Grafik: Daniel Kerekes

Die Attentat von Würzburg, der Islam und Ahmad Mansour

Ahmad Mansour, Psychologe und Programmdirektor der European Foundation for Democracy, verbreitet in einem Interview mit Deutschlandfunk vom 20.7.16 wieder ein Mal seine Thesen. Er hat zwar recht, dass es wenig Sinn macht beim Attentat von Würzburg von einer Turbo-Radikalisierung zu sprechen, da es immer längere Prozesse sind, die solche Phänomene erst möglich machen.
Aber folgende Aussagen sind sehr weit hergeholt und ziemlich verkürzt: ‘‘Wenn Menschen mit Werten und Ideologien groß werden, wo das Leben eigentlich verachtet wird, wo man den Tod lebt (…) wenn Feind- und Opferrollen geschaffen werden, wenn man entmündigt wird durch ein Religionsverständnis, was von den Menschen eigentlich Gehorsamkeit erwartet, das man nicht denkt, nicht hinterfragt, dann kann man sich nicht wundern, dass diese Menschen bereit wären, sogar Menschen zu ermorden und in den Tod zu gehen, angeblich mit der Hoffnung, dass sie ins Paradies kommen oder dass sie sich vor der Hölle retten.‘‘

Mansour spricht sogar davon, dass wir Moscheevereine und Islamverständnisse haben, ‘‘die immer noch diese Werte in sich tragen, Feindbilder schaffen, das Leben verachten.‘‘ Aber wer außer einer klitzekleinen Minderheit von radikalen Islamisten oder Takfiris verachtet denn bitte das Leben und liebt den Tod? Wie alle anderen Menschen auch, liebt die überwiegende Mehrheit der Muslime sich und ihr Leben viel zu sehr als dass sie sich durch Attentate in den Tod stürzen würden. Den Islam als Haupterklärungsansatz für Radikalisierung heranzuziehen ohne ein Wort über den Imperialismus und Kapitalismus zu verlieren, die zum großen Teil durch Armut, Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit erst den Nährboden für diese Radikalisierung schaffen, ist ziemlich blindäugig. Dass man sich fragen müsse, „wie konnte so ein Monster innerhalb von uns [Muslimen] entstehen?“ wird nur einen sehr geringen Beitrag zur Ursachenforschung des Problems leisten.

Mansour kommt leider nicht darauf, dass es ein fundamentales Problem mit dem heutigen System gibt, welches die Entstehung solcher Monster erst möglich macht. Dass westliche Interventionskriege Menschen in die Flucht treiben und einige radikalisieren, dass der Rassismus und Neoliberalismus die Menschen entfremdet und so dermaßen desillusioniert, dass einige wenige lieber sterben als dieses miserable Leben zu führen. Dass einige wenige Muslime und Konvertiten den Islam mit dem Glauben benutzen durch die Ermordung von ‘‘Ungläubigen‘‘ ins Paradies zu kommen ist dabei weniger Ursache als Symptom der völligen Entfremdung. Aber Mansour und andere bürgerlichen ‘‘Terrorismusexperten‘‘ kratzen lieber an der Oberfläche als tiefgehende Ursachenforschung zu betreiben. Bei der ganzen Misere auf der Welt sollten wir uns eher darüber wundern, warum es eigentlich so wenige Anschläge von Entrechteten und Unterdrückten gibt, anstatt darüber erstaunt zu sein, dass sie überhaupt stattfinden.

Dir gefällt der Artikel? Dann unterstütze doch unsere Arbeit, indem Du unseren unabhängigen Journalismus mit einer kleinen Spende per Überweisung oder Paypal stärkst. Oder indem Du Freunden, Familie, Feinden von diesem Artikel erzählst und der Freiheitsliebe auf Facebook oder Twitter folgst.

Die ist dein erster Artikel, den du liest. Wir hoffen unsere Inhalte gefallen Dir!

Unterstütze die Freiheitsliebe

1.495€ of 2.000€ raised
Zahlungsmethode auswählen
Persönliche Informationen

Spendensumme: 3,00€

Teilen:

Share on facebook
Facebook
Share on twitter
Twitter
Share on pinterest
Pinterest
Share on linkedin
LinkedIn
Freiheitsliebe Newsletter

Artikel und News direkt ins Postfach

Kein Spam, aktuell und informativ. Hinterlasse uns deine E-Mail, um regelmäßig Post von Freiheitsliebe zu erhalten.

Neuste Artikel

Abstimmung

Deine LieblingspolitikerIn

Ergebnis

Loading ... Loading ...

Dossiers

Weiterelesen

Ähnliche Artikel

Ostern: Jesus ein Sozialist?

Am Ostermontag soll Jesus, so heißt es im Christentum, wieder auferstanden sein. Doch welche Rolle spielte Jesus, der heute von vielen Konservativen für sich vereinnahmt

Frankreich: Kampf gegen Linke und Muslime

Unter dem Namen „Islamo-Gauchisme“ hat die französische Rechte ein neues Kampffeld gefunden, welches zwei Feindbilder von ihnen vereint: Muslime und Linke. Die Debatte um einen