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Die Quandts – das Vermögen der Superreichen

„Wir haben ein Riesenproblem in Deutschland: Dass wir nie vergessen können.“ Diese Worte stammen von Sven Quandt, und was dieser gerne vergessen machen will, ist die Zeit des Nationalsozialismus. Denn auch die Quandts nahmen den Werdegang vieler superreicher Deutscher.

Eine Industriellenfamilie, deren „Erfolgsgeschichte“ eng mit zwei Weltkriegen, dem Nationalsozialismus und der ausgebliebenen „Entnazifizierung“ in der Bundesrepublik verbunden ist. Wichtigste Quelle ihres heutigen Reichtums: Die Haupterben Susanne Klatten und Stefan Quandt besitzen fast die Hälfte der Aktien von BMW. Das brachte ihnen allein in den Jahren 2019 und 2020 eine Dividende von etwa 1,3 Milliarden Euro ein. Wie bei den meisten deutschen Milliardären liegt der Ursprung ihres Reichtums
einige Generationen zurück. Urgroßvater Emil Quandt war durch Heirat mit einer Fabrikantentochter zu Geld gekommen. 1883 übernahm er den Betrieb ihres Vaters. Eine Tuchfabrik, die schon damals vor allem für das Militär produzierte. Seinen Sohn Günther Quandt lernte er bereits in jungen Jahren in die Führung des Konzerns ein. Während des Ersten Weltkriegs konnte das Unternehmen rasch expandieren. Lange vor Kriegsausbruch hatte Günther Quandt Expansionspläne für diesen Fall geschmiedet, wodurch sein Konzern zur Spitze des Kartells deutscher Tuchfabrikanten aufstieg. Bald kamen weitere Geschäftsfelder hinzu, etwa im Bergbau, der Elektroindustrie sowie der Waffen- und Munitionsindustrie.

Nach der Machtübergabe an die Nazis wurden die Quandts zu deren Nutznießern und laut Urteil einer historischen Untersuchung zu einem „Teil des NS-Regimes“. Noch Jahrzehnte später schwärmte Herbert Quandt von Hitlers Tatkraft im Kampf gegen den Kommunismus. Nicht nur Aufrüstung und Krieg ließen die Profite der Quandts anwachsen, sondern auch der Einsatz von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern. Die Dokumentation „Das Schweigen der Quandts“ kam zu dem Ergebnis, dass sie ohne Schutzausrüstung in den Batteriewerken schuften mussten und dabei den giftigen Dämpfen von Blei und
Cadmium ausgeliefert waren, was viele nicht überlebten. Demnach gab es internen Berechnungen von Günther Quandt zufolge im firmeneigenen KZ eine „Fluktuation“ von 80 Zwangsarbeitern und Zwangsarbeiterinnen monatlich – ergo 80 Todesopfer.

Wie den meisten Kapitalistinnen und Kapitalisten, die erheblich vom Dritten Reich profitierten, gelang es auch den Quandts, nach dem Krieg ihr Vermögen in die BRD zu retten. Nach dem Tod des Patriarchen übernahmen seine Söhne das Geschäft. Der jüngere von ihnen, Harald Quandt, wuchs bei Joseph Goebbels auf, den seine Mutter nach der Scheidung von Günther Quandt geehelicht hatte. Gemeinsam mit seinem Bruder Herbert gelang es ihm, die angeschlagenen Bayerischen Motoren Werke (BMW), bei denen sie eingestiegen waren, zu einem Weltkonzern aufzubauen.
Heute produziert BMW nicht nur in Deutschland, den USA und Großbritannien, sondern unter anderem in China, Brasilien, Russland und Indien. Während hierzulande das Lohnniveau dank gewerkschaftlich ausgehandelter Tarifverträge recht hoch ist, sieht dies in großen Teilen der Wertschöpfungskette ganz anders aus. Die Kritik: BMW gehe gezielt in Länder wie Mexico, um im Vergleich zur EU viel niedrigere Löhne zu zahlen. Noch wesentlich schlechter steht es um die Arbeitsbedingungen bei der Rohstoffgewinnung, wo Kinderarbeit keine Seltenheit ist. Schätzungen zufolge schürfen allein im Kongo
etwa 40.000 Minderjährige für einen Dollar am Tag Kobalt – Ein Metall, das für den Bau von Elektroautos benötigt wird. Amnesty International hat vor einigen Jahren offengelegt, das auch BMW aus solchen Minen importierte. Zwar reagierte das Unternehmen in der Zwischenzeit und weicht nun öffentlichkeitswirksam unter anderem nach Marokko aus, wo „nachhaltiges Kobalt“ eingekauft werde. Dass in dem Land Arbeitsbedingungen nach europäischen Standards gelten, darf aber ebenso bezweifelt werden.

Für die Quandts scheint das alles kein Problem zu sein. Viel größere Schwierigkeiten machte der Absatzeinbruch zu Anfang der Coronakrise. Daraufhin erhielt der Konzern Kurzarbeitergeld vom Staat, zahlte aber dennoch Dividenden. Damit die Politik wohlgesonnen bleibt, zeigt man sich großzügig. Laut Lobbycontrol hätten BMW und die Quandts seit dem Jahr 2000 etwa 10 Millionen Euro an Parteien verteilt und wären damit einer der größten Parteienspender in der Republik. Der größte Anteil soll dabei
an die Union gegangen sein, doch auch Grüne, SPD und FDP bekamen demnach etwas ab. Anstelle von Spenden setze man mittlerweile auf das Sponsoring von Parteitagen. Offiziell wolle BMW damit das „gesellschaftspolitische Engagement“ stärken.

Der Beitrag erschien in der Broschüre „Die Superreichen“, die sich mit der Herkunft des Geldes der reichsten Deutschen beschäftigt.

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