Auf nach Berlin! Auf zu den Internationalismustagen!

21. Januar 2016 - 11:35 | | Politik | 8 Kommentare

1916, mitten im 1. Weltkrieg, veröffentlichte Rosa Luxemburg ihre Schrift Die Krise der Sozialdemokratie. Im Anhang finden sich Leitsätze über die Aufgaben der Sozialdemokratie. Eine wesentliche These dieser Schrift lautet: „In der Internationale liegt der Schwerpunkt der Klassenorganisation des Proletariats.“ Rosa L. wollte damit die Notwendigkeit einer transnationalen, internationalistischen Politik der gesamten Sozialdemokratie weltweit formulieren.
In Fragen der Strategie und der Taktik müssten Sozialdemokraten Gemeinsamkeiten formulieren und diese in praktische Politik umsetzen. Von der Formulierung gemeinsamer Aufgaben und deren Umsetzung, ist die deutsche und internationale Linke aktuell weiter entfernt denn je. Ganz im Gegenteil: In den wesentlichen Fragen imperialistischer Politik zeigt sich die deutsche Linke tiefst zerstritten.

Beispiel Syrien – während die einen unverhohlen das Assad-Regime als legitimen Ausdruck des Volkswillens betrachten, unterstützen die anderen die syrische Revolution. Einige versuchen, sich aus diesem Konflikt herauszuhalten und konzentrieren sich auf die Unterstützung der kämpfenden Kurdinnen und Kurden in Rojava.
Beispiel Griechenland – während die einen die Tsipras-Regierung als einzig möglichen Ausdruck der Verhältnisse in einem globalisierenden Europa sehen, sehen andere die Tsipras-Regierung als eine Kapitulationsregierung, die die letzten Reste einer möglichen fortschrittlichen Entwicklung in Europa erschwert.
Beispiel Ukraine – für die einen war der Maidan der Beginn einer fortschrittlichen Bewegung in der Ukraine, während für die anderen diese Bewegung nichts weiter als die Keimform einer faschistoiden Regierung ist.
Auch in den Fragen der Flüchtlingspolitik deuten sich tiefe zukünftige Spaltungslinien an. Wagenknecht/Lafontaine nehmen immer mehr die Positionen der Begrenztheit des Flüchtlingsstromes an, wollen „kriminelle Ausländer“ abschieben, während andere für offene Grenzen eintreten und das Asylrecht nicht als Gastrecht verstehen.
Jede politische Aktion braucht eine vorbereitende Diskussion. Aus diesem Grunde wollen wir all diese Spaltungslinien der Linken plural und offen auf unseren Internationalismustagen diskutieren. Wir sehen dies nicht als Bildungsveranstaltung, sondern als eine Strategiedebatte, die es uns ermöglicht, politisch einzugreifen und antikapitalistische, revolutionäre Politik voranzubringen. Deswegen wollen wir nicht unter uns diskutieren, sondern laden offen und breit Linke verschiedener Strömungen ein, sich der Debatte zu stellen. Wir organisieren insgesamt elf Workshops zu internationalen, aber auch nationalen Fragestellungen. Es wird zwei Podiumsdebatten geben, einmal zur Frage der Aufgaben der radikalen Linken im Zeichen des Vormarsches des deutschen Imperialismus, und einmal zur Frage, welche Strategie und welche Organisation wir in Europa brauchen. Wir haben Linke mit ganz unterschiedlichen Positionen eingeladen, aus Griechenland, Polen, Portugal, Britannien, Syrien und der Türkei.

Die Internationalismustage beginnen am Freitag, den 12. Februar um 15 Uhr. Am Sonnabend, den 13. Februar starten die Workshops um 11 Uhr. Sie enden mit einem nächtlichen Konzert, auf dem insgesamt zehn Gruppen auftreten werden, u.a. Holger Börner und kurdische Rapgruppen, wie Streetfighter Muzik. Die Internationalismustage finden in schöner Umgebung direkt am Landwehrkanal im Statthaus Böcklerpark statt. Da hohe Kosten enstehen, müssen wir Eintritt nehmen, für beide Tage 15 EUR, ermäßigt 5 EUR, nur für das Konzert 5 EUR.

Statthaus Böcklerpark, Prinzenstr.1, U-Bhf Prinzenstr., Berlin Kreuzberg

Rückfragen beantworten wir gerne unter michael-pruetz@gmx.de.

Über den Autor

8 Kommentare

  • 1
    Paul Söderboom says:

    Die Ideen von Rosa Luxemburg hatten von Anfang an ausgedient . Sie waren ein Verblödungssystem für schwachsinnige Pseudointellektuelle . Es bedarf also keiner Neuauflage . Wir können uns diese Dummheiten nicht mehr leisten .

  • 2
    DFL says:

    Leute, wacht auf. Ihr lebt schon längst im Sozialismus. Soviel Zwang zur Umverteilung wie hier, gibt es im Kapitalismus nicht. Das Problem ist eindeutig der Sozialismus. Und der muss beseitigt werden, damit sich Eigenverantwortung und Kreativität wieder entfalten können. Das geht nur, wenn die fremdbestimmenden, per Steuern zwangsfinanzierten Parasiten in Politik und deren Lobbyinstitutionen (Stiftungen, Verbände, Medienbeteiligungen) beseitigt werden. Aber freut euch, wir sind auf dem besten Wege dahin.

  • 3
    nachgedacht says:

    Die gefeierte Tochter des einst berühmten Bundes [Allgemeiner Jüdischer Arbeiterbund], Rosa Luxemburg, war zweifellos wissenschaftlich und anderweitig die fähigste Volkswirtschaftlerin unter allen ihren sozialistischen Zeitgenossen – mit Abstand die beste. Auch wenn sie heute im akademischen und politischen Leben weitgehend vergessen ist, ihre einzigartig treffende Abhandlung über den britischen Imperialismus kommt jetzt, in den weltweiten Krisenereignissen im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahl am 4. November, wieder zum Tragen – während unser ganzer Planet rasant in ein weltweites neues dunkles Zeitalter, noch schlimmer als das im 14. Jahrhundert, abzugleiten droht.

    Die Bedeutung von Rosa Luxemburgs damaligen Studien über den modernen Imperialismus ergibt sich insbesondere aus zwei Umständen, die wir für das Verständnis der gegenwärtigen Krise der Weltzivilisation berücksichtigen müssen. Erstens: diese Krise ist eine Folge des heutigen Einflusses derselben Kreise britisch-imperialer Feinde des US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt und der britischen Sympathisanten in den USA und anderswo, die seit Sommer 1944 gegen Roosevelt mobilisiert wurden; dazu gehörte auch Winston Churchills Komplize, US-Präsident Harry Truman. Zweitens: Die Krise entstand aus einer Abfolge von Änderungen in der amerikanischen Politik, die durch den britischen Einfluß auf korrupte oder dümmliche US-Staatsführer hervorgerufen wurde, angefangen mit der Zeit nach Franklin Roosevelts Tod, besonders aber seit der Zeit der Unruhen der umstürzlerisch-gewalttätigen Umtriebe der terroristischen „Weathermen" 1968-70. Diese Ereignisse sind Ausdruck der Veränderungen, die sämtliche US-Regierungen seit 1971 dazu verleitet haben, in den USA Zustände zu fördern oder zumindest nicht zu hemmen, in denen der reale, physische Ertrag der US-Volkswirtschaft in der gesamten Periode vom Steuerjahr 1967-68 bis heute netto immer schneller geschrumpft ist.
    https://www.bueso.de/artikel/neues-finsteres-zeitalter-zieht-herauf-heutige-britische-imperialismus

  • 4
    h.s. says:

    das problem ist bleibt schon immer jede form von sozialismus. bitte erst einmal ein wenig volkswirtschaftlich fortbilden. der im übrigen auch das vorherrschende system auf dieser welt ist. zumindest zur zeit.

  • 5
    AmiGoHome says:

    Ihr wollt es einfach nicht begreifen, oder? Hier gibt es kein Kapitalismus, wenn schon Korporatismus, Faschismus oder Neoliberalismus. Aber die Linken wollen es einfach nicht begreifen, warum sie einen PC oder ein Smartphone besitzen können, welchen/welches sie bezahlen können und sogar funktioniert. Sicher nicht wegen euren sozialistischen Träumereien!

  • 6
    libertas says:

    Ein paar einfache Fragen an diejenigen, die meinen, wir lebten im Kapitalismus.
    – Ist es typisch kapitalistisch, Banken in einer selbst verschuldeten Krise mit Staatsknete zur „retten“?
    – Ist es typisch kapitalistisch, wenn der Staat den Bürgern weit über die Hälfte des Einkommens wegnimmt, um es in einem intransparenten und teurem Verfahren umzuverteilen
    – Ist es typisch kapitalistisch, wenn im Gesundheitssystem Kassen und Verbände die Preise aushandeln und der Kunde (Patient) eigentlich nichts zu sagen hat?
    – Ist es typisch kapitalistisch, wenn eine Zentralbank den Preis für Geld (= Zins) festlegt und massiv in den Markt eingreift?

  • 7
    Braunpest says:

    „Ein paar einfache Fragen an diejenigen, die meinen, wir lebten im Kapitalismus.
    – Ist es typisch kapitalistisch, Banken in einer selbst verschuldeten Krise mit Staatsknete zur „retten“?“

    Ja, weil Kapitalismus eine Klassengesellschaft ist und nur als solche existieren kann. Der Staat ist letztlich nichts anderes als das Werkzeug zur Durchsetzung der Interessen der herrschenden Klasse. So einfach ist das, aber stell dich ruhig weiter dumm und behaupte, der real existierende Kapitalismus sei in Wahrheit ein Sozialismus. Hast du das von den Nazis gelernt? Die haben das ja auch immer gerne durcheinander gebracht, damit die kapitalistische Ausbeutungsmaschinerie geschmierter läuft…

    • 7.1
      libertas says:

      Bei so vielen Kampfbegriffen gehe ich lieber in Deckung. Sie haben Recht: Das Leben unter Stalin war einfach perfekt!