Was Karl Liebknecht über die Unterstützung von Kriegen sagte

13. Mai 2015 - 14:27 | | Politik | 1 Kommentare
Karl Liebknecht

Karl Liebknecht muss jedem Sozialisten ein Begriff sein. Dieser Mann war eine der bedeutensten Persönlichkeit der deutschen Arbeiterbewegung und seine Werke und Reden sind aktueller denn je. Seine Rede zur Ablehnung der Kriegskredite für den Ersten Weltkrieg hat hierbei eine Relevanz für die heutige Betrachtung der Debatte ob linke Parteien Krieg unterstützen sollen oder nicht. Beleben wir seine Worte. Ein Artikel von Jannis Dmpls.

Die Rede aus dem Jahr 1914 nutzt Liebknecht um sein Wahlverhalten gegenüber den Kriegskrediten zu rechtfertigen. Vorab lässt sich sagen, dass Liebknecht die Kredite ablehnte und er in diesem Zusammenhang einem immer kleiner werdenden Kreis der SPD angehörte, die Krieg strikt ablehnte. Diese Differenzierung der Parteimeinung ist in der Entwicklung der SPD und somit auch in ihrer Zeit als Fraktion im Reichstag zu begründen. Auf diesen Hintergrund soll verzichtet werden. Dieser Artikel thematisiert lediglich die Meinung Liebknechts zu der Frage der Kriegskredite.

Schon zu Beginn seiner Rede charakterisiert er den Krieg als einen „imperialistischen Krieg um die […] Beherrschung des Weltmarktes, um die politische Beherrschung wichtiger Siedlungsgebiete für das Industrie- und Bankkapital“ (Z.2f). Dieser Krieg sei des Weiteren nicht „für die Wohlfahrt des […] Volkes entbrannt“ (Z.1f). Der Krieg sei nach Auffassung des Redners ebenfalls um ein Mittel zur „Demoralisierung und Zertrümmerung der […] Arbeiterklasse“ (Z.4f).

Tatsächlich lässt sich dieser Charakter begründen. Der Imperialismus hat neben machtpolitischen Aspekten ebenfalls den Sinn ökonomische Vorteile zu erlangen. Diese Vorteile entstehen durch die Erschließung von neuen Absatzmärkten und der Ausbeutung von Ressourcen in Kolonien. Die Industrie, die während der Zweiten Industrialisierung an Bedeutung gewannen (‚Elektro- und Chemieindustrie) steigerte durch den Krieg und die imperialistischen Bestrebungen Deutschlands ihren Gewinn. Ebenfalls profitierte die Rüstungindustrie durch die erhöhte Nachfrage an Waffen, Munition und Geschützen.

Die Arbeiterklasse, die ohne Frage den Krieg zu führen hat, verliert durch die Schaffung eines Feindes ihre revolutionären Bestrebungen und identifiziert sich folglich mit Kaiser und Reich. Die Macht der revolutionären Arbeiterklasse wird geschwächt. Dies lässt sich ebenfalls an der „Burgfriedenpolitik“ der MSPD belegen, die auf Streik und Protest während des Krieges verzichteten um die Profiteure des Krieges nicht zu behindern.

Die Äußerung man wolle „Gegen den Zarismus“ (Z.7) kämpfen, habe nach Auffassung des Autors keinen Wahrheitsgehalt, da in den vergangenen Kriegen ähnliche Parolen gebraucht wurden um Krieg zu legitimieren. Deutschland sei Mitschuldige[r] des Zarismus“ (Vlg. Z.8), „Muster politischer Rückständigkeit“ (Z.8f) und folglich kein „Völkerbefreier“ (Z.9). Die Befreiung des Volkes müsse „deren eigenes Werk sein“ (Z.9).

Diese Äußerungen lassen sich ebenfalls belegen. Grade der Aspekt der politischen Rückständigkeit soll hervorgehoben werden. Deutschland war zu Zeit des Kaisereichs zwar de facto ein Verfassungstaat, die Realisierung von immanenten Grundrechten kann jedoch nicht daraus abgeleitet werden. Durch die Verfassung war das Parlament an den Kanzler gebunden, dieser jedoch an den Kaiser. Es gab für den Kaiser rechtlich gesehen zu jedem Zeitpunkt die Möglichkeit das Parlament aufzulösen. Die Gewaltenteilung bspw. ist folglich nicht gewährleistet. Es ist somit Idiotie mit einer solchen Parole ins Feld zu ziehen. Die Befreiung muss nach Liebknecht, so wie es später in Russland der Fall war, durch revolutionäre Bestrebungen passieren.

Ein „schleuniger Friede […] ohne Eroberungen“ (Vlg. Z. 13) sei notwendig. Nach Auffassung des Autors kann nur „eine dauernde Stärkung der auf einen Frieden gerichteten Strömungen“ (Z.13ff) dem Krieg Einhalt gebieten. Dieser Frieden entstehe durch die „internationale[n] Solidarität der Arbeiterklasse“(Z.15).

Karl Liebknecht offenbart sich durch diese Äußerungen als Antimilitarist und weist aus, dass Frieden das Ziel der Arbeiterklasse sein muss. Dieses Ziel folge aus der Internationalen Solidarität, die auch in den Theorien Marx eine große Rolle spielt. Liebknecht argumentiert in dieser Rede also in marxistischer Tradition und sieht die Verantwortung für die Gewährleistung von Frieden in der Hand der Arbeiterklasse und deren Verhalten gegenüber den Völkern der anderen Nationalstaaten. Das Interesse am Frieden ist somit ein wichtiger Bestandteil seiner Auffassung von marxistischer Politik. Die Tatsache, dass in Kriegen Arbeiter auf Arbeiter schießen, unterstützt diese These.

Im letzten Abschnitt seiner Rede differenziert er zwei Nutzungsweisen der Notstandskredite. Diese sind grundlegend für sein Stimmverhalten. Auf der einen Seite unterstütze der Redner Mittel, „die unserer Brüder im Felde, den Verwundeten und Kranken“ (Z.17f) helfen. Diese gingen dem Redner nicht „weit genug“ (Z.18). Auf der anderen Seite müsse Liebknecht jedoch „unter Protest […] gegen den Krieg […] gegen die kapitalistische Politik [..] gegen die Annexionspläne […] den Bruch der belgischen und luxemburgischen Neutralität, gegen die Militärdiktatur, gegen die soziale und politische Pflichtvergessenheit“ (Z.18ff.) die Bewilligung der Kredite ablehnen.

Durch diese Äußerungen solidarisiert Liebknecht sich mit den Soldaten, die in den Krieg ziehen müssen, Leid ertragen, verurteilt jedoch die Kredite, die lediglich dafür genutzt werden sollen, den Krieg und die damit verbundene kapitalistisch-imperialistische Politik zu unterstützen.

Liebknecht lehnt die Notstandskredite also ab. Was bedeutet dies für die aktuelle Debatte zur Beteiligung an Auslandseinsätzen? Grade in der sozialistischen Bewegung gibt es eine große Diskussion zu diesem Thema. Karl Liebknecht charakterisiert den Krieg als ein Mittel zur Durchsetzung von kapitalistischen Interessen. Dieses Mittel habe zur Folge, dass Arbeiter gegen Arbeiter in den Krieg ziehen. Dies kann und darf jedoch nicht im Sinne eines Sozialisten, eines Marxisten sein, der die internationale Solidarität als das einzige Mittel zur Befreiung des momentanen Zustands sieht, sein. Die Entwicklung von Klassenbewusstsein und die Kooperation der Arbeiterklassen aller Länder muss der Weg sein, den wir einschlagen um Krieg für alle Zeit aus den politischen und ökonomischen Werkzeugen zu streichen. Der Demoralisierungscharakter, den Karl Liebknecht dem Krieg zuschreibt, die Zersplitterung der Arbeiterklasse, darf keine Unterstützung erfahren. Dieser Demoralisierungschrakter, neben vielen anderen Aspekten, macht Krieg zu einem Mittel, dass nicht nur Humanität und Verstand aus den Köpfen der Menschen tilgt, sondern auch die Arbeiterklasse sich selbst zerstören lässt. Lasst Liebknecht, der diese Gedanken mit der Welt teilte, wieder auferstehen und Krieg zu dem machen, was es sein soll: Geschichte.

 

 

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Quelle: https://www.marxists.org/deutsch/archiv/liebknechtk/1914/12/reichstag.htm

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