Tod des ersten (?) Deutschen im All. AfD will Jähn-Lüge aufdecken

Vorhang zu: Der DDR-Kosmonaut Sigmund Jähn (1937-2019) wurde 1978 als „Erster Deutscher im Weltall“ populär. Am 21. September ist er verstorben. Das ganze Land trauert Sonntagnacht um die Raumfahrtlegende – doch es gibt auch Zweifler. Im rappelvollen Heinersdorfer Krug treffen wir den brandenburgischen AfD-Landes- und Fraktionsvorsitzenden Andreas Kalbitz, der sich in seiner Freizeit in diversen Geschichtsvereinen tummelt. Er schüttelt den Kopf, als zum xten mal der Prinzen-Song „Wer ist Sigmund Jähn?“ durch die Spelunke dröhnt.

Qualitätsmedien wie die WELT hätten Jähn damals zurecht als „Trittbrettfahrer und Mitesser in der Russenrakete“ verspottet, meint Kalbitz, der jedoch die ganze Geschichte in Frage stellt. „Hätte ich damals schon von den Erkenntnissen unserer Forschungsgruppe gewusst, hätte ich die westdeutsche Öffentlichkeit darüber aufgeklärt, dass sie es hier mit einer bewussten Täuschung zu tun hat.“ Kalbitz beruft sich dabei auf Erkenntnisse des „promovierten Naturwissenschaftlers“ Axel Stoll, der in den frühen 2010erjahren lange verschollene Fakten zur Weltraumgeschichte des Dritten Reichs in diversen Ostberliner Kneipen offenlegte. So hätten Nazis bereits 1938 einen Satelliten ins Weltall geschossen und mit Flugscheiben den Mond kolonisiert. „Glaubt kein Wort dieser Jähn-Lüge!“, gröhlt Kalbitz durchs Lokal, „Der erste Deutsche flog 1934 ins All.“ Doch die Stasi habe die Beweise unter Verschluss gehalten und 1989 geschreddert, die Alliierten jegliche Berichterstattung darüber verboten, ist sich Kalbitz sicher und bestellt erst einmal ein weiteres Warsteiner.

„Die Jähn-Lüge war ein ganz offensichtlicher Propagandatrick des SED-Unrechtsstaats“, urteilt auch Marc Bernhardt, stellvertretender Sprecher des Fraktionsarbeitskreises Geschichte der AfD-Bundestagsfraktion. DDR und Sowjetunion hätten den Flug der Sojus 31 in einem kasachischen Gulag inszeniert. Schon beim Sputnik habe es sich lediglich um eine mit Zahnstochern frisierte Eieruhr gehandelt, von der es bezeichnenderweise nur verwackelte Schwarz-Weiß-Aufnahmen gäbe. Auch das Saljut-Raumschiff von Jähns siebentägigem Orbitalflug, den er eigentlich in einem Simulator verbrachte, ähnele verdächtig einem Becher der sowjetischen Joghurtmarke „Yogaschwili“. „Das schlichte Arbeiterkind“ Jähn müsse selbst ein Opfer der Inszenierung gewesen sein. Noch mehr erzürnt den Neuberliner Schwaben Bernhardt die Täuschung der Kinder: „Eine ganze Generation wurde durch die Live-Schaltung im DDR-Sandmann hinters Licht geführt!“. Honecker habe sich durch sein gelangweiltes Gestammel bei der Landefeier dann fast noch verraten.

Kalbitz will jetzt in seiner Partei für eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung werben, um „die bolschewistische Jähn-Show endlich als solche zu entlarven und die Wahrheit über die deutsche Raumfahrt ans Licht zu bringen.“ Bis dahin müsse man im Lügenpresserummel noch eine zeitlang mitspielen. Als wir draußen noch eine rauchen und den Sternenhimmel nach fliegenden Joghurtbechern absuchen, hören wir aus der Kneipe, ob noch jemand Warsteiner bestellt habe. Doch wir müssen unseren letzten Zug nach Pankow nehmen.

Ein satirischer Gastbeitrag der Kneipenjournalisten Marcel K. und Benjamin R.

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