Marxismus-Feminismus – eine gute Beziehung?

2. Mai 2018 - 12:38 | | Politik | 5 Kommentare

Wie halten Feministinnen es mit dem Marxismus? Erkennen wir eine Brücke, ist das, was Marx geschrieben hat, nutzbar für uns um unsere Lage zu erkunden, sie zu beschreiben, zu verstehen und zu ändern? Marxistische Feministinnen bejahen dies. Frauenunterdrückung und Kapitalismus ist nicht getrennt zu denken.

Für den Kapitalismus war die Frauenunterdrückung immer ein Mittel, um Profite zu maximieren, aber auch ein Mittel, um die Gesellschaft zu spalten. Wir marxistischen Feministinnen bestehen darauf: Frauenunterdrückung hängt untrennbar mit der Geschichte des Kapitalismus zusammen.
Es scheint zunächst einfach, heißt es doch im Kommunistischen Manifest: „alle Verhältnisse, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist.“ Es wird von Menschen gesprochen, also müssen doch Frauen mitgedacht sein.
Marx spricht in den Ökonomisch-Philosophischen Manuskripten von Geschichte als „den Entstehungsakt der menschlichen Gesellschaft“. Geschichte ist also die Entwicklungsgeschichte der Menschen. Menschen, alle Geschlechter, entwickeln ihre eigene Geschichte, es gibt keine abstrakte Erzählung über Menschen. Alles ist also veränderbar, und um überhaupt Geschichte machen zu können, müssen Menschen zuallererst ihren Lebensunterhalt bestreiten. Dies können Menschen nur, indem sie sich die Natur aneignen, um von ihr leben zu können. Dies wiederum hat zwei Komponenten: Es sind erstens Werkzeuge notwendig und zweitens eine bestimmte Organisation der Produktion.
„In der gesellschaftlichen Produktion ihres Lebens gehen die Menschen bestimmte, von ihrem Willen unabhängige Verhältnisse ein, Produktionsverhältnisse, die einer bestimmten Entwicklungsstufe ihrer materiellen Produktionsverhältnisse entsprechen. Die Gesamtheit dieser Produktionsverhältnisse bildet die ökonomische Struktur der Gesellschaft, die reale Basis, worauf sich ein juristischer und politischer Überbau erhebt und welcher bestimmte gesellschaftliche Bewusstseinsformen entsprechen.“
Menschen arbeiten also zusammen, um Güter gemeinschaftlich zu erzeugen. Sie gehen Verhältnisse ein, da einzeln nicht zu produzieren ist. Der Marxismus lehrt uns, dass im Kapitalismus das zentrale Element die Wertschöpfung und Akkumulation, die Bildung von Mehrwert ist. Der Prozess der Bildung von Mehrwert basiert auf Ausbeutung. Der Kapitalist kauft die Ware Arbeitskraft und kann dann Waren produzieren lassen, die er wiederum auf dem Markt verkaufen kann. Der Mehrwert für den Kapitalisten entsteht dadurch, dass die Waren, die der Arbeiter produziert, mehr wert sind, als er an Lohn bekommt. Oder anders ausgedrückt: mehr wert sind, als der durchschnittliche Wert der Waren, die notwendig sind, um die Ware Arbeitskraft wiederherzustellen. Die Arbeitskraft des Arbeiters muss also selbst reproduziert werden, er braucht Nahrung, Zuwendung, Pflege, ein Dach über dem Kopf.

Marx beschreibt es so: „Die Arbeitskraft existiert nur als Anlage des lebendigen Individuums. Ihre Produktion setzt also seine Existenz voraus. Die Existenz des Individuums gegeben, besteht die Produktion der Arbeitskraft in seiner eigenen Reproduktion oder Erhaltung. Zu seiner Erhaltung bedarf das lebendige Individuum einer gewissen Summe an Lebensmitteln. Die zur Produktion der Arbeitskraft notwendige Arbeitszeit löst sich also auf in die zur Produktion dieser Lebensmittel notwendige Arbeitszeit, oder der Wert der Arbeitskraft ist der Wert der zur Erhaltung ihres Besitzers notwendigen Lebensmittel.“

Wir sehen, es gibt zwei Arten der Produktion: die des Lebens zur Wiederherstellung der Arbeitskraft und die der Lebensmittel. In der Produktion der Lebensmittel müssen – um der Logik des Kapitalismus zu folgen, Profite gemacht werden, hier ist der Bereich, in dem Zeiteinsparung und damit Reichtum möglich sind. Die Produktion des Lebens wird vernachlässigt, an Frauen überantwortet und nur deshalb nicht übergangen, weil es zugleich der Bereich ist, in dem die Produkte der Lebensmittelproduktion abgesetzt werden müssen. Wir finden also zwei ineinander überlagerndes Herrschaftsarten: die der Verfügung über die Arbeitskraft in der Lebensmittelproduktion durch den Kapitalisten und die der Männer über die weibliche Arbeitskraft, die die Reproduktion der Arbeitskraft der Männer schafft. Reproduktion und Produktion bedingen sich im kapitalistischem System gegenseitig.

Bringen wir die beiden Produktionen, die profitgetriebene Lebensmittelproduktion und die Produktion des Lebens selbst auf eine gleichberechtigte Ebene! Die Lösung scheint dann einfach: Wir brauchen eine Neuausrichtung aller gesellschaftlich sinnvollen und notwendigen Arbeiten. Die Vier-in-einem Perspektive schlägt dies vor und unterbreitet einen praktischen Vorschlag: Die zentrale Forderung ist ein 16-Stunden-Tag für alle: vier Stunden für Produktion, vier für Reproduktion, vier für politische Einmischung und vier für die Arbeit an sich selbst und zur Muße. Dies wäre eine andere Aufteilung der vorhandenen (Lebens-)Zeit. Eine Verteilung, die es allen möglich macht, Lohnarbeit zu leisten, sich selber weiterzuentwickeln, mit Freundinnen, Familie oder den Nachbarinnen Zeit zu verbringen und sich dann auch noch in die Politik einzumischen. Eine großartige Vorstellung, oder?

Literaturempfehlung:
Frigga Haug „Der im Gehen erkundete Weg – Marxismus Feminismus“

Über den Autor

5 Kommentare

  • 1
    jacques derrida says:

    Schon ironisch…ein Blatt, dass sich „diefreiheitsliebe“ nennt und sich als Portal für kritischen Journanlismus bezeichnet, schreibt einen Propaganda Artikel um eine Freiheits hassende Ideoplogie voran zu treiben…aber wir sind zum Glück im Zeitalter der Durchleuchtung angekommen und diese unwissenschaftlichen und unaufrichtige Thesen des Herrn Marx und des postmodernen 3. Welle Feminismus werden bald dort landen wo sie hingehören…auf dem Müllhaufen der Geschichte

    • 1.1
      Julius Jamal says:

      haha

    • 1.2

      Was stimmt mit dir nicht? Wer den Kapitalismus als Freiheit bezeichnet, der hatte noch nie Hunger. Jedes Jahr sterben Millionen Menschen aufgrund unserer Wirtschaftssystems. Sklaverei und Co. die es gab nicht zu vergessen. Es spricht einfach nichts dafür, das wir hier verharren sollten. PS. Schau mal in unsere Selbstbeschreibung rein.

      • 1.2.1
        jacques derrida says:

        @Daniel Kerekeš
        lol….Unter Sozialismus sterben die meisten…was man anhand von Beispielen der Soviet Union, China, Kuba, Venezuela wunderbar sehen kann. Unter diesem mörderischen System werden Menschen erst unter der Maske der Gleichstellung beraubt und dann ausgebeutet…übrigens…das Italien unter Mussolini und Nazi-Deutschland waren auch sozialistisch …Hitler und Mussolini waren eifrige Studenten von Marx.
        Und zum Thema Sklaverei…im Sozialismus ist man vom System her Sklave…schließlich haben dort andere ein Anrecht auf meine Leistung.
        Ich habe jetzt keine Lust alle Punkte deines ideologischen Kults (der kommunismus ist ja das prophezeite Paradies) zu widerlegen…haben schon mehr als genug im Internet getan…kannst du einfach nachlesen.
        …Aber ich habe einen Witze für dich:

        “ In den 1960er Jahren bemerkten die Sowiets, dass ihre sozialistische Wirtschaft nicht funktioniert und der Kommunismus in weiter Ferne liegt…also luden Sie Leute vom CIA ein, um rauszufinden woran es hapert.
        Der CIA Mann wird in Moskau von einem KGB Mann empfangen und sie beginnen die Bestandsaufnahme. Sie gehen zum Bäcker und nach kuzer Weile sieht der CIA Mann dort das Problem und schreibt in sein kleines Notizbuch: „Kein Brot!“…sie gehen weiter zum Schuhmacher und wieder erkennt der CIA Mann das Problem und schreibt in sein kleines Notizbuch: „Keine Schuhe!“…Beim Metzger schreibt der CIA Mann wieder in sein Buch: Kein Fleisch!“…Der KGB Mann, mittlerweile gekränkt von der demütigen Vorstellung die er seinem Kollegen geben muss, späht auf das Notizbuch und meint: “ Weißt du, vor 10 Jahren hätten wir jeden erschossen der das alles aufschreibt!“…der CIA Mann schreibt in sein Notizbuch:“ Keine Patronen!“

      • Nordkorea nennt sich demokratisch, ist es eine Demokratie? Nein. So einfach kann man es sich also nicht machen, wenn man „Kuba, China & Co. als sozialistisch“ bezeichnet. Das waren stalinistische Diktaturen. Trotz alledem mal zum vergleich: Im Kapitalismus sterben seit 100 Jahren jährlich zwischen 1 bis 4 Millionen Kinder an Unterernährung. Um es mit Jean Zieglers Worten zu nennen: Jeder Mensch der an Hunger stirbt, wird ermordet.