Foto: Daniel Kerekeš

Slowenische Bank nach Sanierung privatisiert

Die slowenische Tagezeitung Delo berichtet, dass die zweitgrößte Bank des Landes privatisiert werden soll. Aller Voraussicht nach wird die Nova Kreditna Banka Maribor (Nova KBM) für 200 Millionen Euro an den amerikanischen Hedgefonds Apollo verkauft. Kurz zuvor wurde sie für eine Milliarde Euro vom Staat saniert.

Der Verkauf der Nova KBM ist Teil einer Angekündigten Privatisierungswelle der sozialdemokratischen Partei der modernen Mitte. Der slowenische Investitionsfonds, ein staatlicher Fonds, wollte den Verkauf nicht bestätigen, erklärte aber, der Verkauf wäre noch nicht abgeschlossen.  Die ungarische Bank OTP ist nach Reuters Informationen zweithöchster Bieter. Diese teilte mit, sie wäre im Bieterprozess unterlegen gewesen und die Privatisierung abgeschlossen.

Staat sanierte Bank für 1 Milliarde Euro

200 Millionen Euro hören sich für den Staatshaushalt nach einer guten Einnahme an, völlig unabhängig davon, wie man zur Privatisierung von Banken steht. Doch, Moment Mal?!? Wurde die Nova KBM nicht vor wenigen Jahren für ca. eine Milliarde Euro vom Staat gerettet, was Slowenien in eine Krise stürzte? Nachdem die Steuerzahler also eine Milliarde Euro investiert und die Konten der Reichen gerettet haben, soll der gewinnbringende Teil nun für 200 Millionen veräußert werden? Hier kann jeder selbst eine Milchmädchenrechnung machen, es wird immer dasselbe Ergebnis sein.

Risiken und Bad Bank

Eine weitere interessante Tatsache ist, dass der Staat die Hälfte aller Risiken der Bank übernehmen soll, auch nach Verkauf. Diese belaufen sich nach aktuellen Angaben auf ca. 70 Millionen Euro. Gleichzeitig hat Slowenien alle „schlechten Wertpapiere“ der Bank in eine Bad Bank ausgelagert. Sie folgen damit der von Marx bereits im 19. Jahrhundert postulierten Kritik: „Gewinne werden privatisiert – Verluste sozialisiert“. Zahlen muss also am Ende der slowenische Steuerzahler, während der Käufer eine saubere und funktionierende Bank erhält.

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3 Antworten

  1. Das finde ich völlig in Ordnung.
    Solange Schulden auf der Bank sind, solange wird sich keine andere Bank interessieren.
    Und eine Staatsbank wurde offenbar nicht gebraucht.
    Wo ist das Proble? In der Vergesellschaftung der Verluste?
    Dazu hätte es keine Alternative gegeben. Anders geht es eben nicht. Oder man hätte, wenn keine Staatsbank (in Erinnerung an den gescheiterten Sozialismus im Lande) gewünscht ist, die Bank schließen müssen!

    1. Hi Kuno,

      das problematische an der Sache ist folgende: Die Bank wurde mit Steuergeldern saniert, hat also seine größten Sorgenkinder in Bad Banks etc. auslagern können. Nach der Sanierung, also dann, wenn sie wieder profitabel arbeitet, soll sie für einen Bruchteil der Sanierungskosten wieder auf den Markt geworfen werden, das ist unseriös und bedeutet, dass die slowenischen Steuerzahler 800 Millionen Euro an den neuen Eigentümer verschenkt haben,

      Liebe Grüße

      1. @ Kerekes

        Dann hätte eben der Käufer die 800 Millionen Euronen mitbringen müssen.
        Offenbar hatte sich aber keiner gefunden!

        Und weil das so ist, ist die Sache „alternativlos“.
        Aber ich bin ohnehin der Meinung, dass die Schuldenkrise, die 2008 begann, hätte ausgeschwitzt werden müssen. Jetzt vertieft sich das alles immer weiter bis zum finalen Ende.

        Viele von uns kennen die langen Kondratiew- Wellen. Die war 2008 möglicherweise erreicht, wenn auch mit reichlicher Verspätung. Aber was folgt nun daraus? Daraus folgt, da die extensive Gelderzeugung nicht beendet wurde, dass die große Krise, gemäß der langen Welle, nur verschoben worden ist. Allerdings muss man auch sehen, dass derzeit die Sparer (je mehr einer hat, desto mehr) enteignet, d.h. „entspart“ werden. Eine direkte Folge der Extremzinsen im EU Raum.

        In Summe müsste ich also sagen, dass diese slowenische Bank besser hätte schließen sollen.
        So wird diese eben erhalten. „Wer von Euch ganz ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein!“

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