Der Vorkrieg beginnt mit einer Täuschung!

27. Juni 2019 - 11:15 | | Politik | 1 Kommentare

Druck auf Merkel und Maas machen, um Irankrieg zu verhindern.

„Wann Krieg beginnt, kann man wissen, aber wann beginnt der Vorkrieg?“ Diese Frage treibt in Christa Wolfs  Roman „Kassandra“, der vom Krieg um Troja handelt, die Titelheldin um. Weiter lässt Wolf ihre Kassandra ausführen: „Falls es da Regeln gäbe, müsste man sie weitersagen. In Ton, in Stein eingraben, überliefern. Was stünde da. Da stünde unter anderen Sätzen: Lasst Euch nicht von den Eignen täuschen.“[1]

Der Vorkrieg beginnt also mit einer Täuschung. Und so gesehen befinden wir uns längst im Vorkrieg zwischen den USA und dem Iran.  Die Bundesregierung fühlt sich den USA immer noch sehr verbunden, zählt sie wahrscheinlich zu den „eigenen.“ Deshalb braucht es jetzt umso mehr Druck aus der Bevölkerung, damit Deutschland sich auf keinen Fall von den USA in diesen drohenden Krieg reinziehen lässt.

Die militärische Eskalation zwischen Iran und USA schreitet voran. Ungeklärte Angriffe auf zwei Tanker sorgen für Spekulationen. Vor wenigen Tagen waren schon US-amerikanische Kampfjets Richtung Iran aufgebrochen. 10 Minuten bevor die erste Bombe fallen sollte, rief Donald Trump sie doch noch zurück. 11 Minuten später wäre es zu spät gewesen.

Die USA begannen den Vietnam-Krieg mit einer Lüge, sie begannen den Irak-Krieg mit einer Lüge und vielleicht beginnen sie jetzt erneut einen Krieg gegen den Iran mit einer Lüge. Der Irakkrieg hatte katastrophale Auswirkungen, die  die Region bis heute beschäftigten. Wir erinnern uns an den denkwürdigen Lügenauftritt von Colin Powell im UN-Sicherheitsrat, woraufhin die UN-Inspektoren  aus dem Irak abgezogen wurden, die den Vorwurf der Biowaffen in den Händen Saddam Husseins seriös untersuchen sollten. Später stellte sich heraus, Powell hatte gelogen. Doch da waren die Bomben bereits gefallen, da hatte der Krieg bereits unzählige Tote gefordert.

Die Weltgemeinschaft sollte sich daher nicht erneut belügen lassen. Es steht einfach zu viel auf dem Spiel und Donald Trump ist nicht zu trauen. Der Syrienkrieg ist bereits ein Alptraum. Und Syrien hatte nur 20 Millionen Einwohner,  der Iran hat 80 Millionen. Daher ist jetzt die Stunde der Diplomatie!

Daher fordere ich eine lückenlose Aufklärung des Vorfalls durch eine  unabhängige Untersuchungskommission, die der UN-Sicherheitsrat sofort einsetzen muss. Die Europäische Union sollte sich dafür einsetzen und besonders Heiko Maas sollte alles dafür tun. Deutschland hat zurzeit einen Sitz im UN-Sicherheitsrat. Es ist jetzt der Zeitpunkt, daraus ein starkes Friedenssignal zu machen und einen drohenden erneuten Waffengang im Nahen Osten zu verhindern. Kommt es zwischen den USA und dem Iran zum Krieg, kann es zum Flächenbrand in der gesamten  Region kommen.

Deshalb sollte die Bundekanzlerin Angela Merkel gegenüber den USA und gegenüber der NATO unmissverständlich klar machen, für diesen Krieg  steht Deutschland nicht zur Verfügung, auch nicht unsere Infrastruktur, unser Flughäfen bzw. unsere Straßen. Merkel muss den USA klar signalisieren, dass bei einem möglichen Waffengang sowohl die Überflugrechte wie die Nutzung von US-Basen in Deutschland ausgeschlossen sind.

US-Präsident Trump spielt wirklich mit dem Feuer, wenn er glaubt, das Mullah-Regime militärisch beeindrucken zu können. Die Welt steht offenbar kurz vor einem Militärschlag gegen den Iran, der, falls er erfolgt, einen Flächenbrand mit unabsehbaren Folgen in der gesamten Region auslösen kann. Deutschland muss jetzt sein ganzes internationales Gewicht in die Waagschale legen, um die drohende militärische Eskalation zwischen den USA und dem Iran zu verhindern.

Und auch die EU-Staats- und Regierungschefs in Brüssel sollten für ein paar Tage ihr Postengeschacher um die Kommissionsleitung unterbrechen und sich stattdessen mit aller Kraft zusammen für die Verhinderung der drohenden neuen militärischen Katastrophe im Nahen Osten einzusetzen.


[1] Christa Wolf. Kassandra. Aufbau Verlag Berlin und Weimar, 3. Auflage 1985, S. 260.


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Über den Autor

Katja Kipping
Katja Kipping ist Mitglied des Bundestages und Vorsitzende der Partei die Linke.
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