Meine Entscheidung war Tod oder Freiheit -Im Interview mit Arash Hampay

1. November 2017 - 12:18 | | Politik | 0 Kommentare

Arash Hampay ist Aktivist auf der griechischen Mittelmeerinsel Lesbos. Dort lebt er unfreiwillig seit dem 18. September 2016 in dem Internierungslager “Moria”. Denn seit dem das Flüchtlingsabkommen zwischen der EU und der Türkei am 20. März 2016 beschlossen wurde, dürfen Menschen, die auf inoffiziellen Wegen von der Türkei auf die griechischen Inseln gekommen sind, nicht mehr weiter auf das Festland. Vielen dieser sogenannten Gestrandeten droht außerdem die Abschiebung zurück in die Türkei, wenn ihr Asylantrag abgelehnt wird.

Weil Arash Hampay im Iran politisch verfolgt wurde, wollten er und seine Brüder nach Europa fliehen. Als seine Brüder verweigerten zu einer Befragung der griechische Behörden zu gehen und daraufhin in einem Gefängnis eingesperrt wurden, startete Arash Hampay einen 41-tägigen Hungerstreik, um seine Brüder zu befreien und, um auf die menschenunwürdigen Behandlung von Flüchtenden in Griechenland hinzuweisen.

critica: Du warst im Iran politisch aktiv, was hast du dort gemacht, wofür hast du gekämpft?

Arash Hampay: Ich war im Iran für Menschenrechte und gegen die Diktatur tätig. Aufgrund dessen wurde ich mehrmals festgenommen und verbrachte einige Tage in iranischen Gefängnissen.

critica: Warum hast du deinen Hungerstreik begonnen, warum diese Form des Protests?

Arash Hampay: Ich habe den Hungerstreik geführt gegen das unmenschliche Verhalten des griechischen Staats. Die einzige Möglichkeit war einen Hungerstreik zu beginnen, denn für mich schien es in dieser Situation die wirksamste politische Aktion zu sein – sie ist aber auch die Gefährlichste.  

critica: Warum hast du deinen Hungerstreik nach mehr als einem Monat beendet?

Arash Hampay: Unsere Aktion war erfolgreich, weil wir unsere Forderungen durchsetzen konnten. Wir haben 41 Tage auf Essen verzichtet und im Nachhinein wurden alle Gefangenen freigelassen.

critica: Du wolltest auch Aufmerksamkeit erregen. Konntest du mit dem Streik erreichen, was du dir erhofft hattest?

Arash Hampay: Während des Hungerstreiks wurde mir schnell klar, dass Menschen auf diese Art des politischen Protests sehr einfühlsam und verständnisvoll reagieren. Der griechischen Bevölkerung wurde klar, dass ich es ernst meine und auf diese Weise schnell mein Leben verlieren kann und dass ich auch davor nicht zurückschrecke. Meine Entscheidung war entweder Tod oder Freiheit. Ich zögerte keine Sekunde. Die Menschen hier auf Lesbos unterschätzten mein Durchhaltevermögen, das brachte mir den Erfolg.  

Mein Ziel vom Streik war, das wahre Gesicht der griechischen Regierung und der EU aufzudecken. Diesen Streik habe ich auch geführt, um der europäischen Politik klarzumachen, dass sie ihre Gesetze einhalten bzw. ändern müssen.

critica: Jetzt führst du eine neue Kampagne mit dem Namen #1951, worum geht es bei dieser?

Arash Hampay:  Hierbei geht es um die Genfer Flüchtlingskonvention der Vereinten Nationen, die 1951 verabschiedet wurde. Diese Konvention wurde im Jahr 1951 – als Rechte für Flüchtende und MigrantInnen – in vielen Gesetzgebung festgehalten und umgesetzt. Wir wollen darauf hinweisen, dass wir als Flüchtende Rechte besitzen, die allgemein anerkannt wurden, aber nun mit Füßen getreten werden. Meiner Meinung nach hätten Migranten oder Flüchtende dieses Gesetz mitgestalten sollen.

critica: Gibt es auf Lesbos politische Parteien, die dich unterstützen?

Arash Hampay: Ich habe keine Hilfe von den politischen Parteien in Griechenland bekommen. Lediglich bei einigen Demonstrationen von Flüchtenden waren sie präsent.

Zum Glück ist die Bevölkerung auf Lesbos immer auf der Seite der MigrantInnen und Flüchtenden. Aber leider gibt es hier eine kleine Gruppe von Faschisten, die sehr gefährlich sein kann.

Arash Hampay berichtet über seine Aktionen und die Situation für Flüchtende auf Lesbos auf seiner facebook-Seite:
https://www.facebook.com/arashampay

Das Interview führte Martin Wähler.

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