Wer ist eigentlich dieser Marx?

18. Mai 2015 - 12:21 | | Politik | 5 Kommentare

An vier Tagen debattierten über 800 Aktivisten und Aktivistinnen auf einem der größten linken Kongresse Deutschlands über die Aktualität des Marxismus und die Krisen dieser Welt: Egal  ob Grexit, Baltimore oder die aktuellen Kämpfe in Irland. Wir waren auf dem Kongress und haben uns diesen einmal angeschaut.

Das Programm hat es in sich, über 100 Veranstaltungen an vier Tagen, mit Gästen aus den USA, Spanien, Portugal, Griechenland, Irland, Großbritannien, Ukraine und vielen anderen Ländern dieses Erdballs. Es ist donnerstagmorgens, wir kommen im Haus des neuen Deutschlands in Berlin an. Hier wird der Kongress stattfinden und es sind bereits über Hundert Menschen im Hof und in den Räumlichkeiten. Die drei linken Tagezeitungen taz, junge Welt und neues Deutschland verteilen bereits ihre Zeitungen an Ständen.

Alleine der Blick auf das Programm bringt uns in Schwierigkeiten: Wohin soll man nur gehen? Parallel finden neun Veranstaltungen statt. Egal ob zur Aktualität der russischen Revolution, den Kämpfen in Griechenland oder Irland, für alle war etwas dabei.

 

Stathis Kouvelakis, Syriza Vorstandsmitglied: „Wir brauchen eine kritische, internationale Solidarität mit Syriza. Wenn wir es in Griechenland schaffen, die Austeritätspolitik zu überwinden, kann es der Auftakt zum europäischen Frühling werden.“ #mim15 #syriza #socialism

Posted by Marx is‘ Muss on Sonntag, 17. Mai 2015

Hochkarätige Gäste

Auf dem Auftaktpodium sitzen mit Bernd Riexinger, Raul Zelik und Christine Buchholz hochkarätige Politiker und Journalisten. Gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Linkspartei wird über die Polarisierung Europas in der Krise diskutiert. Auf einem weiteren Podium diskutiere am Freitag die 68er Aktivistin Frigga Haug gemeinsam mit Rhonda Koch vom SDS. In einem anderen Seminar referierte der israelische Historiker Ilan Pappe über die Gründung Israels und die aktuelle Unterdrückung der Palästinenser. Mein persönliches Highlight war das Abschlusspodium, auf dem u.A. von Tarifauseinandersetzungen im Berliner Charité und  dem Sozial und Erziehungsdienst berichtet wurde. Besonders gefeiert wurde Stathis Kouvelakis, Mitglied im Vorstand von Syriza. Er beschrieb, wie die Strategie von Varoufakis und Tsipras, die Probleme des Landes innerhalb der EU und der Euros zu lösen, gescheitert sind. Vielmehr brauchen die Partei und die Linke Plattform von Syriza internationalen Druck und eine kritische Begleitung. Denn nur dadurch könnte in Griechenland die Austeritätspolitik und das Spardiktat der Troika überwunden werden und der griechische Frühling zu einem europäischen werden.

Radikale Linke diskutiert

Marx21, der Veranstalter des Kongresses, zählt sich selber zur radikalen Linken, will also konsequent mit dem Kapitalismus brechen und vertritt dabei das Konzept des Sozialismus von Unten. Auf dem Kongress merkte man schnell, dass sich die Organisation, die sich um das Magazin Marx21 gebildet hat, auf die Linkspartei und ihren Studierendenverband fixiert ist. Stefan Bornost, ehemaliger Chefredakteur des Magazins, stellte in einem Seminar Marx21 vor und die Notwendigkeit Organisierung von Aktivistinnen vor und was die Linkspartei sein kann: Ein Katalysator für soziale Proteste und keine bloße Parlamentspartei. Besucherinnen und Besucher mit denen ich sprach, waren beeindruckt von der Größe und der Vielfalt des Kongresses und die allermeisten wollen nächstes Jahr wieder kommen.

Für mich waren es klasse Tage: Tagsüber die geballte Ladung Tatendrang und Informationsflut, am Abend ein geniales Kulturprogramm, auf dem z.B. der Rapper Kaveh auftrat. Jetzt brauche ich erstmal ein wenig Ruhe. Doch eins ist klar: Das nächste Jahr bin ich wieder da, diesmal vielleicht sogar mit einem Infotisch.

Über den Autor

Bundessprecher der linksjugend ['solid] und Wortakrobat für die Freiheitsliebe, Balkan21 und andere Medien.
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5 Kommentare

  • 1
    ert sagt:

    Zwei dicke Fettnäpchen in nur einer Woche getroffen, das muss man mal verarbeiten können…

    Marxismus wurde bekanntlich unter der Regie der britischen Eliten erfunden, um die echte Linke zu zerstören. Dass er mit der Realität so viel zu tun hat wie Star Wars, dürfte hinreichend bekannt und bewiesen sein.

    Was diese Hampel hier diskutieren ist nichts anderes, als weitere Dialktik zum gleichen Zweck, diesmal eben von „links“ eingespeist durch die üblichen Bauernfänger. Gähn.

    Wer (so wie ich) im falschen Sozialismus gelebt hatte, weiß, dass es eigentlich Staatskapitalismus in Perfektion war und wünscht sich so was nie wieder zurück. Alles andere ist purer Wahnsinn.

    ’nuff said.

  • 2
    ert sagt:

    Achja und nochmals: Deutschland hat keine „deutsche“ Linke, diese ist schon lange pan-europäisch mit Zentrale in Brüssel. Gilt übrigens auch für andere Parteien.

  • 3
    ert sagt:

    Noch einige Infos:

    Marx Mutter kam aus der Familie Philips, die Gründer und Besitzer der Elektronik-Firma Philips. Die reichste Familie in ganz Belgien.

    Marx Frau war eine adlige, Jenny von Westphalen.

    Wer diesen Infos nichts abgewinnen kann, ist jenseits aller Rettungsversuche.

  • 4
    globelix sagt:

    Was Marx wollte war Freiheit.
    Seine Gedanken wurden und werden allerdings oft so aufgenommen, das hier ein starker Zwang und Trägheit entstehen.
    Marxisten reden nicht von Geld oder Steuern oder Bodenreformen oder BGE, obwohl das alles wichtige Sachen sind.
    Nein sie reden von einem sozialem Traum.

    Wacht auf Leute!
    Es gibt keine soziale Welt. Die ganze Welt besteht aus Interessenkonflikten. Nur deshalb gibt es Staaten und Politik, nur deshalb gibt es Marx‘ Werke.
    Doch die meisten derzeitigen Linken sind leider die letzten die es schaffen werden daraus Perspektiven zu entwickeln.