Nein zur Asylrechtsverschärfung

9. Oktober 2015 - 14:42 | | Politik | 1 Kommentare
Refugees Welcome – Banner Linksjugend Solid Ruhr

Am 15. Oktober ruft ein Bündnis in Berlin zu einer Demonstration gegen das geplante neue Asylgesetz auf. Genau zu diesem Zeitpunkt werden wohl die Parlamentarier Deutschlands die letzten Reste des Artikels 16 des deutschen Grundgesetzes den gar ausmachen. Dabei spielt die Bundesregierung Flüchtlinge und hier Lebende Menschen gegeneinander aus. Dabei sollte die Forderung nicht weniger Flüchtlinge lauten, sondern Millionäre besteuern und Geld für soziales und Flüchtlinge bereit stellen. Immerhin ist Deutschland das viert reichste Land der Welt.

Dazu schrieb Thomas Fischer, Bundesrichter in Karlsruhe, einige interessante Zeilen für die Zeit, die alle Ewiggestrigen Lügen strafen:

Lassen Sie uns überlegen: 360.000 Quadratkilometer für 82 Millionen angebliche Deutsche macht 4.300 m² pro deutschen Menschen (220 pro km²). Kämen nun, sagen wir mal 60 Millionen dazu (derzeit geschätzte Zahl der Kriegsflüchtlinge auf der Welt), blieben für jeden gerade einmal noch 2.600 m², die Dichte stiege auf 360 pro km² an. Das entspricht ziemlich genau der Bevölkerungsdichte von Israel (370), Indien (370) oder Japan (340) und liegt zwischen den Niederlanden (400) und Belgien (350). In Bangladesch (1070) gilt das als gähnende Leere; auch in Südkorea (520) ist’s ein bisschen enger. Trotzdem – und auch dies muss man einmal sagen dürfen: Die schaffen das.

Naja…hier Mal ein paar Worte aus dem Aufruf: Am 15. alle nach Berlin!

„Am 15.10.2015 soll im Bundestag das „Asylverfahrensbeschleunigungsgesetz“ verabschiedet werden. Bereits einen Tag später soll das Gesetz den Bundesrat passieren und zum 01.11. in Kraft treten. Dies bedeutet eine weitere massive Verschlechterung der Lebensbedingungen von Flüchtlingen in Deutschland: Zwangsverbleib von Flüchtlingen aus dem Westbalkan bis zu deren Abschiebung in Erstaufnahmelagern Verlängerung der Zwangsunterbringung in Erstaufnahmelagern bis zu 6 Monaten, bei gleichzeitigem Arbeitsverbot für alle, bei denen der Asylantrag abgelehnt wurde und die nur eine Duldung besitzen. Absenkung von Sozialleistungen für Ausreisepflichtige unter das vom Verfassungsgericht definierte menschenwürdige Existenzminimum. Generelle Stärkung des sogenannten „Sachleistungsprinzips“ Einstufung von Staaten wie bspw. des Kosovo, in dem fünftausend KFOR-Soldaten stationiert sind, als sicheres Herkunftsland um, ohne gründliche Prüfung der politischen Umstände, Menschen aus den Ländern des Balkans schnell in eine gefährliche Zukunft Abschieben zu können. Erschwerter Zugang zu Härtefallkommissionen und die gesetzliche Vorgabe zur Abschiebung ohne Ankündigung

Dies ist bereits die zweite Asylrechtsverschärfung dieses Jahres. Stand bei der letzten Verschärfung im Juli die Beschränkung der Bewegungsfreiheit der Flüchtlinge durch die Ausweitung von Haftmöglichkeiten und Einreisesperren im Vordergrund, geht es jetzt darum, ihnen das Leben so schwer wie möglich zu machen.
Ein solches Vorgehen ist schäbig und steht im Gegensatz zu den Prinzipen einer solidarischen Gesellschaft, wie wir sie wollen. Die Würde des Menschen ist nicht einschränkbar! Dies wird nicht der letzte Angriff auf das Grundrecht auf Asyl bleiben. Weitere einschneidende Maßnahmen, wie die Einführung von Asyl-Schnellverfahren direkt an den Grenzen, befinden sich bereits in der Vorbereitung.
Begleitet wird das ganze durch eine Diskussion über „gute“ und „schlechte“ Geflüchtete: für die Guten Integration, für die Schlechten Haft und Abschiebung. Genau hier finden Nazis und Pegida Anschlussmöglichkeiten. Mit Willkommenskultur hat das alles nichts zu tun. Im Gegenteil: Es steht dem Engagement von vielen Menschen in den letzten Wochen und Monaten diametral gegenüber! Wir fordern die Abgeordneten dazu auf, sich dieser verlogenen Doppelmoral zu verweigern und dieser rassistischen Gesetzgebung nicht zuzustimmen.

Am 15.10.2015, von 9.30 bis 11.30 findet unser Protest auf der Wiese vor dem Bundestag statt. Lasst uns dort zeigen, dass diese dramatische Verschärfung des politischen Drucks auf Flüchtlinge und Menschen in Not nicht ohne Widerspruch bleiben wird! Lasst und gemeinsam auf Schildern, Pappen und Plakaten den Verantwortlichen vor Augen führen, dass diese Politik nicht in unserem Namen geschieht! „Asylrechtsverschärfung? – nicht in meinem Namen!“ – „Angriffe auf die Existenz von Flüchtlingen? – Nicht in meinem Namen!“ „Unverantwortliche Ausweitung der ‚Sicheren Herkunftsländer‘? – Nicht in meinem Namen!“ „Menschenwürde nicht mehr für alle? – Nicht in meinem Namen! Bringt eigene Schilder und Pappen mit oder malt diese vor Ort!


#nicht_in_meinem_namen !
Dies kann nur der Auftakt sein für die kommende Auseinandersetzung um den Umgang mit geflüchteten Menschen und das Asylrecht. Alle, die an weiteren Aktionen mitwirken wollen, sind herzlich zur Kontaktaufnahme unter fluchtistkeinverbrechen@posteo.de eingeladen.“

Über den Autor

Bundessprecher der linksjugend ['solid] und Wortakrobat für die Freiheitsliebe, Balkan21 und andere Medien.
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Ein Kommentar

  • 1
    Benjamin Israel sagt:

    Hier isser wieder, einmal noch.

    Wer zum JETZIGEN Zeitpunkt, bei der aktuellen Politik von Frau Merkel allen Ernstes die Asylpolitik von „links“ kritisiert, der kommt mir so vor wie die vielzitierte Frau die vor einem 5 Meter breiten, prall gefüllten Kleiderschrank steht und seufzt : “ Ich hab gar nichts zum anziehn“.
    Hänschen und Lottchen Nimmersatt aus gutbürgerlichem Haus schimpfen darüber, dass „wir“ zu wenige Menschen aufnehmen, während arbeitende Bürger an der äussersten Grenze ihrer Belastbarkeit versuchen, das Problem zu lösen. Selbstverständlich müssen wir Menschen in Not aufnehmen, und selbstverständlich verpflichtet mich mein Glaube, mich persönlich für Flüchtlinge zu engagieren.
    Linksgrünes permanentes Fordern und Hetzen gegen Normalbürger, die als Pack und Nazis diffamiert werden,
    linksgrünes Wegsehen bei Gewalttaten von muslimischen Flüchtlingen gegen Christen, gegen Yesiden, gegen Frauen…….das ist nicht hilfreich, das ist kontaproduktiv und naiv, das gefährdet den sozialen Frieden.
    So, genug Stoff zum Nachdenken.
    Tschüss.