Wind und Wetter können uns nichts anhaben – Sexismus und Konservatismus dagegen schon!

Die Vorzeichen für die diesjährige Großdemonstration zum Frauen*kampftag, die am 6. März in Berlin stattfand, waren alles andere als günstig. Der Wetterbericht hatte uns gewarnt, und er behielt Recht – als wir uns auf den Weg zum Startpunkt Rosa-Luxemburg-Platz machten, regnete es bereits munter vor sich hin. Dann gab es eine Sperrung auf der U-Bahn-Strecke, bedingt durch einen Polizeieinsatz im Rahmen einer Spontankundgebung, wodurch wir gezwungen waren, auf eine weniger direkte Strecke auszuweichen. Nach einer fast einstündigen Anreise kamen wir an der Volksbühne an und wurden wie fast schon erwartet von einer eher kleinen Menschenmenge begrüßt. Vor Ort waren diverse Gruppierungen wie beispielsweise die LINKE, das Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung, antifaschistische Gruppen sowie Queer-Aktivist*innen. Akustisch begleitet wurde die Szene von einer Trommler*innentruppe sowie den Rufen einer Gruppe bunt-kreativer internationaler Demonstrant*innen, die ihre Forderungen auf Spanisch Ausdruck verliehen.

Als sich schließlich der Zug in Bewegung setzte, strömten unerwartet zahlreiche Menschen aus allen umliegenden Straßen hinzu, sodass der Zug von etwa 1.000 Personen schnell auf 3.500 anwuchs, die dem mittlerweile strömenden Regen trotzten und ein abenteuerliches Ausweichspiel daraus machten, die teilweise knöcheltiefen Pfützen am Straßenrand zu umgehen. Aus dem spärlichen Publikum am Wegesrand war stellenweise zu hören, was dies denn für eine seltsame Kundgebung sei – doch nach einigen „Flyer-Attacken“ wandelte sich die Stimmung zumeist in Begeisterung darüber, dass eine so große Menschenmenge für die Rechte von Frauen* und damit die Gleichberechtigung aller Menschen an diesem grauen Tag auf die Straße gekommen war. Als schließlich die Lautsprecherwagen begannen, motivierende Popsongs und kämpferische Rapsongs von Frauen zu spielen, wurde die Stimmung fast ausgelassen. Die Reden, die an verschiedenen Punkten des Zuges gehalten wurden, waren kritisch und richteten sich vor allem gegen die Bestrebungen aus dem rechtskonservativen und/oder kirchlich dominierten Lager, bereits errungene Rechte von Frauen wieder rückgängig zu machen.

Ganz besonders klar wurde sich gegen die völkisch-nationalen Bestrebungen der AfD ausgesprochen, die „deutsche Frauen“ laut Wahlprogramm am liebsten mit möglichst vielen Kindern zum „Fortbestand des deutschen Volkes“ wieder in den Haushalt verbannen möchte und sich um die Rechte „nicht-deutscher“ Frauen*, also Migrant*innen und Geflüchteter, überhaupt nicht sorgt. Redner*innen und Sprechchöre gleichermaßen pochten ausdrücklich auf das Menschenrecht, frei über den eigenen Körper verfügen und bestimmen zu dürfen und Sexualität frei zu leben. Kurzum – die Freiheit, als Mensch über Lebensentwürfe selbstständig zu entscheiden, unabhängig vom biologischen oder identifizierbaren Geschlecht. Bei der Abschlusskundgebung war schließlich eine bunte, laute Menge von rund 5.000 Menschen anwesend, was zwar im Vergleich mit den vergangenen Jahren ein Minus bedeutet, angesichts der extrem widrigen Wetterverhältnisse aber ein großartiges, ermutigendes Zeichen ist. Es macht Mut für die kommende Großdemonstration zum Frauen*kampftag am 12. März in Köln – und natürlich für den stetigen Kampf um Gleichberechtigung, der das ganze Jahr stattfindet und für den es nicht genug positive Signale geben kann.

Über den Autor

Für Sozialismus, gegen Quark - im Ruhrpott und international. Themengebiete: US-Bürgerrechtsbewegungen, Feminismus und Frauenkämpfe, Antisexismus und Antirassismus. Herzensangelegenheit: Musik.
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