© Daniel Greifeneder

Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen aber wissen sollten

„Darf ich mal deine Haare anfassen?“, „Wo kommst du her?“ – dies sind nur zwei von vielen Fragen und Mikroaggressionen, mit  denen viele BIPOC konfrontiert werden. Zum größten Teil werden diese Fragen von weißen Menschen gestellt, denen nicht bewusst ist, dass sie rassistischen Denkweisen unterliegen.

Alice Hasters hat in ihrem Buch eine dringend notwendige Debatte ausgelöst: Warum ist es für weiße Menschen so schwer, über Rassismus zu sprechen? Wieso Rassismus institutionell, strukturiert und ein Konstrukt ist, welches von weißen Menschen erschaffen wurde. Sei es durch Rassenkunde, die auf keiner naturwissenschaftlichen Grundlage basiert, auf medialer Darstellungsform, wie etwa in Filmen, in denen zum einen weiße Darsteller die Helden sind und BIPOC-Darsteller die negative Rolle des Schurken übernehmen. Des Weiteren werden in absurder Weise weiße Darsteller in Rollen gesetzt, die offensichtlich nicht ihrer Hautfarbe entsprechen, was als „Whitewashing“ bezeichnet wird: beispielsweise John Wayne in „Dschingis Khan“, Angelina Jolie in „ein mutiger Weg“.

Vielen weißen Menschen ist nicht bewusst, dass sie privilegiert sind und das sogenannte „White Privilege“ besitzen. Als weiße Person ist man keiner Stigmatisierung ausgesetzt, wie bei der Wohnungssuche oder bei der Bewerbung um einen Arbeitsplatz, beim Einkauf im Supermarkt nicht vom Ladendetektiv unter Beobachtung zu stehen oder dass man aufgrund der Hautfarbe von der Polizei nicht unter Generalverdacht gestellt wird. 

Alice Hasters erklärt in ihrem Buch hervorragend die Verbrechen der Kolonialgeschichte, wie ein ganzer Kontinent von Frankreich, Großbritannien, Deutschland und dem damaligen Osmanischen Reich aufgeteilt wurde (Stichwort Maafa, oder Afrikanischer Holocaust, Swahili für „Großes Unglück“), welche bis heute im Geschichtsunterricht in Schulen nur am Rande erwähnt werden. Die Geschichte der BIPOC im Nationalsozialismus, die ebenfalls wie Juden und Sinti und Roma in Konzentrationslagern durch das Nazi-Regime zu Zwangsarbeit gezwungen und zum Tode verurteilt wurden.

Erklärung statt Spaltung

Dieses Buch dient nicht der Spaltung oder der Anprangerung der weißen Bevölkerung. Es geht darum, dass man sich als weiße Person seiner Privilegien bewusst wird, und um die Erkenntnis, dass eine rassistische Sozialisierung über Generationen weitergetragen wurde und immer noch präsent ist. Wenn wir als weiße Menschen unsere Privilegien erkennen, können und müssen wir dazu beitragen, dass systematischer und struktureller Rassismus bekämpft wird, wo immer er auch stattfindet. Es ist oft mühsam und schmerzhaft, sich mit den eigenen rassistischen Denkmustern kritisch auseinanderzusetzen. Es ist aber nichts im Vergleich zu dem, was BIPOC jeden Tag über Jahrhunderte durchmachen mussten. Für jeden Antirassisten, für jeden Menschen, der bereit ist, sich seiner rassistischen Sozialisierung bewusst zu werden, ist dieses Buch ein Muss. 

Die Autorin Alice Hasters schildert durch persönliche Erfahrungsberichte, gründlich recherchierte historische Befunde und Aussagen von führenden Menschenrechtlern über Alltagsrassismus, Mikroaggressionen und Othering wie keine andere. Ein Buch, welches den Kampf gegen Rassismus weit nach vorne gebracht hat und welches eine dringend notwendige Debatte über Rassismus hervorgebracht hat.

Das Buch kann hier bestellt werden.

Eine Besprechung von Daniel Greifeneder.

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