmitteln, Wasser und anderen lebensnotwendigen Gütern. Große Teile des Streifens sind nicht mehr bewohnbar. Tausende von Häusern wurden durch israelische Bombardements schwer beschädigt oder zerstört, während wichtige zivile Infrastrukturen, öffentliche Gebäude, kulturelle Einrichtungen, Gotteshäuser und historische Stätten in Trümmern liegen.

Der Mangel an Hilfsgütern und die aktiven Feindseligkeiten verhindern wirksame humanitäre Hilfe. Israel verhindert die Einfuhr einiger notwendiger humanitärer Güter und medizinischer Ausrüstung. Starke Regenfälle, kaltes Wetter und die extreme Überbelegung in Zeltlagern und Unterkünften haben das Auftreten von Krankheiten und Seuchen deutlich erhöht. Die Verteilung der wenigen Hilfsgüter, die in den Gazastreifen gelangen, wird durch das Fehlen eines sicheren Zugangs zum Gazastreifen erheblich behindert. Nirgendwo in Gaza ist die Zivilbevölkerung sicher.

Wir rufen daher alle Parteien zu einem sofortigen Waffenstillstand auf und fordern Israel auf, den ungehinderten Zugang und die Lieferung von humanitärer Hilfe und Gütern in den und durch den Gazastreifen zu ermöglichen, wie vom Internationalen Gerichtshof angeordnet. Die Hamas muss alle am 7. Oktober als Geiseln genommenen Menschen bedingungslos freilassen. Wir fordern die internationale Gemeinschaft auf, ihrer rechtlichen Verpflichtung zur Wiederherstellung der Achtung des humanitären Völkerrechts und zum Schutz der Zivilbevölkerung nachzukommen. Die internationale Gemeinschaft muss sicherstellen, dass alle Verantwortlichen für schwere Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht und die Menschenrechte zur Rechenschaft gezogen werden. Diese Schritte sind unerlässlich, um Menschenrechte und Sicherheit für Israelis und Palästinenser gleichermaßen zu gewährleisten.

Unterzeichnet von:

Akevot Institute for Israeli-Palestinian Conflict Research | Amnesty International Israel | Bimkom – Planners for Planning Rights | Breaking the Silence | B’Tselem – The Israeli Information Center for Human Rights in the Occupied Territories | Combatants for Peace | Emek Shaveh | Gisha – Legal Center for Freedom of Movement | Green Olive Collective | HaMoked: Center for the Defence of the Individual | Ir Amim | Isha L’isha Haifa Feminist Center | Jordan Valley Activists | Looking the Occupation in the Eye | Machsom Watch | Mothers Against Violence Israel | New Profile – The Movement to Demilitarize Israeli Society | Parents Against Child Detention | Peace Now | Physicians for Human Rights Israel | Policy Working Group | PsychoActive – Mental Health Professionals for Human Rights | Rabbis for Human Rights | Social Workers for Peace and Welfare | Solidarity of Nations – Achvat Amim | Standing Together | This Is Not An Ulpan | Torat Tzedek | Yesh Din | Yesh Gvul | Zazim – Community Action

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