Nicht nur Söder und Seehofer: Vom Bierpreis und dem widerständigen Bayern

13. August 2018 - 16:28 | | Politik | 1 Kommentare
von Henning Schlottmann (User:H-stt) [CC BY-SA 4.0 ], vom Wikimedia Commons

König Ludwig wagte es im Jahr 1844, den Bierpreis um einen Pfennig zu erhöhen. Die Rechnung hatte er im Wortsinne ohne das Volk gemacht: 2000 Münchnerinnen und Münchner stürmten die Brauereien. Kurz zuvor hielten sie die Erhöhung des Brotpreises noch aus, beim Bier war dann Schluss. Nachdem auch das Militär sich der Befehle verweigerte, gegen die Aufständischen vorzugehen, gab Ludwig klein bei – am Ende wurde das Bier sogar günstiger als zuvor. Friedrich Engels hoffte nach diesen Aufständen, dass die Menschen schnell erkennen würden, wie der Obrigkeit ebenso einfach „auch bei wichtigeren Angelegenheiten das Fürchten zu lehren“ sei.

Ob Engels hier richtig lag, mag umstritten sein, allerdings: Die Anekdote um die Bierpreisrevolution überrascht und überrascht doch nicht: Beim Bier wird der Bayer grantig, das weiß selbst der Preiß (der Preuße, a.d.R.). Dass es auch darüber hinaus eine widerständige Tradition in Bayern gibt, ist aber weniger bekannt. Dabei zeugen Name und Verfassung des Landes von dieser Tradition: Der ‚Freistaat Bayern‘ wurde vor genau hundert Jahren von Kurt Eisner ausgerufen, einem Sozialisten. Die Verfassung wurde maßgeblich von Willi Hoegner und anderen Linken geschrieben. Hoegner war zwar in der SPD, könnte mit der heutigen Sozialdemokratie aber nicht mehr viel anfangen. Denn um die Verfassung umzusetzen, ist die gegenwärtige SPD weder willens noch in der Lage. Ein kleiner Einblick genügt: Unter Artikel 156 wird die Ausbeutung der Bevölkerung durch Konzerne verboten, Frauen und Männer sollen nach Artikel 168 gleichen Lohn für gleiche Arbeit erhalten. Artikel 106 bescheinigt allen Bewohnerinnen und Bewohnern Bayerns Anspruch auf eine angemessene Wohnung, der Artikel 161 gibt auf, Steigerungen des Bodenwertes für die Allgemeinheit nutzbar zu machen.

Ein Kommentar

  • 1

    Lieber Ates Gürpinar,

    ein schöner Artikel, dem ich sehr zustimme, auch wee Du im letzten Satz verständlicher Weise vergessen hast zu erwähnen, dass es mit mut in Bayern nun einen widerständigen Mitstreiter gibt.