Kroatien: Die EU und der Neofaschismus

10. August 2015 - 15:28 | | Balkan21 | 18 Kommentare

1999 ging die rechtspopulistische Partei FPÖ in Österreich als zweitstärkste Kraft aus den Wahlen hervor. Nach dem Scheitern der Verhandlungen zwischen der SPÖ und ÖVP bildeten die Christdemokraten der ÖVP gemeinsam mit den Rechtspopulisten der FPÖ eine Regierung. Für Brüssel war dies ein rotes Tuch: Die 14 anderen EU-Staaten belegten Österreich mit bilateralen Sanktionen. Israel zog seinen Botschafter ab. Überall in Europa wurden Stimmen laut, der Faschismus sei zurückgekehrt. Mit Kritik wurde nicht gesparrt.

Die heutige Präsidentin Kroatiens Kolinda Grabar-Kitarović und die größte Oppositionspartei HDZ, kokettieren offen mit extrem chauvinistischen und neoustaša Kräften und Ideen. Wie sonst soll man es bewerten, das Thompsons alias Marko Perković ein Semi-Offizielles Staatskonzert gibt, auf dem die Parteiprominzenz der HDZ, aber auch die kroatische Präsidentin auftrat. Und das alles anlässlich der Vertreibung von bis zu 300.000 Serben aus Kroatien, der sogenannten Operation Sturm? Eben jener Sänger, der in seinen Songs über das Abschlachten von Serben (Mit englischen Untertiteln) singt sowie Ustaša Größen wie Ante Pavelić und Jura Francetić feiert. Dabei kann einem nur schlecht werden. Das Lied, das immer wieder herangezogen wird, heißt „Jasenovac i Gradiška Stara“. Das ist so, als ob die FPÖ ein Konzert organisieren würde und der Hauptact auf der Bühne sänge den Song „Auschwitz und Dachau“. Und am Ende des Liedes würde er singen: „Und du Morgenstern über Wien, grüßt uns Adolf Hitler.“

1999 war die EU für die bloße Anwesenheit einer Partei wie der FPÖ in der Regierung bereit, massiven diplomatischen und wirtschaftlichen Druck aufzubauen, um sich gegen neofaschistische Umtriebe zu wehr zu setzen, obwohl es in Österreich deutlich weniger offensichtliche ausgelebten neofaschismus gab. Doch in Kroatien scheint die Neo-Ustaša (Neofaschismus) Ideologie so stark institutionalisiert, das sich keiner wagt dagegen vorzugehen. Doch manchmal kommt es einem so vor, als ob es sich nicht um die demokratische Republik Kroatien handle, sondern um überbleibsel des Ustaša-Staates 1945. Doch die achso progressive EU ignoriert diese Tatsache. Nein, sie fördert den Rechtsruck noch.

Es offenbart mehr über die EU, als über Kroatien. Für die EU ist es ein Problem, wenn sich jemand gegen die NATO, Troika oder den Kapitalismus stellt. Jedoch nicht, wenn mitten unter den 28 EU-Regierungen ein Staatsoberhaupt offen mit Nationalismus spielt und den Faschismus zurückwünscht. Egal ob Kiew oder Zagreb: Wichtig ist nur die geopolitische Strategie.

Doch die EU ist nicht mehr ohne Widerstand: Überall in Europa erstarken auch sozialistische Parteien. Auch in Kroatien hat sich mit der Arbeiterfront eine Linke Partei gebildet. Und die größten Städte haben Antifa-Strukturen aufgebaut. Leider können diese nur in der Illegalität arbeiten: Wer sich als Antifa-Mitglied outet, muss um sein Leben fürchten.

Über den Autor

Bundessprecher der linksjugend ['solid] und Wortakrobat für die Freiheitsliebe, Balkan21 und andere Medien.
Ihr findet mich auf: Twitter Facebook

18 Kommentare

  • 1
    Zoran sagt:

    Mr Kerekeš,

    it’s one thing to have your opinion and another thing to lie to your readers.

    I’m not a HDZ fan at all. But Croatian president did all she could since she’s the president, to distance herself from all of the political extremes, right and left. She visited Jasenovac, to commemorate victims of a WW2 concentration camp. She removed the statue of Josip Broz Tito from her office, who was a murderer, among other things. She clearly said that every crime committed after the ‚Storm‘ had to be prosecuted and punished.

    If you think Operation ‚Storm‘ can’t be justified, what would you think if Turks had an uprising in Germany, occupied one third of a territory and defended it with guns? Would you fight them with your keyboard? War is not a nice thing and people get killed. It’s easy to be a peace activist in the times of peace, living in Germany. Did you know that Serbian peace activists in the so called Krajina were killed by their own political leadership? Peace was not an option for them.

    Have you ever listened to people like Milan Martić, Vojislav Šešelj and Milan Mrkšić talking? If you have, you’d probably know why so many Serbs left Croatia for Serbia (and were allowed to safely do that). They were the ones that told people to go ‚or else…‘. Croatian leadership only allowed them to do so.

    Did you know that around 10.000 Serbs were fighting in the Croatian Army? Why do you think that is? They were the ones who didn’t believe the likes of Milošević and the people I mentioned above. They knew right from wrong. Serbs in Croatia were deluded by their crazy leaders in Croatia and Serbia. Most of those people who ran away are not to blame and are victims of crazy Serbian politicians who wanted to establish Greater Serbia.

    As for the crimes, they were committed after the Operation. There is no war without war crimes, Croatian not excluded. After four years of war and tens of thousands Croatians killed all over the country, it was to be expected. One Croatian general admitted that we were not ready to sustain peace after Croatia defeats the rebels. And people who committed those crimes have to be punished.

    But to tell people that the military operation, which started with a goal to reclaim one third of country’s territory which was taken by guns and killings, is not justified, is justifying rebels who have murdered to occupy it. So, see, you’re not really a peace activist. You’re a justifiator of murderers and crazy-ass politicians who started the war in the first place.

    • 1.1
      Marijan Nedic sagt:

      Zoran – so true !
      If you look at WWII, 60 years after war the US media developed series like band of brothers, pacific also in response to Saving Private Ryan. What do we see in these screenplays ? War Crimes committed by American G.I’s. However as the characters develop, we feel sympathy and gain understanding for the emotions they get overwhelmed with if their comrads die by shootings from „civilians“ that indoctrinated and abused by ideology. However we cope with this, since we have the bigger picture and understand the dynamics that led to WWII.

  • 2
    rote_pille sagt:

    Dreckige Lügen! Mit der Operation haben wir unser Territorium von den Besatzern befreit, die Serben haben von ihrer Regierung den Befehl bekommen abzuziehen. Und in Jasenovac wurden nach dem Krieg unter dem kommunistischen Regime politische Gefangene gehalten und gefoltert. Haltet einfach den Mund wenn ihr keine Ahnung habt!

  • 3
    Ich sagt:

    Hallo Herr Kerekes,

    nehmen sie mir das nicht übel aber ich kann ihrem Bericht nicht zustimmen.

    Was genau heisst den „semi-offiziell“? Meines Wissens hat Thompson in Knin ein Konzert gegeben und nicht in Zagreb….wo die Parade war. Es verhält sich nämlich so, das in Knin sehr wohl nationalisten diesen Tag missbrauchen für ihre eigenen zwecke und eben in Knin aufmarschieren.

    Das hat aber NICHTS mit der Veranstaltung in Zagreb zu tun. Es verhält sich eher so das die Veranstaltung in Knin den Politikern ein Dorn im Auge ist.

    Keiner feiert die Vertreibung von „300.000“ serben(ganz schön aufgemotzt die Zahl Herr Kerekes).
    Man feiert die Rückkehr von 200.000 kroaten in ihre Heimat.
    Man feiert Frieden nach 4 Jahren Krieg in Kroatien.
    Kurz adrauf war übrigens der krieg in Bosnien ebenfalss beendet. Auch das dank Oluja.
    Man feiert die unabhängigkeit von einem Staatenkonstrukt das bis Titos tot funktioniert hat und innerhalb von wenigen Jahren durch serbisches machtgehabe zerstört wurde(unter anderen durch den enzug der autonomien der Vojvodina und dem Kosovo.

    Wieso sieht man hier nur die evakuierten(ja, das sage ich bewusst) serben? Wie der Vorposter Zoran es schon beschrieben hat. Kroatien hatte zu Kriegsbeginn nichts, keine Militärische stärke, keine politische macht. Die serben waren darauf aus Großserbien zu errichten und haben ALLE Friedensangebote abgelehnt. Zum Schluss den Z4-Plan in Kroatien der noch nicht mal in empfang genommen wurde oder den Vance Owen Plan in Bosnien obwohl dieser gerade die Bosnier zerstückelt hätte(was das Land angeht).

    Wie die serben politisch mit Slowenien und Kroatien umgegangen sind, sah man Eindrucksvoll am ausserordentlichen kommunistischen Kongress im Frühjahr 1991. Bei diesem Kongress wurden ALLE slowenischen Vorschläge unter tosendem Applaus abgelehnt…

    Ich finde es ehrlich gesagt unverschämt wie einseitig, übertrieben, ja sogar falsch Berichtet wird(Thompson spielte in Knin und das hat NICHTS mit Zagreb zu tun) und zudem noch ohne Kontext.
    Als ob Kroatien aus heiterem Himmel mit Oluja begonnen hat.
    Hier der evakuierungsbefehl von Milan Martic:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Oluja#/media/File:Martic-order1995.jpg

    Herr Kerekes, darf man Fragen ob sie serbe sind? das würde nämlich einiges erklären….

  • 4
    Mila sagt:

    Sehr geehrter Herr Kerekes,

    ich gebe Ihnen 100% Recht was Sie da schreiben. Die Ablehnung, Wiederstand von Kommentar Teilnehmer zeigt dass Wahrheit die ans Licht kommt eine gewise Verwirrung, Emotionaleskonflikt in sich trägt…
    Vergebung ist die Beste Medizin und alles besser machen. Vergeblich, Menschen sind nicht Menschen sondern leere Gefäse volle Hass.

    Weiter so! Danke für Ihr gute Beitrag

    • 4.1
      Ich sagt:

      Jaja, mila….deswegen kommt immer die Nazikeule den kroaten entgegengeschleudert….weil ja Vergebung die beste Medizin ist. Gerade diese Paranoia und Shizophrenie hat(unter anderem) diesen Konflikt ausgelöst.

      Die kroaten sind alle Nazis! Die Ustasa kommen!

      Aber auf diesem Niveau darf man sich öfter mit serben unterhalten.
      Da bekommt man Bedeutungsschwangere Begriffe wie „die Wahrheit kommt ans licht“ und „Vergebung ist die beste Medizin“(merken sie die Ironie überhaupt?) zu hören.

      Wenn sie schon so auf Floskeln abfahren…wie wäre es mit: Wer wind säht, wird Sturm ernten. 😉

      Weiter so MIla! Toller Beitrag!

  • 5
    thirdjack sagt:

    unfassbar was hier an Lügen aufgetischt wird….
    Wer das liest und glaubt tut mir Leid!
    Die Geschichtsbücher bestätigen dass sich die Kroaten verteidigt haben und kein Aggressor waren! Und wenn Sie diesen Tag feiern dann genau deswegen und nicht wegen irgendwelchen anderen von dem Verfasser erfundenen bzw. mit halbwahrheiten falsch dargestellten Gründen!
    Erst informieren dann schreiben!
    Sonst wird’s peinlich……

  • 6
    Heino sagt:

    Schön, dass es hier den Balkanteil gibt! Doch leider hat er Autor nicht nur wenig Ahnung vom BAlkan sondern auch eine ganz bestimmte politische Position. Wenn Sie die HDZ mit der FPÖ vergleichen ist das lächerlich. Wie sieht es dann bitte um die Regierungspartei in Serbien aus? Der Auftritt von Kolinda in Knin war politische Taktik. Das würden sie auch verstehen, wenn sie Bescheid wüssten, wie die politische Situation im Land ist. Aber Kroatien ist ja in der NATO und gehört zum bösen Westen, weshalb natürlich hier von ihnen nur Vorgefertigtes kommt, dass man auch auf jedem billigen Anti-Nato Blog lesen kann. Schauen Sie sich bitte an, wie Kroatien im Vergleich zu Ungarn und vielen anderen Ländern auf EU-Basis wählt.

    Wenn man mal wieder die Faschismuskeule bemüht, sollte man einen ausführlichen Artikel schreiben. Die Tatsache, dass Seselj mal wieder eine kroatische Fahne, dieses mal vor der Botschaft in Belgrad, verbrannte, zeigt die Situation doch ganz gut.

    Ihnen kommt Kroatien wie ein Ustasa-Staat vor? Interessant, wo doch die Sozialisten an der Regierung waren und in Kroatien nicht immer Rechts gewählt wird. Kroatien ist das Land auf dem Balkan mit der liberalsten Politik, selbst im EU-Vergleich gehört Kroatien nicht zu den Ländern, die absolut rechts sind. Arbeiten Sie sich an Ungarn ab.

    Ihre Kollegen in der Redaktion sollten sich überlegen, ob sie hier weiter ihre Hetze online stellen wollen. Denn politisch links sind sie nicht, sondern voreingenommen.

    • 6.1

      Mein geschriebenes Wort bleibt weiterhin richtig, auch wenn anders siehst. Sollen wir vielleicht darüber schreiben, das führende Eliten Kroatiens den Gruß „Za Dom Spremni“ wieder einführen wollen? Nationalismus hat hier keinen Platz und deswegen haben ALLE Autoren der Freiheitsliebe und Balkan21 eine politische Position: Das ist der Antifaschismus, Antimilitarismus und Umweltschutz.

      Ich würde die kroatische Sozialdemokratie genau sowenig als links bezeichnen, wie die serbische „sozialistische Partei“. Ein Staat ist jedoch mehr als seine Regierung. Natürlich gehört Kroatien, neben Ungarn, Frankreich und bald vielleicht Polen und die baltischen Staaten, zu den Ländern der EU die das massivste Rechtsruck Problem haben.

      • 6.1.1
        Heino sagt:

        Reden wir doch darüber, warum so ein Hinterwäldlerverein von krzni put Fanatikern und ein dämlicher Bischof für dich die Elite des Landes darstellen.

        Du meinst, dass jeder kritische Kommentar von einem Nationalisten ist. Lern erst einmal was Antifaschismus bedeutet, bevor du hier die Linie der serbischen Hetzpresse vertrittst. Wissen deine Mitautoren eigentlich genug über den Balkan, dass sie erkennen könnten, dass du hier eine ziemlich üble Sache abziehst? Jedes Land kommt schlecht weg, nur Serbien nicht. Den aktuellen Bericht von AI gelesen? Wahrscheinlich nur Propaganda, das Thema wird ja erst interessant, sobald Kroatien im Spiel ist. Warum aber wird nicht erwähnt, welche Alternativveranstaltungen es in Rijeka und Split gab? Warum nicht die Reihe von Schriftstellern und Journalisten in Kroatien, die die Hinterwäldler jeden Tag auf einem Niveau bekämpfen, dass du wohl leider nicht einmal anstrebst. Genannt sei nur Ante Tomic oder Boris Dezulovic.

        Der Faschismus auf dem Balkan ist schlimm genug, aber hier einem Handke den Arsch küssen, Mist schreiben und dann nicht einmal den Mumm haben etwas vom wirklichen Kampf da unten zu erzählen. Klar, ist anstrengend, man lebt ja nicht unten und bekommt nichts mit. Dabei müsstest du nur in Split in die erste Buchhandlung am Platz marschieren und wüsstest um den Geist der Intellektuellen dort, die du hier mit vielen Artikeln verspottest. Also worum geht es bei Balkan21? Um den Kampf wider die NATO auf Kosten der Balkanvölker oder einfach nur darum, die Geschichte umzuschreiben und antiwestlich zu sein.

        Macht eure Hausaufgaben, dann würden auch reihenweise Spenden eingehen. Aber wer will bitte für subjekten Müll Geld Zahlen. Den gibts kostenlos in jeder Hetz-Zeitung des Balkans.

      • Deni sagt:

        Die Präsidentin eines Landes sowie Bischöfe in einer Staatstragenden Kirche sind Teile der Elite des Landes. It’s capitalism…

      • heino sagt:

        Nur, dass die Präsidenten sich dagegen ausgesprochen hat. Ich weiß, es wurde anders berichtet. Schließlich müsste sie ihre Ustasaideologie verbergen, wegen der EU.

        Das ist doch alles Nationalismus. Entweder der Balkan interessiert einen oder eben nicht. Für dämliche Hetze lohnt sich diese Sparte hier kaum

  • 7
    Fikrer Abdic sagt:

    Man sollte als Journalist nur dann was schreiben wenn man Ahnung von
    dem auch hat. Vielleicht blüht Ihnen ja noch eine Karriere als Kinderbuchautor

    • 7.1

      Kinderbuchautoren, wenn sie denn gut arbeiten, haben eine anspruchsvolle Tätigkeit. Trotzdem lustig, wie alle Nationalisten im Dreieck springen, wenn man ihre geliebten Länder kritisiert.

  • 8
    Deni sagt:

    Es ist Interessant zu sehen, dass sich hier nationalistischer Müll wiederholt. Balkan21 hat sehr gute Berichte über Antifaschismus und Linke Gruppe in Kroatien, Albanien und anderen Ländern veröffentlicht. Aber klar ignoriert man sowas. Man will die Wahrheit nicht sehen und alles was Nationalisten nicht in den Kram passt wird weggeschrien. Auch Kritik an Serbien ist in Artikeln wie dem zu Draza Mihajlovic zu finden. Aber es ist höchst interessant, wie man einen Typen angreift, der Nationalismus überall attackiert.

  • 9
    malisa sagt:

    Die traurige Wahrheit, Vielen Dank Herr Kerekes