Der junge Karl Marx – Eine Inspiration im Kino

11. April 2017 - 12:00 | | Kultur | 2 Kommentare
Der junge Karl Marx
Regisseur Raoul Peck hat sich an das Portrait eines Mannes gewagt, dessen Ideen die Welt verändert haben,die Rede ist von Karl Marx. Marx hat mit dem „Kommunistischen Manifest“ und dem „Kapital“ der Welt Bücher hinterlassen, die bis heute hunderte Millionen inspirieren und den Weg in eine Zukunft zeigen ohne Armut und Ausbeutung. 

Ein junger Mann, der sich nicht nur mit den staatlichen (preußischen) Autoritäten anlegt, sondern auch mit den bewunderten Lichtgestalten der jungen Arbeiterbewegung wie Proudhon oder auch seinen vorsichtigen Journalisten-Kollegen bei der „Rheinischen Zeitung“. Der Film beschäftigt sich mit dem jungen Karl Marx (August Diehl) in den Jahren vor der Revolution von 1848, einem feurigen Revolutionär und damals schon genialen Denker.

Eine Frage des Besitzes

Zu den Stärken von „Der junge Karl Marx“ gehört zweifellos, dass er einen Bogen spannt von den Ungerechtigkeiten zu Zeiten von Marx und Engels bis zur Gegenwart, wenn am Schluss des Films Krieg und Ausbeutung in der heutigen Zeit in einer schnellen Montage thematisiert werden.

Gleich die ersten Bilder des Films zeigen arme, zerlumpte und verzweifelte Menschen, die im Wald nach Brennholz suchen. Sie werden samt Frauen und Kindern von einem Trupp Reiter brutal nieder gemacht. Marx erklärt aus dem Off, dass dieses Sammeln kein Diebstahl sein könne, weil herumliegende Zweige ja schon vom Wald, dem Besitz getrennt seien. Er betont außerdem, dass es gefährlich für die Herrschenden werden könnte, wenn das Volk sich ungerecht bestraft sieht, es würde sich rächen. Vor allem wird hier eine grundsätzliche Frage gestellt, nämlich die des Besitzes.

Konkurrenz

Während sich der Film auf die Freundschaft zwischen Karl Marx und Friedrich Engels (Stephan Konarske) fokussiert, schafft er es dennoch, einige grundlegende frühe politische Positionen und theoretische Erkenntnisse des Marxismus zu transportieren. Schon bei ihrer ersten Begegnung macht Engels den von ihm bewunderten Marx auf die englischen Ökonomen wie Smith und Ricardo aufmerksam und Marx erkennt, dass der Wert jeder Ware durch die Arbeit bestimmt wird, die in ihr steckt.

Als Marx in einem noblen Club auf einen Großkapitalisten trifft, wirft er diesem vor, in seinen Fabriken Kinder auszubeuten. Der Kapitalist greift Marx nicht nur antisemitisch an, sondern argumentiert auch, er würde bankrott gehen, täte er es nicht. Marx antwortet, dann müssten die Produktionsverhältnisse geändert werden.

Befreiung der Arbeiterklasse

Bei den Auseinandersetzungen innerhalb des „Bundes der Gerechten“, einer frühen linken Partei, die später unter Einfluss von Marx zum Bund der Kommunisten wurde, tritt der Materialismus von Marx gegen die religiös verklärten Vorstellungen und utopischen Träumereien an, die dort vorherrschten. Besonders im Streit mit dem „Sozial-Propheten“ Weitling zeichnet sich schon der weitere Weg von Marx ab.

Diskussionen mit dem „Vater des Anarchismus“ Bakunin, vor allem aber mit Proudhon (dessen Ideen eine große Rolle in der Pariser Kommune spielten) klären die Klassenauffassung des Marxismus. Nicht alle Menschen sind Brüder, Bourgeois und Arbeiter haben gegensätzliche Interessen, die Befreiung der Arbeiterklasse kann nur das Werk der Arbeiter selbst sein.

Liebe und Klassenkampf

Friedrich Engels ist der anfangs noch folgsame Sohn eines reichen Kapitalisten mit Spinnereien in England und Deutschland. Geschockt von der brutalen Unterdrückung der Arbeitenden und ihren elenden Lebensverhältnissen schreibt er „Die Lage der arbeitenden Klasse in England“. Mit diesem Werk empfiehlt er sich Karl Marx, es ist die erste Arbeit zu diesem Thema überhaupt.

Ob historisch bewiesen oder nicht, eine junge mutige, auch noch irische Arbeiterin, Mary Burns (Hannah Steele), stellt sich Engels Vater mutig entgegen – sie wird sofort entlassen. Der junge Engels aber verliebt sich in die tapfere Frau. Was erst als etwas romantisierte, klassenübergreifende Liebesgeschichte beginnt, führt den schnöseligen Bourgeois Engels in die Welt der Elendsquartiere und Arbeiterkneipen von Manchester.

Die Vorstellung vieler Menschen mag anders sein, aber der junge Marx war ein verarmter Intellektueller, ständig auf der Flucht, aus jedem Land ausgewiesen, in das er kam. Neben seiner unermüdlichen Arbeit, die ihm nur wenig Zeit zum Schlafen ließ, kämpfte Marx ständig damit, Geld für den Erhalt seiner kleinen Familie aufzutreiben.

Starke Frauen

Marx’ kongeniale Partnerin ist seine Frau Jenny Marx (Vicky Krieps), die aus einer aristokratischen Familie stammt und im Luxus leben könnte, stattdessen lebt sie in Armut, mit ständig kranken Kindern. Jenny ist erfüllt von der Sehnsucht nach einer neuen Gesellschaft, kann es nicht erwarten, die alte Ordnung zusammenbrechen zu sehen.

Mary, die Frau von Engels, ist als Arbeiterin von einem trockenen Realismus geprägt, der sogar Jenny überrascht. Auf die Frage, ob sie denn keine Kinder wolle, antwortet sie, sie sei arm und müsse arm sein, um kämpfen zu können. Arme aber würden durch Kinder ins Elend gestürzt. Sollte Engels später Kinder wollen, könne er sie ja mit ihrer jüngeren Schwester zeugen.

Der Film endet mit den Diskussionen um das „Kommunistische Manifest“ und dem Ausbruch der deutschen Revolution von 1848. „Der junge Marx“ wurde von der Kritik nicht nur positiv aufgenommen und hat als Film sicher einige Schwächen. Der historischen Person kann ein Film sowieso kaum gerecht werden. Für alle aber, die sich für eine gerechtere Gesellschaft einsetzen wollen, ist er Inspiration. Alleine, dass so ein Film finanziert werden konnte, spricht für die Aktualität marxistischer Ideen in Zeiten von Wirtschaftskrise und Krieg.

Eine Besprechung von Tom-Dariusch Allahyari, die in der Zeitung Linkswende veröffentlicht wurde.

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