Rassismus im Fußball – (K)ein englisches Phänomen

Die Europameisterschaft endete vor wenigen Tagen mit dem Sieg von Italien gegen England. Was auf den italienischen Sieg folgte war massiver Rassismus gegen drei schwarze englische Spieler, die ihre Elfmeter nicht getroffen hatten. Igor Gvozden zeigt auf, warum dies ein Problem ist, was weit über England hinaus geht.

Der Rassismus, der sich seit dem EM-Finale gegen die schwarzen Spieler Sancho, Rashford und Saka entlädt, ist nicht nur ekelhaft sondern auch eine besondere Form des Rassismus. Es geht hier nicht nur um banalen Rassismus von Rechtsextremen, die Schwarze oder Migranten halt hassen und sie auch nicht in „ihrer Nationalmannschaft“ wollen. Hier herrscht ein Nützlichkeitsrassismus vor.

Treffen die Drei den Elfer, sind es gute Engländer. Treffen sie die Elfer nicht, sind sie eben die Schwarzen, die Schuld an der Niederlage haben, treffen sie sind sie Engländer. „Treffe ich, bin ich Franzose. Treffe ich nicht, bin ich Araber,“ sagte der französische Stürmer Karim Benzema mal dazu. Diese Form des Rassismus gibt es aber nicht nur in England oder Frankreich. Auch bei deutschen Niederlagen war jahrelang Mesut Özil plötzlich der „Türke,“ und bei Siegen eben der „Deutsche.“Die gestrigen Geschehnisse zeigen, dass es mit einem Knien der Spieler leider nicht getan ist. Rassismus muss jeden Tag bekämpft werden. Um dieser Form des Nützlichkeitsrassismus ihre Grundlage zu entziehen, muss auch die vorherrschende Form des Leistungsdenkens geändert werden, die Menschen in nützliche und nicht nützliche Menschen kategorisiert. Gestern waren es reiche Fußballer, aber dieses Denken zeigt sich besonders häufig gegenüber Geflüchteten. Dann wird ökonomisch debattiert, ob es sich „lohnt“, dass diese hierherkommen (also Jobs bekommen und Steuern zahlen) oder wie teuer dies doch im Gegenzug sei. Das Nützlichkeitsdenken herrscht jedoch auch vor, wenn es um Erwerbslose geht: „Die wollen nicht arbeiten und haben deswegen nichts verdient!“ Dieser Leistungs- und Nützlichkeitsgedanke hat in Zeiten des Neoliberalismus Rückenwind bekommen und muss überwunden werden. Der Kampf gegen Rassismus und für soziale Gerechtigkeit gehört eben zusammen.

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